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Soziale Kontakte schützen vor Depressionen

Geschrieben von:

katharina.kuehn@medumio.de

Medizinisch überprüft von:

Dr. Barbara Müller

Inhaltsüberblick

Zuletzt aktualisiert am 8. Dezember 2022 um 10:45

Qualität und Quantität von Bedeutung

In den vergangenen zwei Jahren machten sich viele Menschen Sorgen darüber, wie sich soziale Distanz und Isolationsmaßnahmen nachteilig auf die psychische Gesundheit der Menschen auswirken können. Untersuchungen zeigen, dass die Quarantäne zu einem höheren Maß an Isoliertheit und Depressionen führte.

Je länger Menschen Einsamkeit ertragen mussten, desto schlimmer wurden diese Auswirkungen. Dies steht im Einklang mit früheren Studien. Sie haben bereits gezeigt, wie wichtig soziale Interaktion und Beziehungen für das Glück und Wohlbefinden der Menschen sind.

Welche sozialen Interaktionen sind wichtig?

Der Forscher Adam Kuczynski und seine Kollegen wollten mit ihrer neuen Studie „die Komponenten der täglichen sozialen Interaktionen identifizieren, die mit Veränderungen der depressiven Stimmung und Einsamkeit verbunden sind“. Sie sammelten eine Stichprobe von Erwachsenen aus King County im US-amerikanischen Bundesstaat Washington. Sie wurden rekrutiert über Anzeigen in sozialen Medien, Flyer in Supermärkten sowie Artikel in den lokalen Medien.

Ihre Stichprobe umfasste 515 erwachsene Teilnehmer. Sie füllten 75 Tage in Folge tägliche Umfragen aus. Jeden Abend um 19:30 Uhr wurden sie per SMS daran erinnert, die Fragen zu beantworten. Messungen zu Depressionen, Einsamkeit, Quantität sozialer Interaktionen, wahrgenommener Reaktionsfähigkeit und verletzlicher Selbstoffenbarung vervollständigten die Daten der Umfrage.

Reaktionen der Mitmenschen entscheidend

Die Ergebnisse zeigten, dass Personen mit mehr sozialen Kontakten weniger Depressionen und Einsamkeit zeigen. Je mehr Menschen an sozialen Interaktionen und Selbstoffenbarungen teilnehmen und das Gefühl haben, dass ihre Mitmenschen darauf reagieren, desto besser fühlen sie sich. Verstärkte soziale Interaktionen können nach Auskunft der Wissenschaftler unabhängig von der Verfassung des Einzelnen ein Schutzfaktor gegen mentale Störungen sein.

Trotz der vielen Stärken dieser Studie, wie dem Längsschnittdesign und der täglichen Datenerhebung, weist sie auch einige Einschränkungen auf. Es ist schwer zu sagen, ob diese Ergebnisse anders ausfallen würden, wenn die Teilnehmer mehr oder weniger häufig befragt würden.

Frage umgekehrter Kausalität

Diese Studie kann auch die Möglichkeit einer umgekehrten Kausalität nicht ausschließen, z. B. dass anstelle von sozialen Interaktionen eine Depression die Häufigkeit sozialer Interaktionen des Individuums verändern kann.

Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass Sorgen über die Auswirkungen sozialer Distanz Lücken im aktuellen Wissen über den Zusammenhang zwischen sozialen Interaktionen und psychischer Gesundheit gezeigt haben.

Minuspunkt: Heterogenität bei Effekten

Die aktuelle Studie ziele darauf ab, die einzigartige Wirkung der Quantität und Qualität sozialer Interaktion auf die tägliche depressive Stimmung und Einsamkeit zu charakterisieren und den Grad zu identifizieren, in dem diese Prozesse zwischen Personen ablaufen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass soziale Interaktionen im Allgemeinen und die wahrgenommene Reaktionsfähigkeit im Besonderen vor depressiver Stimmung und Einsamkeit schützen können. Im Rahmen der Studie wurde jedoch eine erhebliche Heterogenität dieser Effekte beobachtet. Die Wissenschaftler weisen deshalb darauf hin, dass zukünftige Forschung sich darauf konzentrieren sollte, Faktoren zu identifizieren, die diese Heterogenität vorhersagen.

Quelle:

Kuczynski AM, Halvorson MA, Slater LR, Kanter JW. The effect of social interaction quantity and quality on depressed mood and loneliness: A daily diary study. Journal of Social and Personal Relationships. 2022;39(3):734-756. doi:10.1177/02654075211045717 (https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/02654075211045717)

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