Wie schlimm ist Hashimoto?

Wie schlimm ist Hashimoto?

Zuletzt aktualisiert am 29. September 2020 um 23:30

Zwischen vier und acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an der Autoimmunerkrankung Hashimoto Thyreoiditis. Bei einer Autoimmunerkrankung kommt es zu einer irreparablen Zerstörung eines Gewebes, hier der Schilddrüse, durch körpereigene Zellen. Daher sei die Frage gestellt: Wie schlimm ist Hashimoto? Wie problematisch ist die Erkrankung für Betroffene?

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Was ist die Schilddrüse?

Um Hashimoto zu verstehen, ist es wichtig, von der Arbeit der Schilddrüse zu erfahren: Die Schilddrüse ist ein etwa 30 g schweres Organ, so groß wie zwei Walnüsse und direkt unter dem Kehlkopf. Sie umschließt dabei die Luftröhre und hat die Form eines Schmetterlings.

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Die Schilddrüse ist zwar nur sehr klein, hat jedoch wichtige Aufgaben bei der Produktion der stoffwechselaktiven Hormonen: fT4, fT3 und Calcitonin. Bei Problemen in der Schilddrüse – wenn zu viele oder zu wenige dieser Hormone produziert werden – leidet der Stoffwechsel darunter.

Die Schilddrüse ist zwar überlebenswichtig, aber hinsichtlich Gesundheit und Lebensqualität haben diese Hormone einen beträchtlichen Einfluss auf Ihren Körper.

Was ist Hashimoto?

Bei Hashimoto Thyreoiditis kommt es zu einer chronischen Entzündung und zum Abbau der Schilddrüse durch körpereigene, fehlgeleitete Immunzellen. Da ein Abbau der Schilddrüse auch bedeutet, dass weniger Schilddrüsenhormone gebildet werden, kommt es überwiegend zu Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion mit zwischenzeitlichen Symptomen (siehe Hashimoto Symptome) einer Überfunktion.

Denn gelegentlich kommt es zum Loslösen kleiner Stücke Schilddrüse. Die in diesen Stücken gespeicherten Schilddrüsenhormone werden dann schlagartig ins Blut abgegeben und sorgen für eine kurzweilige Symptomatik einer Schilddrüsenüberfunktion. So erklären sich die im Wechsel auftretenden Symptome von Überfunktion und Unterfunktion.

Die Hashimoto Prognose ist sehr schlecht, da Autoimmunerkrankungen als unheilbar gelten und die Ärzte Betroffene auf eine lebenslange Einnahme von Medikamenten einstellen.

Dass Autoimmunerkrankungen unheilbar sind, stimmt nicht. Es stimmt aber auch nicht, dass sie heilbar sind. Die Schäden, die durch die Autoimmunreaktion am betroffenen Gewebe entstehen, sind nicht immer komplett reparierbar (reversibel).

Von Heilung spricht man, wenn der Schaden zu 100 % behoben und das betroffene Gewebe wieder komplett auf den Ausgangszustand gebracht wird. Das ist bei Hashimoto Thyreoiditis nicht der Fall. Anstatt von Heilung sprechen wir von Remission, einem völligen Abklingen der Symptome und einer teilweisen Regeneration der Schilddrüse.

Das sollte auch das Ziel bei Hashimoto sein.

Wie schlimm ist Hashimoto?

Nun gut, Hashimoto ist eine chronische Entzündung und Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Aber die Schilddrüse ist recht klein. Wie gefährlich ist Hashimoto daher?

Tatsächlich kann der Mensch auch ohne Schilddrüse überleben. Bei Hashimoto kann es irgendwann sein, dass das Schilddrüsengewebe so sehr in Mitleidenschaft gezogen wird, dass die Schilddrüse operativ entfernt werden muss. Dann müssen Betroffene lebenslang Schilddrüsenextrakte und künstliche Schilddrüsenhormone einnehmen. Das ist nicht sehr angenehm, aber auch nicht lebensgefährlich.

Bei Problemen der Schilddrüse und bei Problemen im Schilddrüsenhormon-Stoffwechsel können folgende Probleme im Körper auftreten:

  • Übergewicht
  • Erhöhte Blutfettwerte
  • Erhöhte Blutzuckerwerte
  • Muskelatrophie
  • Schlechte Konzentrationen und Fokus im Alltag und auf der Arbeit
  • Schlechteres Immunsystem
  • Häufiges Frieren und Zittern
  • Erhöhter Cholesterinspiegel
  • Verstopfung (siehe Reizdarmsyndrom)

Das sind natürlich alles keine lebensbedrohlichen oder gefährlichen Dinge, beeinträchtigen aber Gesundheit und Lebensqualität maßgeblich. Daher ist es wichtig, auch auf seine Schilddrüse zu achten und zu reagieren, wenn hier Probleme vorliegen.

Sie sehen, das Risiko für Übergewicht und zahlreiche Zivilisationskrankheiten ist erhöht. Akut gefährlich ist Hashimoto Thyroeiditis jedoch nur, wenn sich der Autoimmunprozess auf andere Organe ausweitet. Das kann passieren und ist schon vielfach beobachtet worden – auch bei anderen Autoimmunerkrankungen.

Daher: Das Risiko für zahlreiche Zivilisationskrankheiten und eine Ausweitung des Autoimmunprozesses ist möglich. Längerfristig ist Hashimoto deshalb schlimm für den Körper. Kurzfristig zwar nicht, aber Sie sollten schnellstmöglich gegen diese Krankheit angehen, um sie wieder loszuwerden.

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Martin ist studierter Biochemiker und molekularer Biotechnologe (M.Sc., Technische Universität München) und arbeitete in der klinischen Forschung (Universitätsklinikum Erlangen) beschäftigt an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Martin möchte schwere biologische oder medizinische Themen einfach und verständlich beschreiben und Betroffenen so die Mittel an die Hand geben, wieder mehr Kontrolle über ihre Gesundheit zu erlangen. Weitere Beiträge von ihm sind auf den Portalen Primal-State, Edubily, MyProtein, Fairment, Paleolifestyle und SchnellEinfachGesund zu finden.

1 KOMMENTAR

  1. Hashimoto Selbsthilfegruppe Freyung

    Viele unserer Betroffenen der Selbsthilfegruppe sind von Ärzten zu unrecht als psychisch krank eingestuft worden, weil sie trotz Schilddrüsenhormoneinnahme noch zahlreiche Beschwerden haben. Bei dem Autoimmunprozess wird von den Antikörpern die eigene Schilddrüse angegriffen und zerstört. Mit der Zeit kann die Schilddrüse nicht mehr ausreichend Hormone herstellen, die wichtig für viele Organe und den Gehirnstoffwechsel sind. Durch Schilddrüsenhormoneinnahme mit Tabletten geht es vielen Betroffenen besser.

    Andere haben aber, trotz einer guten Hormoneinstellung, noch zahlreiche Symptome. Bei einigen unserer Betroffenen haben natürliche Hormone aus Rinder oder Schweineschilddrüsenextrakt eine signifikante Verbesserung gebracht. Außerdem kann die Ernährung umgestellt werden. Auch Micronährstoffmängel müssen ausgeglichen werden. Manchmal sind auch andere hormonelle Störungen vorhanden. 

    Betroffene sind ganz herzlich eingeladen zu den Gruppentreffen, die alle 2 Monate, immer am 2. Donnerstag des Monats im AOK Gebäude in Freyung, um 19 Uhr stattfinden. Das nächste Treffen ist am 10.Januar um 19 Uhr. Die Teilnahme ist unverbindlich und kostenfrei. Interessierte können sich melden bei: Franz Grünzinger  unter Tel: 08582 8200 oder Email: hashimoto.selbsthilfegruppefrg@gmail.com Homepage: http://www.hashimoto-selbsthilfegruppe-freyung.de

    Durch die Schilddrüsenunterfunktion können folgende Symptome entstehen: 

    Depressionen (Antriebs und Motivationsstörungen), Angststörungen (Panikattacken), Schlafstörungen, körperliche Schwäche und Müdigkeit, Nervosität, Haarausfall, Kloßgefühl im Hals, um nur einige zu nennen.

    Diese Symptome treten nicht immer gleichzeitig auf und müssen nicht alle vorkommen. Sie können ausgeprägt sein oder nur schwach zum Vorschein kommen. Es können sich aber auch weitere, nicht genannte Symptome zeigen.

    Diese Beschwerden können jedoch auch von anderen Erkrankungen kommen. Es sollte daher unbedingt eine Erkrankung der Schilddrüse ausgeschlossen werden, bevor Menschen mit solchen Symptomen eine psychische Behandlung erhalten. 

    Ob eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt kann ein Nuklearmediziner oder Endokrinologe diagnostizieren, durch die Blutwerte TSH, Ft3 und Ft4 sowie Antikörper gegen die Schilddrüse. Außerdem muss eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse vorgenommen werden. Die Fachärzte können feststellen, um welche Art von Schilddrüsenerkrankung es sich handelt.

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