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Vögel stärken das menschliche Gehirn

6 Minuten

Geschrieben von:

Kornelia C. Rebel

Medizinisch überprüft von:

Dr. Barbara Müller

Inhaltsüberblick

Zuletzt aktualisiert am 7. Dezember 2022 um 14:03

Bäume, Pflanzen und Wasser weniger wichtig

Unser Gehirn ist ein komplexes Wunder der Natur. Über 100 Milliarden von Neuronen verbinden sich mit Synapsen und kommunizieren ständig, um unsere Persönlichkeit, unser Denken, unsere Emotionen zu erschaffen… Viele Wissenschaftler bezeichnen das menschliche Gehirn als das komplexeste Objekt im bekannten Universum. Zudem birgt es noch viele Rätsel.

Diese Komplexität verschlingt enorme Mengen von Energie und kann sehr empfindlich auf Störungen reagieren. Trotz seiner Flexibilität und Plastizität ist unser Gehirn anfällig für mentale Störungen wie Schizophrenie und Depressionen.

Zahl der Menschen mit Depressionen steigt

Heutzutage leben wir in einer künstlichen Umgebung, die sich rasant schnell verändert. Ständiger sozialer und emotionaler Stress und stundenlanges Verharren am Schreibtisch geht auf Kosten der zwischenmenschlichen Beziehungen. Kein Wunder, dass die Zahl der Menschen mit Depressionen weltweit ständig zunimmt.

Die deutsche Depressionshilfe beziffert die Zahl der erwachsenen Betroffenen im Jahr 2016 mit 5,3 Millionen. Das sind 8,2 Prozent der Bevölkerung. Diese Zahl basiert auf einer wissenschaftlichen Studie. Wie hoch sie mittlerweile ist, weiß niemand.

Shinrin-yoku für psychische Probleme

Kein Zweifel besteht daran, dass die Existenz im grauen Beton der Großstädte nicht gerade förderlich für die geistige Gesundheit ist. Shinrin-yoku, das japanische Waldbade, wird auch hierzulande immer beliebter, um psychische Probleme zu behandeln.

Das ist nicht neu. Schon vor über 2.500 Jahren baute der persische Herrscher Cyrus der Große in der Hauptstadt des Ersten Persischen Reiches Pasargadae Gärten für die Entspannung. Jahrtausende später wissen wir immer noch nicht, warum das unsere Psyche stärkt.

27.000 Momentaufnahmen mit Urban Mind App

Mit dieser Frage beschäftigt sich eine neue Studie britischer Forscher. Sie nutzte moderne Technologie, genauer: die Urban Mind App, um dies herauszufinden. Fast 1.292 Smartphone-Nutzer haben damit zwischen April 2018 und Oktober 2021 insgesamt knapp 27.000 ökologische Momentaufnahmen erfasst.

Nach einer Basisbewertung bat diese App die Teilnehmer zu zufälligen Zeiten, zu notieren, wie sie sich fühlten, ob sie in diesem Moment Bäume sehen konnten und so weiter. Es fragte sie auch, ob sie Vögel hören könnten.

Alle Menschen reagieren positiv auf Vögel

Diese Frage stellte sich als besonders wichtig heraus. Nach der Analyse der Zahlen fanden die Forscher heraus, dass zwischen dem Sehen oder Hören von Vögeln und dem psychischen Wohlbefinden bedeutende positive Assoziationen bestehen. Dabei spielten Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Bildung und Beruf keine Rolle. Unwichtig war auch, ob ein Teilnehmer zum Zeitpunkt der Bewertung Bäume, Pflanzen oder Wasser sehen oder hören konnte.

Die Wirkung hielt nicht sehr lange an. Deshalb brauchen wir für unsere geistige Gesundheit häufige Begegnungen mit der Vogelwelt. Ein interessantes Ergebnis dieser Studie ist auch, dass die positive Wirkung sowohl bei Menschen mit Depressionen als auch bei Menschen ohne psychische Erkrankung offensichtlich war.

Erholsames Potenzial der Natur als Einheit

Sind es dann – nur – die Vögel? Zu dieser Frage äußerten sich die Studienautoren folgendermaßen: „Es kann einschränkend sein, sich auf visuelle und auditive Aspekte zu konzentrieren, wenn man die Vorteile der Vogelwelt für die psychische Gesundheit in Echtzeit und in realen Kontexten bewertet. In Übereinstimmung mit dieser Idee legt eine kürzlich durchgeführte Untersuchung nahe, dass das erholsame Potenzial der Natur größer ist, wenn visuelle und auditive Aspekte zusammen betrachtet werden, als wenn man sich auf beide Modalitäten getrennt konzentriert.“

Es kommt also offenbar auf die Gesamtheit der Sinneseindrücke an. Die geballte Wirkung von Mutter Natur scheint das menschliche Gehirn zu beruhigen, wobei Vögel und ihr Gezwitscher offensichtlich eine wichtige Rolle spielen.

Quelle:

Hammoud, Ryan & Tognin, Stefania & Burgess, Lucie & Bergou, Nicol & Smythe, Michael & Gibbons, Johanna & Davidson, Neil & Afifi, Alia & Bakolis, Ioannis & Mechelli, Andrea. (2022). Smartphone-based ecological momentary assessment reveals mental health benefits of birdlife. Scientific Reports. 12. 10.1038/s41598-022-20207-6. (https://bit.ly/3PaQQiA)

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