Zwischenprodukte des Stoffwechsels machen uns satt

Das wohlige Gefühl der Sättigung wurde lange Zeit mit einem Wechselspiel der Hormone Ghrelin und Leptin verbunden. Jetzt haben Wissenschaftler der europäischen SATIN-Studie neue Zwischenprodukte des Stoffwechsels entdeckt. Sie beeinflussen das Sättigungsgefühl, das wir nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln verspüren.

Glycin und Linolsäure verstärken Sättigungsgefühl

Übergewicht, Abnehmen und das damit verbundene Sättigungsgefühl sind Dinge, die zahlreiche Menschen weltweit und hierzulande beschäftigen. Ein Drittel aller Männer und über die Hälfte aller Frauen in Deutschland gilt als übergewichtig. Abnehmen heißt also für viele die Devise. Wenn wir uns satt fühlen, können wir unsere Kalorienaufnahme eher verringern als mit knurrendem Magen.

Deshalb konzentrierte sich ein Team internationaler Forscher im Rahmen der europäischen SATIN-Studie darauf, verschiedene Wirkmechanismen des Sättigungsgefühls zu untersuchen. SATIN steht für Satiety Innovation. Die Universität von Liverpool koordiniert diese europäische Studie bereits seit einigen Jahren. Zuschüsse erhielt die Studie unter anderem von der Europäischen Kommission, aber auch von vier kommerziellen Partnern der Ernährungsindustrie. Ziel der Studie ist es, das Sättigungsgefühl zu regulieren und damit Körpergewicht kontrollieren zu helfen.

Für die Anfang Februar veröffentlichte Studie arbeiteten spanische, dänische und britische Forscher zusammen. Unter anderem war die Forschungsgruppe für Ernährung und Stoffwechselkrankheiten der Universität Rovira i Virgili im spanischen Tarragona daran beteiligt.

Ziel der Untersuchung war es, Stoffwechselzwischenprodukte zu finden, die das Sättigungsgefühl nach dem Essen verstärken. Metabolomics, die analytische Erfassung niedermolekularer Stoffwechselverbindungen, ist in der Ernährungsforschung weit verbreitet. In dieser Studie wurde diese Methode zum ersten Mal dazu verwendet, um die Wahrnehmung von Sättigung zu untersuchen.

Für die Studie konzentrierten sich die Wissenschaftler auf die metabolischen Aspekte der Regulierung von Hunger und Sättigung. Die Analysen wurden mit Daten durchgeführt, die in sogenannten Sättigungstests gesammelt wurden. Dafür begaben sich 151 Freiwillige nüchtern in Erfassungszentralen. Dort erhielten sie ein streng kontrolliertes Frühstück. Die Sättigungsdaten wurden in den folgenden zwei Stunden gesammelt.

Die Freiwilligen bekamen auch ein Mittagessen, während sie noch auf dem Gelände waren, und ein Abendessen zum Mitnehmen. Auf diese Weise stellten die Forscher sicher, dass nur die Daten von kontrollierten Verzehrmengen und Lebensmitteln erfasst wurden. Die Sättigungstests wurden während der Studie mehrmals durchgeführt.

Das Ergebnis der Untersuchungen: Die Aminosäure Glycin und die Fettsäure Linolsäure scheinen das Sättigungsgefühl zu verstärken. Zucker (Saccharose) und Sphingomyeline dagegen sorgen dafür, dass man sich weniger satt fühlt.

Durch die Identifizierung dieser Substanzen können individuelle Ernährungsprogramme und Lebensmittel entwickelt werden, um Hunger zu verhindern und das Sättigungsgefühl zu erhöhen.

Quelle:

Camacho-Barcia L, García-Gavilán J, Papandreou C, Hansen TT, Harrold JA, Finlayson G, Blundell JE, Sjödin A, Halford JCG, Bulló M. Circulating Metabolites Associated with Postprandial Satiety in Overweight/Obese Participants: The SATIN Study. Nutrients. 2021 Feb 8;13(2):549. doi: 10.3390/nu13020549. PMID: 33567505. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33567505/)

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