Zöliakie und glutenfreie Diät: Rezept für Mangelerscheinungen?

Glutenfrei bedeutet nicht automatisch gesund. Das zeigt eine neue Studie der GLUTEN3S-Forschungsgruppe an der UPV/EHU-Universität des Baskenlandes. Demnach führt eine glutenfreie Diät häufig zum verstärkten Verzehr von Fett und einfachen Kohlenhydraten. Ballaststoffe kommen oft ebenso zu kurz wie wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Die Wissenschaftler empfehlen deshalb verstärkte Aufklärung und Betreuung von Patienten, damit eine glutenfreie Ernährung auch ausgewogen ist.

Empfehlung von Experten: Verstärkt auf Mikronährstoffe achten

Bei Zöliakie handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung des Dünndarms. Dabei greift das Immunsystem als Reaktion auf die Aufnahme von Gluten die Darmwand an. Mit der Zeit zerstören chronische Entzündungen die Zotten in der Darmwand. Diese Ausstülpungen erleichtern den Übergang von Nährstoffen aus dem Dünndarm ins Blut.

Bei dem typischerweise chronischen Verlauf einer Zöliakie kommt es durch die mangelnde Funktion der Darmwand zu einer schlechten Aufnahme von Nährstoffen. Die einzig wirksame Behandlung einer Zöliakie ist es, Gluten in der Nahrung zu vermeiden.

Gluten ist auch als Klebereiweiß bekannt. Es kommt in den meisten Getreidesorten vor. Wenn Gluten trotz Zöliakie weiter gegessen wird, stellen sich zahlreiche Folgekrankheiten durch die ständigen Entzündungen und den Mangel an Nährstoffen ein. Bekannt sind Osteoporose und Anämie, aber auch Diabetes, Empfängnisschwierigkeiten und Krebs wurden beobachtet.

Eine glutenfreie Ernährung führt in der Regel dazu, dass sich die unmittelbaren Symptome der Krankheit zurückbilden. Dazu gehören häufige Durchfälle, Blutungen im Darm und andere Verdauungsbeschwerden. Allerdings sind glutenfreie Lebensmittel häufig arm an Ballaststoffen und reich an Fett. Der Stoffwechsel braucht jedoch speziell bei Menschen mit Zöliakie eine gute Versorgung mit allen Nährstoffen, damit er reibungslos funktionieren kann.

„Eine ausgewogene Ernährung basiert auf dem Verzehr aller Lebensmittelgruppen im richtigen Verhältnis. Aus diesem Grund ist eine ausgewogene Ernährung für Menschen, die bestimmte Getreidesorten nicht essen können, so schwierig, da Getreide eine wichtige Lebensmittelgruppe ist“, betonte Studienautorin Aner Cardo von der Fakultät für Pharmazie, Universität des Baskenlandes.

Um die häufigsten Mangelerscheinungen zu dokumentieren, hat die GLUTEN3S-Forschungsgruppe an der UPV/EHU-Universität des Baskenlandes einen detaillierten Überblick über aktuelle Studien zum Ernährungsgleichgewicht in der glutenfreien Ernährung von Personen mit Zöliakie-Diagnose erstellt. Diese Metastudie wurde im Wissenschaftsmagazin Nutrients veröffentlicht, das sich auf Ernährung und Diätetik konzentriert.

Nach Auskunft der Forscher zeichnen sich glutenfreie Diäten durch einen geringen Anteil komplexer Kohlenhydrate und Ballaststoffe sowie eine hohe Aufnahme von Fetten (insbesondere gesättigten Fettsäuren) und Einfachzuckern aus. Teilweise verantwortlich dafür sind manche glutenfreien Produkte, die Gluten während des Herstellungsprozesses entfernen oder ersetzen. Industriell hergestellte Lebensmittel ohne Gluten sind ein wichtiger Teil der Ernährung vieler Zöliakiepatienten, insbesondere bei Kindern, die an der Krankheit leiden.

In Bezug auf Mikronährstoffe beziehen sich die wichtigsten Defizite, die in der Übersicht hervorgehoben wurden, auf Eisen, Kalzium, Magnesium und die Vitamine D und E sowie einige aus der B-Gruppe. Diese Nährstoffe sind von entscheidender Bedeutung bei den häufigen Begleiterkrankungen von Zöliakie wie Diabetes, Anämie und Osteoporose.

Obwohl glutenfreie Diäten von Kultur zu Kultur variieren, lassen sich aus den Ergebnissen der Überprüfung wertvolle Schlussfolgerungen in Bezug auf spezifische Ernährungsempfehlungen für Zöliakie-Betroffene ziehen. Die Überprüfung unterstreicht auch die Notwendigkeit, diese Patienten zu überwachen und ihnen insbesondere in den Monaten nach der Erstdiagnose eine spezifische Ernährungsschulung zu geben.

Aner Cardo: „Für diese Patienten ist die Wiederherstellung und Erhaltung der Gesundheit ihrer Darmschleimhaut von grundlegender Bedeutung, wenn sie zukünftige Komplikationen vermeiden möchten. Dazu müssen sie lernen, die Nährstoffe, die ihr Körper braucht, durch eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung auf Basis von natürlich glutenfreien Lebensmitteln zu erhalten.“

Quelle:

Cardo, Aner, Itziar Churruca, Arrate Lasa, Virginia Navarro, Maialen Vázquez-Polo, Gesala Perez-Junkera, and Idoia Larretxi. 2021. „Nutritional Imbalances in Adult Celiac Patients Following a Gluten-Free Diet“ Nutrients 13, no. 8: 2877. https://doi.org/10.3390/nu13082877 (https://www.mdpi.com/2072-6643/13/8/2877)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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