Wegweisende Studie: Fahrtüchtig nach Einnahme von CBD

Eine neue Untersuchung zeigt, dass CBD die Fahrtüchtigkeit nicht beeinträchtigt und dass die Effekte von THC innerhalb von wenigen Stunden nachlassen. Die Wissenschaftler halten diese Studie für wegweisend bei der Formulierung von Gesetzen zum Drogenkonsum und für den Umgang mit medizinischem Cannabis allgemein.

„Großartige Neuigkeiten“ für CBD-Nutzer

Die im Dezember 2020 veröffentlichte Studie wurde von der Lambert-Initiative für Cannabinoid-Therapeutika an der Universität von Sydney geleitet und an der Universität Maastricht in den Niederlanden durchgeführt. Sie wurde zuerst im renommierten Journal der American Medical Association publiziert.

Das australische Ehepaar Barry und Joy Lambert machten im Jahr 2016 Schlagzeilen, als sie der Universität von Sydney für die Gründung der Lambert-Initiative fast 34 Millionen Dollar spendeten. Ziel dieser Initiative ist es, die Forschung über die medizinische Wirkung von CBD voranzutreiben und so für die Legalisierung von Cannabis eine wissenschaftlich fundierte Grundlage zu bilden.

Der Hauptautor der Studie, Dr. Thomas Arkell von der Universität in Sydney, sagte: „Diese Ergebnisse zeigen zum ersten Mal, dass CBD, wenn es ohne THC verabreicht wird, die Fahrfähigkeit eines Probanden nicht beeinträchtigt. Das sind großartige Neuigkeiten für diejenigen, die CBD-basierte Produkte verwenden oder in Betracht ziehen.“

Weltweit nutzen immer mehr Menschen Cannabis-Produkte, um Symptome von Krankheiten zu lindern. Besonders beliebt sind CBD-haltige Produkte bei Erkrankungen wie Epilepsie, Angstzuständen, chronischen Schmerzen und Sucht. In manchen Teilen der Welt enthalten Cannabis-Produkte nicht nur CBD, sondern auch eine Mischung von THC und CBD. CBD ist die Abkürzung für nicht-berauschende Cannabidiole, während THC für Tetrahydrocannabinol steht, psychoaktive Substanzen.

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler Teilnehmer, die Cannabis mit  unterschiedlichen Anteilen von THC und CBD inhalierten. 40 Minuten und vier Stunden nach der Inhalation unternahmen sie eine 100-Kilometer-Fahrt unter kontrollierten Bedingungen auf öffentlichen Autobahnen. Cannabis, das hauptsächlich CBD enthielt, verminderte die Fahrtüchtigkeit nicht. Cannabis mit THC oder eine Mischung von THC und CBD beeinträchtigte das Fahrverhalten 40 Minuten nach der Inhalation leicht. Dieser Effekt war jedoch vier Stunden nach der Aufnahme bereits verflogen.

Nach Ansicht von Dr. Arkell sollten sich die Gerichte und die Gesetzgeber weltweit erneut mit den Regelungen für Fahren unter dem Einfluss von Cannabis auseinandersetzen. Die Ergebnisse dieser Studie lieferten dringend benötigte Einblicke darüber, wie und wie lange verschiedene Cannabissorten die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. Das sei nicht nur wichtig für die Verkehrssicherheitspolitik in Australien, sondern auf der ganzen Welt.

„Verkehrssicherheit ist ein Hauptanliegen“, betonte Dr. Arkell. Die Studienergebnisse sollen demnach evidenzbasierte Gesetze und Vorschriften für Menschen ermöglichen, die medizinisches Cannabis einnehmen.

Der akademische Direktor der Lambert-Initiative, Professor Iain McGregor, unterstrich: „Wir haben uns sehr gefreut, mit Professor Jan Ramaekers und seinem Team an dieser Studie zusammenarbeiten zu können. Es ist unglaublich wichtig, die Auswirkungen von Cannabis auf das Fahren mit einer derartigen Präzision in einem realen Kontext zu untersuchen.“

Die Studienergebnisse könnten Nutzern von CBD-Produkten versichern, dass sie sich höchstwahrscheinlich ans Steuer setzen können, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Verwender von THC-dominanten Produkten könnten anhand der Studie verstehen, wie lange sie nicht fahren können.

Für die Studie wurden vier verschiedenen Cannabisarten an 26 gesunde Teilnehmer in zufälliger Reihenfolge verabreicht. Nach dem Verdampfen und der Inhalation wurde die Fahrleistung jedes Teilnehmers unter realen Bedingungen bewertet. Dafür steuerten sie auf einer 100 Kilometer langen, öffentlichen Autobahnstrecke ein Doppelkontrollauto. Ein anwesender Fahrlehrer beurteilte die Fahrtüchtigkeit.

Die Tests wurden an der Universität Maastricht in den Niederlanden unter Verwendung eines etablierten wissenschaftlichen Tests durchgeführt, der die Standardabweichung der Fahrzeugposition (SDLP) misst. Dieser Index gibt einen Überblick über das Weben, Ausweichen und Überkorrekturen von Fahrspuren. Unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen wie Valium und Stilnox steigt der SDLP stark an.

Die Teilnehmer verdampften Cannabis, das hauptsächlich THC, hauptsächlich CBD, Kombinationen von  THC und CBD oder Placebo-Cannabis ohne aktive Komponenten. Die von den Teilnehmern verdampfte Menge an THC reichte aus, um ein starkes Vergiftungsgefühl hervorzurufen.

Für den Test absolvierte jeder Teilnehmer zwei einstündige Fahrten auf der Straße, die jeweils 40 Minuten und vier Stunden nach dem Einatmen von verdampftem Cannabis begannen.

Professor McGregor: „Angesichts der sich schnell ändernden Einstellungen zum medizinischen und nicht-medizinischen Cannabiskonsum wird das Fahren unter dem Einfluss von Cannabis zu einem wichtigen und etwas kontroversen Problem der öffentlichen Gesundheit.“

Frühere Studien hätten nur den Einfluss von THC-haltigem Cannabis auf das Fahrverhalten untersucht. Zudem sei die Dauer der Beeinträchtigung nicht quantifiziert worden. „Dies ist die erste Studie, die das Fehlen von CBD-Effekten beim Fahren veranschaulicht und auch einen klaren Hinweis auf die Dauer der THC-Beeinträchtigung liefert“, betonte der Professor.

Quelle:

Arkell TR, Vinckenbosch F, Kevin RC, Theunissen EL, McGregor IS, Ramaekers JG. Effect of Cannabidiol and Δ9-Tetrahydrocannabinol on Driving Performance: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2020 Dec 1;324(21):2177-2186. doi: 10.1001/jama.2020.21218. PMID: 33258890; PMCID: PMC7709000. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33258890/)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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