Wechselspiel: Flavonoidreiche Ernährung und Darmflora

Die Darmflora spielt offensichtlich eine entscheidende Rolle bei der günstigen Wirkung von Flavonoiden auf den Blutdruck. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie internationaler Wissenschaftler, die Daten von 900 deutschen Erwachsenen analysierten. Die Pflanzenwirkstoffe Flavonoide sind stark in Rotwein und dunkler Schokolade vertreten, aber auch in Beeren, Äpfeln und Tee.

Alkoholkonsum Option bei gesunder Ernährung

Die aktuelle Studie wurde im Magazin Hypertension veröffentlicht, das die American Heart Association betreibt. „Unser Darmmikrobiom spielt eine Schlüsselrolle bei der Metabolisierung von Flavonoiden, um ihre kardioprotektive Wirkung zu verstärken,“ betonte der leitende Studienautor, Dr. Aedín Cassidy, Lehrstuhlinhaber und Professor für Ernährung und Präventivmedizin am Institute for Global Food Security der Queen’s University in Belfast, Nordirland.

Flavonoide sind Verbindungen, die natürlicherweise in Obst, Gemüse und pflanzlichen Lebensmitteln wie Tee, Schokolade und Wein vorkommen. Flavonoide werden vom Darmmikrobiom des Körpers abgebaut – genauer: den Bakterien, die im Verdauungstrakt vorkommen. Die Darmmikrobiota unterscheidet sich jedoch von Mensch zu Mensch sehr stark. Deshalb untersuchten die Forscher für die aktuelle Studie den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von flavonoidreichen Lebensmitteln mit Blutdruck und der Diversität des Darmmikrobioms. Die Studie untersuchte auch, wie viel Varianz innerhalb des Darmmikrobioms den Zusammenhang zwischen der Aufnahme flavonoidreicher Lebensmittel und dem Blutdruck erklären könnte.

Für die Studie wurde eine Gruppe von 904 Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 82 Jahren aus der deutschen PopGen-Biobank rekrutiert. Die PopGen-Biobank umfasst Teilnehmer aus einem Netzwerk von sieben Biobanken in Norddeutschland. 57 Prozent der Teilnehmer waren Männer. Die Forscher bewerteten bei regelmäßigen Nachuntersuchungen die Nahrungsaufnahme, das Darmmikrobiom und den Blutdruck der Teilnehmer zusammen mit anderen klinischen und molekularen Phänotypisierungen.

Die Aufnahme von flavonoidreichen Lebensmitteln durch die Teilnehmer im Vorjahr wurde anhand eines selbst gemeldeten Lebensmittelfragebogens berechnet, der die Häufigkeit und Menge des Verzehrs von 112 Lebensmitteln angab. Flavonoidwerte wurden den Lebensmitteln gemäß den Daten des US-Landwirtschaftsministeriums zum Flavonoidgehalt in Lebensmitteln zugeordnet.

Das Darmmikrobiom der Teilnehmer wurde anhand von bakterieller DNA bewertet, die aus Stuhlproben extrahiert wurde. Nach einem Fasten über Nacht wurden die Blutdruckwerte der Teilnehmer dreimal in dreiminütigen Intervallen nach einer anfänglichen fünfminütigen Ruhephase gemessen. Die Forscher sammelten auch Informationen zum Lebensstil der Teilnehmer, einschließlich Geschlecht, Alter, Raucherstatus, Medikamenteneinnahme und körperliche Aktivität sowie die Familienanamnese der koronaren Herzkrankheit. Mit Größe und Gewicht wurde der BMI (Body-Mass-Index) berechnet.

Die Analyse der Daten ergab:

  • Studienteilnehmer mit der höchsten Aufnahme von flavonoidreichen Lebensmitteln, einschließlich Beeren, Rotwein, Äpfeln und Birnen, hatten niedrigere systolische Blutdruckwerte sowie eine größere Diversität in ihrem Darmmikrobiom als die Teilnehmer, die die niedrigsten Flavonoidwerte konsumierten.
  • Der Verzehr von 1,6 Portionen Beeren pro Tag (eine Portion entspricht 80 Gramm oder 1 Tasse) war mit einer durchschnittlichen Senkung des systolischen Blutdrucks um 4,1 mm Hg verbunden.
  • Das Trinken von 2,8 Gläsern (125 ml Wein pro Glas) Rotwein pro Woche war mit einem durchschnittlich 3,7 mm Hg niedrigeren systolischen Blutdruck verbunden.

Bis zu 15 % der Ergebnisse lassen sich nach Auskunft der Studienautoren mit der Diversität im Darmmikrobiom der Teilnehmer erklären.

Dr. Cassidy: „Ein besseres Verständnis der hochindividuellen Variabilität des Flavonoid-Stoffwechsels könnte sehr gut erklären, warum manche Menschen einen größeren Nutzen für den kardiovaskulären Schutz durch flavonoidreiche Lebensmittel haben als andere.“

Demnach kann moderater Alkoholkonsum durchaus Bestandteil einer gesunden Ernährung sein. Nicht mehr als ein alkoholisches Getränk pro Tag für Frauen und 2 alkoholische Getränke pro Tag für Männer stellt offensichtlich kein Risiko dar. Allerdings müsse man Wechselwirkungen mit Medikamenten beachten, so die Wissenschaftler. Schwangere Frauen sollten auf keinen Fall Alkohol trinken.

Quelle:

Amy Jennings, Manja Koch, Corinna Bang, Andre Franke, Wolfgang Lieb, Aedín Cassidy. Microbial Diversity and Abundance of Parabacteroides Mediate the Associations Between Higher Intake of Flavonoid-Rich Foods and Lower Blood Pressure. Hypertension, 2021; (https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/HYPERTENSIONAHA.121.17441)

Vorheriger ArtikelDie 7 besten Viktilabs Supplemente
Nächster ArtikelBeschleunigte Regionen fürs Gehirn im Genom
Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Meinung als Kommentar!
Ihr Name (freiwillig)