Vom Winde verweht

„Gebt Freiheit euren Winden!“ Das forderte bereits Lieselotte von der Pfalz im 17. Jahrhundert. Die Schwägerin von König Ludwig IVX. von Frankreich wurde durch ihre unverblümten Schilderungen des Hoflebens in Versailles berühmt. Doch ihre Forderung konnte sich bis heute nicht durchsetzen. Obwohl wir alle täglich mehr oder weniger häufig Winde ablassen, verursachen sie nach wie vor ungute Gefühle bis hin zu Depressionen. Das ist das Ergebnis einer neuen groß angelegten Umfrage.

Darmgase verringern die Lebensqualität

Blähungen und damit verbundene Symptome sind mit einer schlechteren Lebensqualität und höherem Stress, Angstzuständen und Depressionen verbunden. Acht von zehn Erwachsenen, konkret 81,3 % der Bevölkerung, leiden unter ihren täglichen Blähungen.

Andere gasbedingte Symptome waren Magenknurren, von dem 60,5 % der Befragten betroffen waren, dicht gefolgt von Aufstoßen (58 %), Mundgeruch (48,1 %) und aufgeblähter Bauch (47,2 %). Nur 11.1 % aller Befragten hatten keine Probleme mit den Winden ihres Verdauungssystems.

Professor Olafur Palsson vom Center for Functional GI and Motility Disorders der University of North Carolina in Chapel Hill, USA, leitete die Umfrage, die von Wissenschaftlern des Rome Foundation Research Instituts in den USA und Forschern der Danone Nutricia Research in Frankreich durchgeführt wurde. Die Studie wurde jetzt beim Kongress der United European Gastroenterology in Wien vorgestellt. Diese Non-Profit-Organisation vereint alle führenden europäischen Fachärzte und nationalen Gesellschaften mit dem Schwerpunkt Verdauungsgesundheit.

Für die Studie wurden fast 6.000 Personen in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Mexiko befragt. Die Auswahl war eine repräsentative Stichprobe von Personen im Alter von 18 bis 99 Jahren, die über das Internet validierte Darmgasfragebögen (IGQ) ausfüllten.

Damit wurden das Vorhandensein und die Schwere von 7 gasbezogenen Symptomen in den letzten 24 Stunden gemessen. Die Forscher sammelten für die Studie auch Informationen zu Body-Mass-Index, Bewegung, emotionalem Wohlbefinden und Lebensqualität.

Die Umfrage ergab, dass höhere IGQ-Werte mit niedrigeren Werten für psychische Gesundheit und Lebensqualität verbunden waren. Die IGC-Werte korrelierten nicht mit dem Gewicht/BMI und hatten nur einen bescheidenen negativen Zusammenhang mit der Trainingsintensität.

Im PROMIS Global-Health-10-Fragebogen hatten die gleichen Personen höheren Stress, mehr Angst und Depressionen sowie häufigere nicht-gastrointestinale (GI) Symptome. Dieser Fragebogen ist Teil des PROMIS (Patient-Reported Outcomes Measurement Information System).

Damit gehört er der jüngsten Generation von Patient-Reported Outcome-Scores an. Er wurde 2009 in den USA angefertigt, nachdem 21.133 Patienten befragt wurden. 10 Fragen prüfen dabei den physischen und mentalen Gesundheitszustand von erwachsenen Patienten, wobei keine Rücksicht auf individuelle Erkrankungen genommen wird.

Mit zunehmendem Alter machen uns die Darmwinde offensichtlich weniger aus. Jüngere Menschen im Alter von 18 bis 34 und 35 bis 49 hatten die höchste Gesamtbelastung durch gasbedingte Symptome mit IGQ-Gesamtwerten von 24 bzw. 22,6, verglichen mit 12,7 bei den 50- bis 64-Jährigen und 8,6 bei den über 65-Jährigen.

Menschen in Mexiko hatten höhere Werte für alle sieben Gassymptome in IGQ-Fragebögen und einen höheren durchschnittlichen IGQ-Gesamtwert von 26 im Vergleich zu 14,5 in den USA und 13,7 im Vereinigten Königreich.

Der Hauptautor der Studie, Professor Olafur Palsson, sagte: „Ich denke, das bemerkenswerteste und überraschendste Ergebnis unserer Studie ist, dass fast alle Erwachsenen in der Allgemeinbevölkerung täglich gasbedingte Symptome haben. Dies ist wichtig, da die Daten auch deutlich zeigen, dass diese Symptome das allgemeine Wohlbefinden der Menschen beeinträchtigen. Eine hohe Anzahl dieser häufigen Darmsymptome ist mit einem höheren Maß an Depression, Angst und Stress sowie einer beeinträchtigten allgemeinen Lebensqualität verbunden.“

Er fügte hinzu: „Die Gründe für die deutlichen Unterschiede in der Menge gasbedingter Symptome zwischen Mexiko und den anderen von uns untersuchten Ländern sind unbekannt und müssen weiter untersucht werden. Kulturelle, sprachliche, ernährungsbedingte oder öffentliche Gesundheitsfaktoren können das Ausmaß der gasbedingten Symptome in der Bevölkerung beeinflussen.“

Quelle:

Prevalence and Quality of Life Impact of Gas-Related Symptoms in the General Population: Findings from a Survey of the United States (US), United Kingdom (UK) And Mexico. Presented at UEG Week Virtual 2021. (https://www.eurekalert.org/news-releases/929709)

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