Unzuverlässige Diagnose: Parasiten oder Pilze in der Vagina?

Wenn es um eine Entzündung der Schleimhaut in der Vagina (Vaginitis) geht, lassen klinische Diagnosen offensichtlich stark zu wünschen übrig. Eine neue Studie US-amerikanischer Wissenschaftler zeigt, dass bei bis zu einem Drittel der Frauen eine klinische Fehldiagnose einer Vaginitis vorliegt. Molekulardiagnostik könnte die Zuverlässigkeit der Diagnose verbessern.

Zuletzt aktualisiert am 4. April 2022 um 10:41

Handfeste molekulare Hinweise

Die aktuelle Peer-Review-Studie wurde in dem Wissenschaftsmagazin Obstetrics & Gynecology veröffentlicht. Die klinische Studie wurde von Becton, Dickinson and Company (BD) finanziert, ein weltweit führendes Unternehmen für Medizintechnik.

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Die Studie wurde auch in den Obstetrics & Gynecology Journal Club aufgenommen, der nur zwei bis drei Studien pro Ausgabe präsentiert. Er bietet Medizinstudenten die Chance, sich mit wegweisenden Arbeiten eine Grundlage für eine evidenzbasierte Praxis zu schaffen.

Demnach wurden für die Studie die drei Hauptursachen von Vaginitis, bakterielle Vaginose, vulvovaginale Candidiasis und Trichomonas vaginalis, nach der üblichen Weise klinisch von einem Gynäkologen beurteilt. Anschließend wurden die Ergebnisse mit einem molekularen Test vergleichen.

Bei einer bakteriellen Vaginose kippt der pH-Wert der Vagina-Schleimhaut und es kommt zum Wuchern unerwünschter Bakterien. Vulvovaginale Candidiasis bedeutet, Hefepilze haben sich ausgebreitet. Bei Trichomonas vaginalis handelt es sich um Parasiten, die in die Vagina eindringen.

Die Studie ergab, dass die klinische Diagnose im Vergleich zum molekularen Test 45,3 Prozent der positiven Fälle (180 von 397) übersah und 12,3 Prozent der negativen Fälle fälschlicherweise als positiv identifizierte (123 von 879).

Zwischen 6 Millionen und 10 Millionen Arztbesuche von Frauen in den USA stehen im Zusammenhang mit Vaginitis-Symptomen. Obwohl Vaginitis eine häufige Erkrankung ist, wird bei der Diagnose das Alter der Frauen nicht berücksichtigt.

„Eine Fehldiagnose bedeutet unangemessene Behandlungsempfehlungen – entweder Unter- oder Überbehandlung“, sagte die Co-Autorin der Studie, Molly Broache, medizinwissenschaftliche Verbindungsperson für integrierte Diagnoselösungen bei BD. „Eine Frau wird möglicherweise aufgefordert, unnötige Arztbesuche zu machen, oder sie entwickelt möglicherweise eine Antibiotikaresistenz, weil sie Antibiotika einnimmt, die sie eigentlich nicht benötigt.“

Die Studie verglich die klinische Diagnose einer Vaginitis mit den Ergebnissen eines Vaginal-Panel-Assays, der mit einem neuen molekularen Testsystem von BD durchgeführt wurde. Dieser von der FDA zugelassene Molekulartest verwendet Nukleinsäureamplifikation, um die mikrobiellen Ursachen der Entzündung nachzuweisen.

An der Studie nahmen 489 symptomatische Teilnehmer teil. Die Teilnehmerinnen erhielten eine klinische Diagnose und ließen während ihres Besuchs einen vaginalen Testabstrich entnehmen. Die Abstriche wurden an eine separate Testeinrichtung geschickt und später mit der klinischen Diagnose verglichen.

„Wir erweisen Frauen wirklich einen schlechten medizinischen Dienst, wenn wir nicht die besten, uns zur Verfügung stehenden Hilfsmittel einsetzen, um die Ursache oder die Ursachen der Symptome zu diagnostizieren, die sie veranlasst haben, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen“, sagte die Mitautorin der Studie, Dr. Barbara Van Der Pol, Professor für Medizin und öffentliche Gesundheit.

Dr. Van Der Pol: „Zu viele Infektionen werden durch mehrere Organismen verursacht, als dass wir glauben könnten, dass wir sie ohne hochwertige diagnostische Tests richtig identifizieren können. Die Daten in diesem Papier bestätigen, dass wir Frauen die besten verfügbaren Optionen schulden und klinische Beobachtungen nicht ausreichen.“

Der neue Molekulartest kann dazu beitragen, die diagnostische Genauigkeit zu verbessern. Dieser automatisierte Assay hat eine kürzere Durchlaufzeit als übliche Labortests. Er benötigt ungefähr drei Stunden für die gleichzeitige Durchführung von zwei bis 24 Proben. Ergebnisse stehen noch am gleichen Tag zur Verfügung.

Das BD MAX™ Vaginal Panel wurde bereits im Oktober 2016 als In-vitro-Diagnostikum zugelassen. Es erkennt Mikroorganismen, die für bakterielle Vaginose, Trichomoniasis und vulvovaginale Candidiasis verantwortlich sind.

Die Diagnose einer bakteriellen Vaginose ist eine Herausforderung, da sie durch bakterielle Ungleichgewichte in der Vagina verursacht wird. Dafür verfügt das Vaginal Panel über einen einzigartigen Algorithmus, der das Verhältnis von gesunden zu ungesunden Bakterien bestimmt.

Quelle:

Broache M, Cammarata CL, Stonebraker E, Eckert K, Van Der Pol B, Taylor SN. Performance of a Vaginal Panel Assay Compared With the Clinical Diagnosis of Vaginitis. Obstet Gynecol. 2021 Dec 1;138(6):853-859. doi: 10.1097/AOG.0000000000004592. PMID: 34736269; PMCID: PMC8594526. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34736269/#:~:text=Results%3A%20Clinical%20diagnosis%20had%20a,%2C%20and%20T%20vaginalis%2C%20respect)ively.)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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