Unterbehandlung der Schilddrüse problematisch

Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann für Betroffene folgenschwere Konsequenzen haben, wenn sie nicht erkannt und behandelt wird. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von US-amerikanischen Forschern. Demnach verbringen unterbehandelte Menschen mit einer trägen Schilddrüse lange Zeit im Krankenhaus. Zudem werden sie häufiger als gesunde Personen wieder eingewiesen.

Zuletzt aktualisiert am 21. Juni 2022 um 18:59

Lange Aufenthalte im Krankenhaus und Wiedereinweisung

Bei Menschen mit einer Unterfunktion der Schilddrüse, Fachausdruck Hypothyreose, produziert die Schilddrüse nicht genug Schilddrüsenhormone. Experten schätzen, dass jeder vierte Deutsche die Ansätze einer Struma (Kropf) aufweist – ein erstes Anzeichen für Probleme mit der Schilddrüse. Allerdings werden hierzulande nur ein Viertel dieser Personen tatsächlich behandelt.

In den USA dürften die Zahlen ähnlich aussehen. Schilddrüsenhormon-Ersatzmedikamente sind die übliche Form der Behandlung. Allerdings ist die korrekte Dosierung schwierig. Deshalb sind viele Patienten mit Schilddrüsenproblemen unter- oder überbehandelt, so die Autoren der Studie. Sie wurde im Wissenschaftsmagazin Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism veröffentlicht und auf der Jahrestagung der Endocrine Society vorgestellt.

Die Studienautoren fanden heraus, dass Patienten, die Wochen oder sogar Monate vor der Krankenhauseinweisung mit Schilddrüsenhormonen unterbehandelt waren, schlechtere Behandlungsergebnisse im Krankenhaus hatten als Patienten ohne Hypothyreose. Studienautor Dr. Matthew Ettleson von der University of Chicago betonte bei der Vorstellung der Studie: „Dies wurde zuvor noch nicht gezeigt.“

Für die Studie analysierte sein Team Daten von fast 43.500 US-Krankenhauspatienten, darunter mehr als 8.800 Personen mit Hypothyreose. Diese Patienten wurden basierend auf ihren Spiegeln des Schilddrüsen-stimulierenden Hormons (TSH) gruppiert. Niedrige TSH-Spiegel weisen auf eine Überbehandlung hin, während hohe Werte auf eine Unterbehandlung hindeuten.

Im Vergleich zu Patienten ohne Hypothyreose blieben diejenigen mit einem hohen TSH-Wert vor dem Krankenhausaufenthalt 1,2 Tage länger im Krankenhaus und hatten ein um 49 % höheres Risiko einer 30-tägigen Wiederaufnahme und eine 43 % höhere Rate einer 90-tägigen Wiederaufnahme, so die Ergebnisse der Studie.

Patienten mit einem normalen TSH-Wert vor dem Krankenhausaufenthalt hatten ein geringeres Risiko, im Krankenhaus zu sterben und eine niedrigere Wiederaufnahmerate nach 90 Tagen.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine suboptimale Behandlung der Hypothyreose mit schlechteren Krankenhausergebnissen verbunden ist“, sagte Dr. Ettleson.

„Es ist sowohl für Patienten als auch für Ärzte wichtig zu wissen, dass die Aufrechterhaltung einer optimalen Schilddrüsenhormonsubstitution wichtig ist, um die Dauer des Krankenhausaufenthalts und die Wiederaufnahme ins Krankenhaus zu minimieren“, fügte er hinzu. „Besonders wichtig ist dies bei geplanten Aufnahmen, bei denen der Schilddrüsenhormonersatz bei Bedarf vor der Aufnahme angepasst werden kann.“

Quelle:

Matthew D Ettleson, Antonio C Bianco, Wen Wan, Neda Laiteerapong, Suboptimal Thyroid Hormone Replacement Is Associated With Worse Hospital Outcomes, The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2022;, dgac215, https://doi.org/10.1210/clinem/dgac215 (https://academic.oup.com/jcem/advance-article-abstract/doi/10.1210/clinem/dgac215/6568056)

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