Träge Schilddrüse beeinträchtigt Gehirnleistung

Eine Unterfunktion der Schilddrüse verringert auch die kognitiven Fähigkeiten. Eine aktuelle Studie aus Äthiopien bestätigt frühere Studien von Wissenschaftlern in den USA und Indien. Gedächtnis, Lernfähigkeit und Konzentration leiden, wenn die Schilddrüse nicht richtig funktioniert. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann verschiedene Ursachen haben. Sie ist unter anderem ein typische Begleiterscheinung der Krankheit Hashimoto Thyreoiditis.

Nebel im Gehirn durch fehlende Schilddrüsenhormone

Hypothyreose oder Unterfunktion der Schilddrüse besteht, wenn die Schilddrüse nicht genügend Hormone für den Stoffwechsel des Körpers herstellen kann. Die Unterfunktion kann durch Probleme an der Schilddrüse selbst verursacht werden, etwa durch die Autoimmunerkrankung Hashimoto oder durch Knoten im Drüsengewebe. Auch Veränderungen im Hypothalamus oder der Hypophyse können dafür verantwortlich sein. Dieser Teil des Gehirns schüttet Signalstoffe für die Aktivierung der Schilddrüse aus.

Verringerte Gehirnleistung ist eine der häufigsten Komplikationen, die bei Patienten mit Unterfunktion der Schilddrüse auftreten. Das Gedächtnis und die Fähigkeit, Probleme zu lösen sind ebenso davon betroffen wie Lernfähigkeit, Konzentration und Entscheidungsfähigkeit. Auch Störungen von psychomotorischen Funktionen können auftreten, die Sprache, Gehen und Mimik beeinflussen.

Äthiopische Forscher kamen in einer am 25. März 2021 veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass dem Gehirn durch die Unterfunktion der Schilddrüse einfach nicht genügend Energie in Form von Glukose zur Verfügung steht.

Die von der Schilddrüse produzierten Hormone regulieren den Stoffwechsel im gesamten Körper. Eine Unterfunktion führt offensichtlich zu einem Mangel von Glukose im Gehirn, der die Neurotransmission im Hippocampus besonders stark beeinflusst. Dieser Teil des Gehirns gehört zu dem erstmals bei Reptilien auftretenden Archicortex.

Er ist wichtig für die Wahrnehmung und die Verarbeitung von Sinnesreizen. Unter anderem ist der Hippocampus dafür zuständig, Inhalte vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis überzuführen. Zudem ist dieser Teil des Gehirns besonders anfällig für emotionalen Stress.

Menschen mit einer Unterfunktion der Schilddrüse haben deshalb oft Probleme, den Alltag zu bewältigen. Telefonieren, Umgang mit Geld und sogar die korrekte Einnahme von Medikamenten können darunter leiden.

Die sogenannte kognitive Kontrolle ist ebenfalls beeinträchtigt. Dieser Begriff beschreibt die Fähigkeit, eigene Gedanken und Handlungen zu kontrollieren. Depression und Selbstmordgedanken halten die Wissenschaftler für eine direkte Folge der gestörten Gehirnfunktion.

Niedrige Spiegel von Schilddrüsenhormonen erhöhen zudem das Risiko für das Auftreten von Demenz. Wird dies nicht rechtzeitig erkannt, vergrößert sich das Risiko für Demenz besonders stark bei älteren Frauen.

Obwohl es keine exakten Zahlen für das Auftreten von Schilddrüsenunterfunktion in Äthiopien gibt, gehen die Studienautoren davon aus, dass Hypothyreose in diesem Land weit verbreitet ist. Daher zielte diese Studie darauf ab, die Häufigkeit kognitiver Beeinträchtigungen und damit verbundener Faktoren bei erwachsenen Patienten mit Hypothyreose zu bewerten.

Zwischen 24. Februar bis 22. Mai 2020 wurde in ausgewählten Krankenhäusern des Bundesstaates Amhara eine institutionelle Querschnittsstudie durchgeführt. Alle bereits diagnostizierten erwachsenen Patienten mit Hypothyreose wurden eingeschlossen, die eine geeignete Levothyroxin-Ersatztherapie erhalten hatten.

Nicht bewertet wurden Patienten mit Krampfanfällen, Epilepsie, Schlaganfall in der Vorgeschichte, Schwerkranken, Hörproblemen und bekannten schweren psychiatrischen Erkrankungen. Insgesamt nahmen 216 Patienten an der Studie teil.

Die Daten wurden mit einem strukturierten Fragebogen und einem SMMSE-Tool (Standardised Mini-Mental State Examination) gesammelt. Zunächst wurde der Fragebogen in englischer Sprache entworfen. Anschließend wurde eine Vorwärts- und Rückwärtsübersetzung von amharischen und englischsprachigen Übersetzern durchgeführt und der Fragebogen entsprechend angepasst.

Das Ergebnis: 27,3 Prozent der Befragten litten an gestörten Gehirnfunktionen. Je höher das Alter der Betroffenen, desto stärker machten sich Probleme mit Gedächtnis, Lernfähigkeit, Konzentration und anderen Gehirnleistungen bemerkbar. Auch die Dauer der Hypothyreose beeinflusste das Ausmaß der Störungen. Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, die Gehirnfunktionen so schnell wie möglich nach der Diagnose Schilddrüsenunterfunktion testen zu lassen.

Quelle: Mulat B, Ambelu A, Yitayih S, Gela YY, Adera A, Yeshaw Y, Akalu Y. Cognitive Impairment and Associated Factors Among Adult Hypothyroid Patients in Referral Hospitals, Amhara Region, Ethiopia: Multicenter Cross-Sectional Study. Neuropsychiatr Dis Treat. 2021;17:935-943
https://doi.org/10.2147/NDT.S299840 (https://www.dovepress.com/cognitive-impairment-and-associated-factors-among-adult-hypothyroid-pa-peer-reviewed-article-NDT)

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