Tätowierungen können systematische Infektionen verursachen

Für strenge Hygienemaßnahmen sprechen sich die spanischen Autoren eines neuen Reviews aus, der sich mit bakteriellen Infektionen bei Tätowierungen befasst. Demnach scheint zwischen systematischen bakteriellen Infektionen und dem Tätowieren ein Zusammenhang zu bestehen. Gute Nachricht: In den 17 analysierten Studien wurde nicht über die Übertragung von Syphilis oder Tuberkulose durch die Tattoo-Nadeln berichtet.

Erkrankung durch Tattoos mit Hygiene vermeiden

Die kürzlich in der Fachzeitschrift Medicina Clinica erschienene Übersichtsarbeit beschreibt die Eigenschaften systemischer bakterieller Infektionen im Zusammenhang mit Tätowierungen. Diese unerwünschten Nebenwirkungen könnten nach Ansicht der Wissenschaftler vermieden werden, wenn während des Tätowierens eine strenge Hygiene eingehalten wird.

Die Praxis des Tätowierens ist seit der Jungsteinzeit in der antiken Literatur gut dokumentiert. Im 18. Jahrhundert wurden Tattoos in die westliche Kultur eingeführt. Seit einigen Jahren erlebt Tätowieren ein Comeback. Jüngsten Schätzungen zufolge haben über 20 Millionen Amerikaner und etwa 100 Millionen Europäer Tätowierungen.

Zahlreiche Komplikationen bekannt

Tätowieren ist ein schmerzhafter Prozess, bei dem mit Nadeln künstliche Pigmente unter die Haut eingebracht werden. Wenn Tätowieren nicht hygienisch durchgeführt wird, kann es verschiedene gesundheitliche Komplikationen hervorrufen. Dazu zählen Immun- und Entzündungsreaktionen, Infektionen und chronische Hautdefekte wie Dermatosen. Zwischen 2 und 27 % der Personen verspüren nach dem Tätowieren eine Art von Unbehagen, wobei 0,5 bis 6 % Hautinfektionen entwickeln.

In der aktuellen systematischen Übersichtsarbeit analysieren die spanischen Wissenschaftler Studien im Zusammenhang mit Tätowierungen, um die ursächlichen Erreger zu identifizieren, die mit schweren oder tödlichen systemischen Infektionen verbunden sind. Dafür untersuchten die Wissenschaftler Artikel in der PubMed-Datenbank, die zwischen 2009 und 2019 veröffentlicht wurden.

Keine viralen Infektionen durch Tattoos

Alle Studien, die tätowierungsbedingte systemische Infektionen beim Menschen beschreiben, wurden in die endgültige Analyse eingeschlossen. Die in diesen Studien identifizierten Erreger wurden mit einer Literaturrecherche ohne Jahreseinschränkung verglichen. Eine tätowierungsbedingte systemische Infektion wurde als jeder Krankheitserreger definiert, der in die Haut eindringt, mit oder ohne Ausbreitung auf andere Organe.

Die abschließende Analyse umfasste insgesamt 17 Studien. Im Gegensatz zur historischen Literatur berichtete keine der ausgewählten Studien über die Entwicklung einer systemischen Tuberkulose, Syphilis oder viralen Infektionen nach einer Tätowierung.

Tätowieren von Augenbrauen besonders risikoreich

Die am häufigsten identifizierten Nicht-Tuberkulose-Mykobakterien waren Mycobacterium chelonae, Mycobacterium abscessus und Mycobacterium haemophilum. Die Mehrheit der Mycobacterium haemophilum-induzierten systemischen Infektionen wurde bei Frauen nach dem Tätowieren von Augenbrauen identifiziert. Bei der Hälfte dieser Komplikationen war schließlich eine Parotidektomie erforderten, d. h. die teilweise oder vollständige Entfernung der Ohrspeicheldrüse.

Mehrere Studien berichteten über septischen Schock im Zusammenhang mit Zellulitis oder nekrotisierender Fasziitis. Der septische Schock war hauptsächlich mit pyogenen Bakterien verbunden und trat innerhalb von zwei Wochen nach dem Tätowieren auf. Bei einer Person mit Vibrio vulnificus, bedingtem septischen Schock, trat der Tod ein.

Es wurde nur eine Studie identifiziert, die über das Staphylokokken-Toxic-Shock-Syndrom berichtete. Diese Infektion wurde nach traditionellen samoanischen Tätowierungen oder nach dem Tätowieren unter unhygienischen Bedingungen beobachtet.

Risikofaktor Anomalien der Herzklappen

Eine infektiöse Endokarditis, eine Entzündung der Herzwand, wurde überwiegend bei jungen Männern festgestellt. Der Zustand war mit Fieber sowie Lungen- oder systemischen Embolien ohne lokale Symptome verbunden. In etwa der Hälfte der Fälle waren Anomalien der Herzklappen als bekannter Risikofaktor vorhanden. In zwei Fällen wurde eine massive Embolisation festgestellt, während in zwei Fällen eine Segelperforation und ein perivalvulärer Abszess berichtet wurden.

Die aktuelle Studie berichtet, dass Todesfälle im Zusammenhang mit Tätowierungen ein seltenes Ereignis sind, da in den letzten zehn Jahren nur ein Todesfall gemeldet wurde.

Verschiebung der Pathogene beobachtet

Historische Beweise haben ausführlich über Virusinfektionen nach dem Tätowieren berichtet. Insbesondere erwähnen mehrere Berichte tätowierungsbedingte Ausbrüche des Human Immunodeficiency Virus (HIV) und Infektionen mit dem Hepatitis B- oder C-Virus.

Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass in letzter Zeit eine Verschiebung der verursachenden Pathogene beobachtet wurde. Tatsächlich wurden Nicht-Tuberkulose-Mykobakterien als neu auftretende Bakterien identifiziert, die systemische Infektionen verursachen.

Die Forscher schlagen deshalb vor, ein zentralisiertes Meldesystem zu entwickeln, um die Epidemiologie bei Tätowierungen zu verstehen. Außerdem sollten beim Tätowieren angemessene hygienische Bedingungen eingehalten werden.

Quelle:

Rello J, Tejada S, Campogiani L, Adebanjo AG, Tammaro A. Systemic infections associated with tattoos or permanent makeup: A systematic review. Med Clin (Barc). 2022 Feb 25;158(4):159-166. English, Spanish. doi: 10.1016/j.medcli.2021.01.014. Epub 2021 Apr 24. PMID: 33902933. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33902933/)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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