Suche nach neuen Biomarkern für pulmonale Hypertonie

Kein einziger Biomarker zeichnet ein ausreichend genaues Bild, um pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck) genau zu verfolgen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie polnischer Wissenschaftler. Tatsächlich gibt es jedoch vielversprechende Biomarker, um diese Lungenkrankheit zu beurteilen. Noch fehlen aber Strategien, wie verschiedene Marker für die Überwachung eingesetzt werden können.

Ein Biomarker allein sagt wenig aus

Die polnischen Wissenschaftler kommen in ihrer Übersichtsarbeit zu dem Schluss, dass ein einziger Biomarker keinesfalls ausreicht, um Verlauf und Risiko dieser Krankheit ausreichend genau zu beurteilen. Bei pulmonaler Hypertonie, Bluthochdruck in der Lunge, sind die Blutgefäße verengt. Das führt zu einem erhöhten Druck in den Gefäßen. Meist ist die Ursache für eine pulmonale Hypertonie (PH) eine chronische Krankheit der Lunge oder des Herzens.

Biomarker haben das Potenzial, Ärzten zu helfen, Fälle von pulmonaler Hypertonie und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser zu verstehen. Aber die Zusammenhänge bei PH sind ungemein komplex, so die Forscher. Zu diesem Zeitpunkt können zwar mehrere wichtige Biomarker bei PH bestimmt werden. Es ist jedoch noch nicht möglich, diese Biomarker für individuell ausgearbeitete Behandlungspläne zu verwenden.

Die neue Übersicht wurde im Journal of Clinical Medicine veröffentlicht. Sie wurde von Dr. Marta Banaszkiewicz und ihren Kollegen am  Europäischen Gesundheitszentrum Otwock in Polen verfasst.

Die Forscher stellten zunächst fest, dass die Krankheit – gekennzeichnet durch einen erhöhten Gefäßwiderstand in der Lunge – sowohl progressiv als auch heterogen ist. Das bedeutet, diese Krankheit kann bei verschiedenen Patienten unterschiedliche Erscheinungsformen mit mannigfachen Symptomen hervorrufen.

Bisher wurden 5 Unterkategorien der Krankheit beschrieben. Die Prognose eines Patienten kann je nach den Besonderheiten seines Falls stark variieren.

Diese Heterogenität bedeutet, dass die Identifizierung aussagekräftiger Biomarker die Behandlungsmöglichkeiten erheblich verbessern könnte.

Nach Auskunft der Wissenschaftler können Biomarker spezifische Symptome der Krankheit anzeigen. Damit ist es möglich, auf relativ leicht zugängliche und nicht-invasive Weise Informationen über das Krankheitsstadium und das Ansprechen auf die Behandlung zu bekommen.

Die Suche nach neuen Biomarkern für PH ist noch im Gange, so die Studienautoren. Man sei jedoch guter Hoffnung, Biomarker zu finden, die eine Reihe von Verläufen der Krankheit anzeigen und differenzieren könnten.

Aktuell gibt es bereits einige Biomarker, die aussagekräftige Informationen bei PH liefern. Beispielsweise wurden natriuretische Peptide, kardiale Troponine, lösliches ST2 und fettsäurebindendes Protein vom Herztyp mit Herzinsuffizienz, myokardialer Verletzung und myokardialem Umbau in Verbindung gebracht.

Gleichzeitig könnten Biomarker wie C-reaktives Protein und die Verteilungsbreite der roten Blutkörperchen Auswirkungen auf die Untersuchung von PH haben, sagten die Forscher. Entzündungen gelten zunehmend als ein wichtiger Faktor im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Krankheit.

Banaszkiewicz und Kollegen stellten zudem fest, dass die Mikrozirkulation der Lungenarterien mit 2 verschiedenen Arten von PH in Verbindung gebracht werden kann. Sie sagten, dass mehrere Biomarker sowohl für die Proliferation glatter Muskelzellen der Lungenarterien als auch für Endothelzellen in Bezug auf PH gefunden wurden.

Schließlich könnten unter anderem Marker für Hypoxie (mangelnde Versorgung mit Sauerstoff) und Gewebeschäden sowie die Konzentration extrazellulärer Vesikel sinnvolle Biomarker sein, die es zu untersuchen gilt.

In ihrem Fazit mahnen die Wissenschaftler jedoch zur Vorsicht. Obwohl große Fortschritte erzielt wurden, stelle das aktuelle Wissen über PH-Biomarker eher Puzzleteile als ein vollständiges Bild dar.

„Obwohl eine breite Palette von Biomarkern untersucht wurde, ist keiner von ihnen spezifisch genug, um allein im Diagnoseprozess und in der Prognosebeurteilung verwendet zu werden“, schreiben sie. „Darüber hinaus wurde die Mehrheit der erwähnten Biomarker in Studien mit einer kleinen Anzahl von Patienten und/oder Kontrollen, unterschiedlichen untersuchten Populationen und mit potenzieller Verzerrung durch die Auswahl bewertet.“

Sie wiesen darauf hin, dass größere Studien erforderlich sind, um diese Biomarker besser zu verstehen und zu validieren, aber auch um das Zusammenspiel zwischen ihnen zu verstehen.

„Darüber hinaus ist es angesichts der Komplexität der Krankheit unwahrscheinlich, dass ein einzelner Biomarker bei Patienten mit präkapillärer PH erfolgreich eingesetzt werden kann“, sagten sie.

Quelle:

Banaszkiewicz M, Gąsecka A, Darocha S, Florczyk M, Pietrasik A, Kędzierski P, Piłka M, Torbicki A, Kurzyna M. Circulating Blood-Based Biomarkers in Pulmonary Hypertension. J Clin Med. 2022 Jan 13;11(2):383. doi: 10.3390/jcm11020383. PMID: 35054082; PMCID: PMC8779219. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35054082/)

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