Studie bestätigt: Ernährung beeinflusst geistige Gesundheit

Eine neue Studie bestätigt jetzt, was uns der gesunde Menschenverstand seit langem sagt: Die Ernährung beeinflusst nicht nur die physische, sondern auch die geistige Gesundheit. Ein Team von Forschern in New York hat jetzt auch für die Wissenschaft die Zusammenhänge zwischen verzehrten Lebensmitteln und mentalen Funktionen belegt. Dafür verwendeten sie die Daten einer Umfrage, die sie mithilfe des Internets und Social Media gesammelt hatten.

Fast Food und Koffein schwer verdauliche Kost fürs Gehirn

Bisher haben Untersuchungen gezeigt, dass eine gesunde Ernährung mit einem geringen Anteil von industriell hergestellten Lebensmitteln das Risiko für zahlreiche Zivilisationskrankheiten verringert, einschließlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Mit der Zeit mehrten sich die Hinweise, dass Faktoren der Ernährung auch die psychische Gesundheit beeinflussen können. Beispielsweise haben Studien Zusammenhänge zwischen der mediterranen Diät und einem geringeren Risiko für Depressionen festgestellt.

Im Gegensatz dazu gibt es Anzeichen dafür, dass Ernährung von schlechter Qualität mit einem erhöhten Risiko für Depressionen verbunden ist. Dieser Zusammenhang wird in Expertenkreisen jedoch noch diskutiert.

Um diese Grundsatzfrage endgültig zu klären, führten Forscher der Binghamton University und der Stony Brook University eine Online-Umfrage unter mehr als 2.600 Teilnehmern durch. Sie stammten aus Nordamerika, Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika (MENA-Region) sowie Asien.

Die Umfrage dauerte 5 Jahre und erfasste die Daten von 1.147 jungen und 628 älteren Frauen sowie von 641 jungen und 207 älteren Männern. Junge Menschen waren zwischen 18 und 29 Jahre alt, während Teilnehmer im Alter von über 30 Jahren zu der Gruppe der Älteren zählten. Die Studie wurde Ende 2020 veröffentlicht.

Die Teilnahme an der Umfrage war freiwillig. Alle Teilnehmer füllten einen Fragebogen aus, nachdem sie auf einen Beitrag in Social Media geantwortet hatten.

Ziel der Wissenschaftler war es festzustellen, welche Lebensmittel und welche anderen Faktoren die psychische Gesundheit positiv oder negativ beeinflussen. Zu den anderen Faktoren zählten Bewegung, Wohnort und Jahreszeit.

Frauen jeden Alters hatten während der Frühjahrssaison ein höheres Risiko für psychische Belastungen. Die Forscher fanden auch heraus, dass viel Koffein und sogar moderater, aber natürlich auch reichlicher Verzehr von Fast Food sich negativ auf die geistige Gesundheit auswirken.

Die Wissenschaftler erkannten ebenfalls, dass häufiges Frühstücken und mehr Bewegung mit einem verbesserten psychischen Wohlbefinden bei jungen Frauen verbunden sind. Interessanterweise sieht das bei älteren Frauen anders aus. Wenn Sie häufig frühstücken, belastet das die Psyche offensichtlich. Wie bei jungen Frauen scheint sich häufiges Training jedoch positiv auf das Wohlbefinden reifer Frauen auszuwirken.

Darüber hinaus fühlen sich ältere Frauen von Asien oder der MENA-Region häufiger und stärker psychisch belastet als Frauen mit Wohnsitz in Nordamerika.

Bei jungen Männern wirken sich häufiges Training, gemäßigter Milchkonsum und moderater bis hoher Verzehr von Fleisch positiv auf das Wohlbefinden aus. Umgekehrt beeinträchtigen viel Fast Food und reichlich Koffein die Psyche.

Wie bei älteren Frauen hatten ältere Männer eine höhere Wahrscheinlichkeit für psychische Belastungen, wenn sie in der MENA-Region lebten. Ein höheres Bildungsniveau und ein moderater Verzehr von Nüssen scheinen bei älteren Männern dagegen das geistige Wohlbefinden zu stärken.

Laut Studienautorin Dr. Lina Begdache, einer Assistenzprofessorin für Gesundheits- und Wellness-Studien an der Binghamton University, müssen Wissenschaftler Unterschiede im Wachstum des Gehirns und der damit verbundenen Reife zwischen jungen und älteren Erwachsenen berücksichtigen.

Sie erklärt: „Junge Erwachsene bilden immer noch neue Verbindungen zwischen Gehirnzellen und bauen Strukturen auf. Deshalb brauchen sie mehr Energie und Nährstoffe, um das zu tun.“

Die Berücksichtigung des Alters werde dazu beitragen, genau zu verstehen, welche Rolle Ernährung und andere Faktoren für die psychische Gesundheit spielen. Dr. Begdache: „Wir müssen ein Spektrum von Ernährungs- und Lebensstiländerungen berücksichtigen, die auf verschiedenen Altersgruppen und [Geschlechtern] beruhen. Es gibt keine gesunde Ernährung, die für alle geeignet ist. Es gibt keine einzige Lösung. “

Laut Dr. Begdache gibt es kritische Unterschiede in der Gehirnmorphologie und Konnektivität zwischen Männern und Frauen. Während ihrer Forschung habe sie herausgefunden, dass die Ernährung Männer in geringerem Maße beeinflusst als Frauen.

Männer, die sich nur bedingt gesund ernähren, berichten häufig von einem guten psychischen Wohlbefinden, so Dr. Begdache. Wenn ihre Ernährung jedoch hauptsächlich aus Fast Food bestehe, vergrößere sich das Risiko für eine psychische Belastung.

Diese Studie bietet Einblicke in die Zusammenhänge zwischen Ernährung, geografischen Regionen und Bewegung bei Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts. Allerdings handelt es sich lediglich um eine Studie mit Querschnittscharakter. Ungünstig sei dabei die Auswahl der Studienteilnehmer, die nicht zufällige Stichproben repräsentieren sowie die geringe Teilnehmerzahl (207) von älteren Männern, so die Autoren der Studie.

Außerdem war die Studie ein Querschnitt. Das bedeutet, die Forscher machten zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Momentaufnahme der Ernährung jedes Teilnehmers. Die Ernährung kann sich im Laufe der Jahre erheblich ändern. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler bestehende Gesundheitszustände oder Umwelt- sowie genetische Faktoren nicht berücksichtigen.

Da sich nach wie vor die meisten Wissenschaftler auf die Beziehung zwischen Ernährung und körperlicher Gesundheit konzentrieren, hofft Dr. Begdache, dass diese Ergebnisse die Forschung über die Rolle der Ernährung für das geistige Wohlbefinden fördern werden.

Dr. Begdache: „Ich hoffe, dass mehr Menschen in diesem Bereich forschen und über die Anpassung der Ernährung an Alter und [Geschlecht] veröffentlichen. Ich hoffe, dass eines Tages Institutionen und Regierungen Ernährungsempfehlungen für die Gesundheit des Gehirns erstellen werden. “

Quelle:

Begdache L, Sadeghzadeh S, Derose G, Abrams C. Diet, Exercise, Lifestyle, and Mental Distress among Young and Mature Men and Women: A Repeated Cross-Sectional Study. Nutrients. 2020 Dec 23;13(1):24. doi: 10.3390/nu13010024. PMID: 33374693; PMCID: PMC7822407. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7822407/)

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