Stress, der schlimmste Feind fürs Herz

Als Hauptrisikofaktoren für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Menschen mit bestehender Herzerkrankung gelten gemeinhin Bluthochdruck, hoher Cholesterinspiegel, Diabetes, Übergewicht und Mangel an Bewegung. Eine neue Studie von US-amerikanischen Wissenschaftlern identifiziert jedoch Stress als den schlimmsten Feind fürs Herz.

Zuletzt aktualisiert am 31. Januar 2022 um 19:02

Körperliche Belastung weniger schädlich als psychischer Stress

Psychischer Stress aktiviert das Angstzentrum im Gehirn und setzt eine Reaktionskaskade in Gang, die zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen kann. Chronischer psychischer Stress kann deshalb die Gesundheit des Herzens offensichtlich mindestens genauso stark beeinträchtigen wie die traditionellen Risikofaktoren. Das haben frühere Studien bereits gezeigt.

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Tatsächlich übertrumpft psychischer Stress bei Menschen mit Herzerkrankungen als potenzieller Auslöser von tödlichen und nicht tödlichen Herzinfarkten und anderen kardiovaskulären Ereignissen alle anderen Hauptrisikofaktoren, so die neue Studie von Wissenschaftlern der Emory University School in Atlanta, Giorgia. Sie erstellten die aktuelle Arbeit gemeinsam mit Wissenschaftlern in Florida und Kanada.

Die neue Studie wurde in der Novemberausgabe von JAMA (Journal of the American Medical Association) veröffentlicht. Sie untersuchte das Schicksal von 918 Patienten mit bestehender stabiler Herzerkrankung. Das Ziel war, zu beobachten, wie ihr Körper auf physischen und psychischen Stress reagiert. Die Teilnehmer unterzogen sich dafür standardisierten körperlichen und psychischen Belastungstests.

Das ermöglichte zu beurteilen, ob ihr Herz während einer oder beider Belastungsformen eine Myokardischämie entwickelte – eine signifikant reduzierte Durchblutung der Herzmuskulatur, die ein Auslöser für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sein kann. Die Forscher folgten den Teilnehmern vier bis neun Jahre lang.

Genauer analysiert wurden die Befunde von Studienteilnehmern, bei denen bei einem oder beiden Tests eine Ischämie auftrat. Die Auswertung ergab, dass psychischer Stress Herz und Leben der Patienten deutlich stärker bedrohte als körperliche Belastung. Sie erlitten in den folgenden Jahren häufiger einen nicht tödlichen Herzinfarkt oder starben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bisher werden Menschen mit Herzerkrankungen in erster Linie vor körperlicher Belastung gewarnt. Die neue Studie zeigt jedoch, welche enorme Wirkung psychischer Stress hat.

Quelle:

Vaccarino V, Almuwaqqat Z, Kim JH, et al. Association of Mental Stress–Induced Myocardial Ischemia With Cardiovascular Events in Patients With Coronary Heart Disease. JAMA. 2021;326(18):1818–1828. doi:10.1001/jama.2021.17649 (https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2785948)

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