Stress beschleunigt die biologische Uhr

Eine neue biologische Uhr namens GrimAge bestätigt, dass sich Stress tatsächlich negativ auf Altersprozesse auswirkt. Allerdings gibt es nach Auskunft der Forscher der US-amerikanischen Elite-Universität Yale auch Hoffnung: Verbesserte Stressresilienz durch die bewusste Steuerung von Gefühlen kann den negativen Folgen von Druck entgegenwirken.

Wichtig: Emotionsregulation und Selbstkontrolle

Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Methoden zur Messung des biologischen Alters entwickelt. Unter anderen verfolgen sie dafür chemische Veränderungen in der DNA. Mit zunehmendem Alter treten sie bei allen Menschen natürlicherweise auf. Allerdings gibt es starke Unterschiede, wann diese Veränderungen tatsächlich auftreten. Diese sogenannten „epigenetischen Uhren“ können Lebensspanne und Gesundheit wesentlich besser einschätzen als das chronologische Alter.

In einer neuen Studie verwendeten Yale-Forscher eine solche Uhr mit dem passenden Namen „GrimAge“, um zwei Fragen zu stellen: Wie stark beschleunigt chronischer Stress diese biologische Uhr? Und gibt es Möglichkeiten, die Altersprozesse zu verlangsamen und die Lebensdauer zu verlängern?

Ihre Ergebnisse hat das Forscherteam der Elite-Universität jetzt in der Zeitschrift Translational Psychiatry veröffentlicht. Demnach lässt Stress die Uhr des Lebens tatsächlich schneller ticken. Das ist aber kein unabwendbares Schicksal. Jeder Mensch kann die Auswirkungen von Stress in den Griff bekommen. Schlüsselworte sind dabei Emotionsregulation und Selbstkontrolle.

Rajita Sinha, Professorin für Psychiatrie des Foundations Fund in Yale, Professorin für Neurowissenschaften und Professorin am Yale Child Study Center und eine Autorin der Studie, hat jahrzehntelang Stress und die zahlreichen Arten untersucht, auf die er unser Denken und körperliche Gesundheit untergräbt.

Anhaltender Stress erhöht beispielsweise das Risiko von Herzerkrankungen, Suchterkrankungen, Stimmungsstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen, so Professorin Sinha, die auch Direktorin des Yale Interdisziplinären Stresszentrums ist. Stress kann den Stoffwechsel beeinflussen und Adipositas-bedingte Erkrankungen wie Diabetes beschleunigen. Stress schwächt auch unsere Fähigkeit, Emotionen zu regulieren und klar zu denken.

Ein Yale-Team unter der Leitung von Sinha und Zachary Harvanek, einem Assistenzarzt in der Yale-Psychiatrie, beschloss deshalb zu untersuchen, ob Stress auch das Altern in einer relativ jungen und gesunden Bevölkerung beschleunigt.

Für ihre Studie nahmen sie 444 Personen im Alter von 19 bis 50 Jahren auf, die Blutproben zur Verfügung stellten. Sie wurden dazu verwendet, um die altersbedingten chemischen Veränderungen, die von GrimAge erfasst wurden, sowie andere Gesundheitsmarker zu bewerten. Die Teilnehmer beantworteten zudem auch Fragen, die das Stressniveau und die psychische Belastbarkeit aufzeigen sollten.

Selbst nach Berücksichtigung demografischer und Verhaltensfaktoren wie Rauchen, Body-Mass-Index, Rasse und Einkommen stellten die Forscher fest, dass diejenigen, die bei Maßnahmen im Zusammenhang mit chronischem Stress gute Ergebnisse erzielten, beschleunigte Alterungsmarker und physiologische Veränderungen wie eine erhöhte Insulinresistenz aufwiesen.

Stress wirkte sich jedoch nicht auf die Gesundheit aller in gleichem Maße aus. Als besonders wichtig erwiesen sich die Regulation von Emotionen und Selbstkontrolle. Probanden, die bei diesen zwei psychologischen Belastbarkeitsmessungen eine hohe Punktzahl erreichten, waren widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen von Stress auf das Altern bzw. Insulinresistenz.

„Diese Ergebnisse stützen die weit verbreitete Vorstellung, dass Stress uns schneller altern lässt“, sagte Harvanek. „Aber sie legen auch einen vielversprechenden Weg nahe, diese negativen Folgen von Stress durch Stärkung der Emotionsregulation und Selbstkontrolle möglicherweise zu minimieren.“

Mit anderen Worten: Je psychisch belastbarer ein Mensch ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er ein längeres und gesünderes Leben führt. Professorin Sinha: „Wir alle mögen es, das Gefühl zu haben, über unser Schicksal eine gewisse Entscheidungsfreiheit zu haben. Es ist also eine coole Sache, in den Köpfen der Menschen zu stärken, dass wir in unsere psychische Gesundheit investieren sollten.“

Quelle:

Harvanek, Zachary & Fogelman, Nia & Xu, Ke & Sinha, Rajita. (2021). Psychological and biological resilience modulates the effects of stress on epigenetic aging. Translational Psychiatry. 11. 10.1038/s41398-021-01735-7. (https://www.researchgate.net/publication/356584227_Psychological_and_biological_resilience_modulates_the_effects_of_stress_on_epigenetic_aging)

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