Sport verringert Entzündungen durch Endocannabinoide

Intensives Training kann offensichtlich ein positives Zusammenspiel von Endocannabinoiden und Darmbakterien bewirken. Das haben britische Forscher herausgefunden. Die neue Studie zeigt, dass tägliches Training die Spiegel von Entzündungsmarkern wirksam senken kann. Sie führen diese Wirkung auf Endocannabinoide zurück, körpereigene Substanzen, die wie Cannabis wirken.

“Euphorisches” Zusammenspiel mit Darmbakterien

Endocannabinoide regeln zahlreiche Prozesse im Körper. Unter anderem sind sie am Stoffwechsel, an Entzündungen und an der Informationsübertragung im Gehirn beteiligt. Ihre Freisetzung ist nach Auskunft der Wissenschaftler der University of Nottingham für das Gefühl der Euphorie verantwortlich, das Menschen nach einem intensiven Training im Allgemeinen verspüren.

Die neue Studie erschien im November in der Fachzeitschrift Gut Microbes. Sie zeigt neben dem Senken von entzündungsbedingten Markern auch den Einfluss des Endocannabinoid-Systems auf Mikroorganismen in Darm. Tägliches Training kann nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch die Menge von entzündlichen Signalstoffen wie Zytokinen senken.

Bewegung aktiviert verstärkt Endocannabinoide. Das sind Stoffe, die Cannabis ähneln, die der Körper aber selbst herstellt. Bisher wusste man, dass Bewegung chronische Entzündungen verringern kann. Sie gelten als großer Risikofaktor für Krankheiten wie Arthritis, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie genau Sport diesen Effekt entfaltet, untersuchte jetzt eine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Leitung von Professor Ana Valdes von der School of Medicine der University of Nottingham. Dafür testeten sie 78 Menschen mit Arthritis. 38 von ihnen führten sechs Wochen lang täglich 15 Minuten Muskelkräftigungsübungen durch. 40 Studienteilnehmer blieben inaktiv.

Am Ende der Studie hatten die trainierenden Teilnehmer nicht nur ihre Schmerzen verringert. Sie hatten auch mehr Mikroben in ihrem Darm, die entzündungshemmende Substanzen produzieren, niedrigere Zytokinspiegel und höhere Endocannabinoidspiegel.

Der Anstieg der Endocannabinoide war stark mit Veränderungen der Darmmikroben und entzündungshemmenden Substanzen verbunden, die von Darmmikroben namens SCFAS produziert werden. Tatsächlich führen die Forscher mindestens ein Drittel der entzündungshemmenden Wirkung des Darmmikrobioms auf den Anstieg der Endocannabinoide zurück.

Leitende Studienautorin Dr. Amrita Vijay: „Unsere Studie zeigt deutlich, dass Bewegung die körpereigenen Cannabis-ähnlichen Substanzen erhöht, was sich auf viele Zustände positiv auswirken kann. Da das Interesse an Cannabidiolöl und anderen Nahrungsergänzungsmitteln zunimmt, ist es wichtig zu wissen, dass einfache Lebensstilinterventionen wie Bewegung die Endocannabinoide modulieren können.“

Quelle:

Vijay A, Kouraki A, Gohir S, Turnbull J, Kelly A, Chapman V, Barrett DA, Bulsiewicz WJ, Valdes AM. The anti-inflammatory effect of bacterial short chain fatty acids is partially mediated by endocannabinoids. Gut Microbes. 2021 Jan-Dec;13(1):1997559. doi: 10.1080/19490976.2021.1997559. PMID: 34787065; PMCID: PMC8604388. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8604388/)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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