Schwangerschaftsstreifen: Mehr als nur lästig

Schwangerschaftsstreifen können sich stark auf die Lebensqualität auswirken – und das bereits während der Schwangerschaft. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von US-amerikanischen Wissenschaftlern. Die dauerhaften Hautläsionen während und nach einer Schwangerschaft sind demnach oft mit negativen Gefühlen und Befangenheit verbunden.

Negative Folgen für Selbstwertgefühl und Sozialleben

Forscher der Universität Michigan Medicine befragten für die Studie mehr als 100 schwangere Patientinnen mit Dehnungsstreifen. Sie wurde im International Journal of Women’s Dermatology veröffentlicht. 3 von 4 Frauen gaben an, auffällige Dehnungsstreifen zu haben. Ein Drittel der Betroffenen hat erhebliche Schwierigkeiten mit den Striae gravidarum, so der Fachausdruck. Sie empfinden die Streifen als stark oder mäßig peinlich.

„Frauen waren sehr besorgt über die Dauerhaftigkeit von Läsionen, die oft mit negativen Gefühlen und Befangenheit verbunden sind,“ so Dr. Frank Wang, leitender Studienautor und William B. Taylor, Professor of Clinical Dermatology an der Michigan Medicine. Diese Frauen berichten häufig davon, dass sich die Schwangerschaftsstreifen auf ihr Sozialleben, ihr Selbstwertgefühl und die Wahl ihrer Kleidung auswirken.

Wang begann bereits vor etwa 15 Jahren mit der Untersuchung von Striae gravidarum. Er und sein Team haben nach den molekularen Mechanismen gesucht, die diese Läsionen verursachen. Demnach sind erhebliche Veränderungen in Kollagensträngen und elastischen Fasern der Haut dafür verantwortlich.

Die Hautkomponenten für elastische Haut sind bei Schwangerschaftsstreifen beschädigt und bilden sich nie vollständig zurück, was zu dauerhaften Läsionen führt. 75 Prozent aller schwangeren Frauen möchten das Erscheinungsbild der Streifen verbessern.

„Obwohl es einige Möglichkeiten gibt, intensive Rötungen oder Texturen von Dehnungsstreifen zu reduzieren, gibt es nur sehr wenige wissenschaftliche Beweise dafür, dass eine Intervention Läsionen vollständig verhindert oder behandelt“, sagte Wang. Demnach kann kein Eingriff Dehnungsstreifen auslöschen.

Dehnungsstreifen und die Bedenken, sie zu entwickeln, können sogar zu Depressionen oder Angstzuständen beitragen. Eine von sieben Frauen kämpft damit während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt, so Dr. Megan Lawlor, Assistenzprofessorin für Geburtshilfe und Gynäkologie in der Abteilung für mütterliche Fetalmedizin der Washington University in St. Louis. Sie hofft, dass die Aufmerksamkeit der Ärzte für die emotionalen und psychologischen Auswirkungen von Schwangerschaftsstreifen auf Patienten bei der Erkennung und Behandlung von psychischen Störungen während der Schwangerschaft und in der Zeit nach der Geburt hilft.

Dehnungsstreifen sind seit Jahren ein Thema, das viele Frauen zu verbergen versuchen, sagte Timothy Johnson, Mitautor der Studie.

Seiner Ansicht nach ist es an der Zeit, das Stigma zu brechen und offen mit allen Patienten darüber zu sprechen. Johnson: „Viele der Frauen sagten, dass die Dehnungsstreifen ähnliche oder mehr emotionale Belastungen verursachten als andere Hautprobleme wie Akne, Ekzeme und Psoriasis.“

Wang untersucht zur Zeit die Entstehung der frühesten Dehnungsstreifen mit Hautbiopsien. Die aktuelle Studie über die emotionalen Auswirkungen von Dehnungsstreifen sei ein Beweis dafür, dass kontinuierliche Forschung für viele Patienten von entscheidender Bedeutung sei. Sie motiviere sein Team, weiter nach Antworten zu suchen.

Dieses Thema liege vielen schwangeren Frauen sehr am Herzen. Wang: „Unsere Hoffnung ist, dass wir durch die Registrierung von genügend Teilnehmern Präzisionsdaten generieren können, die sich in rationale Therapien umsetzen lassen, die Dehnungsstreifen verhindern oder effektiv behandeln.“

In der Zwischenzeit rät er Ärzten, Frauen bei der Beurteilung ihres Wohlbefindens sorgfältig nach ihren individuellen körperlichen und psychischen Problemen zu befragen. Beschwerden, die mit Scham- oder Verlegenheitsgefühlen verbunden sind, werden häufig nicht verbalisiert.

Quelle:

Kaveri Karhade, Megan Lawlor, Heather Chubb, Timothy R.B. Johnson, John J. Voorhees, Frank Wang. Negative perceptions and emotional impact of striae gravidarum among pregnant women: Emotional impact of striae gravidarum. International Journal of Women’s Dermatology, 2021. ISSN 2352-6475, https://doi.org/10.1016/j.ijwd.2021.10.015. (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2352647521001374)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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