Neue Studie über Psilocybin fürs Wohlbefinden

Psychedelische Pilze in Mikrodosierungen können das geistige Wohlbefinden verbessern und Gefühle von Stress, Angst und Depressionen verringern. Das ist das Ergebnis der bislang größten Studie über das Einnehmen von „Magic Mushrooms“ in winzigen Dosierungen, die kanadische Wissenschaftler durchgeführt haben.

Weniger Angst, Depressionen und Stress

Seit 2015 interessiert das Einnehmen von psychedelischen Substanzen in kleinen Dosierungen immer mehr Wissenschaftler. Begonnen hat dieser Trend im Silicon Valley, dem Mekka für Cutting-Edge-Technologien im IT-Bereich. Weil immer mehr IT-Experten ihrer Kreativität mit Mikrodosierungen auf die Sprünge halfen, fand dieser Bereich der Wissenschaft wieder neue Nahrung.

Nachdem der Schweizer Arzt Albert Hofmann 1943 LSD entdeckt hatte, wurden psychedelische Drogen bis Mitte der 60-er Jahre intensiv erforscht. Neue Drogengesetze machten dies jedoch illegal. Heutzutage erleben psychedelische Drogen, meist LSD, Psilocybin und Ayahuasca, in der wissenschaftlichen Forschung jedoch ein Comeback.

Fast 1000 Studienteilnehmern testeten Mikrodosierungen

Die bisher größte Studie über Mikrodosierungen von Psilocybin haben jetzt kanadische Wissenschaftler veröffentlicht. Die Studie wurde von Dr. Zach Walsh von der University of British Columbia (UBC) Okanagan und dem Doktoranden Joseph Rootman durchgeführt und in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

1.113 Personen nahmen an der Studie teil, wobei 953 Personen regelmäßig kleine Mengen Psilocybin einnahmen. Diese psychedelische Substanz ist weltweit in sogenannten „Magic Mushrooms“ natürlich vorhanden. Mikrodosierung bedeutet, die eingenommene Menge der Substanz löst keine wahrnehmbare Bewusstseinsveränderung aus. Eine zweite Kontrollgruppe von 180 Personen, die keine Mikrodosierungen einnahmen, wurde ebenfalls verfolgt, um die Studienergebnisse zu verifizieren.

Tägliche Beurteilungen der geistigen Gesundheit

Die Mikrodosierung umfasste die regelmäßige Selbstverabreichung kleiner Dosen getrockneter Pilze, drei- bis fünfmal pro Woche. Magic Mushrooms und LSD sind die häufigsten psychedelischen Substanzen, die heutzutage für Mikrodosierungen verwendet werden.

Die Teilnehmer der 30 Tage dauernden Studie wurden gebeten, tägliche Beurteilungen durchzuführen und zu dokumentieren. Dazu zählten Bewertungen ihrer psychischen Gesundheit, ihrer Stimmung und Wahrnehmungsmessungen. Ein Beispiel dafür ist der Fingertipp-Test, der als Marker für neurodegenerative Erkrankungen, einschließlich der Parkinson-Krankheit, verwendet werden kann.

Frauen profitierten bei Depression stärker als Männer

Die Studie ergab, dass die Teilnehmer mit Mikrodosierungen über einen Zeitraum von einem Monat eine allgemeine Verbesserung der Stimmung, der psychischen Gesundheit und der psychomotorischen Fähigkeiten bemerkten. Die Studienteilnehmer berichteten zudem von Verbesserungen bei Angstzuständen, Depressionen und Stress. Interessanterweise war der Rückgang der Depression bei den weiblichen Teilnehmern stärker ausgeprägt als bei den männlichen.

Der Forscher Dr. Zach Walsh sagte, die Ergebnisse seien vielversprechend, es seien jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, „um die Art der Beziehung zwischen Mikrodosierung, Stimmung und psychischer Gesundheit und das Ausmaß, in dem diese Effekte direkt auf Psilocybin zurückzuführen sind, und nicht auf die Erwartungen der Teilnehmer an die Substanz, festzumachen.“

Neuer Ansatz für Behandlung von Angst und Depression

Nach Auskunft von Dr. Walsh ist die aktuelle Arbeit die bisher größte Längsschnittstudie dieser Art zur Mikrodosierung von Psilocybin und eine der wenigen Studien, die eine Kontrollgruppe einbezieht.

Dr. Rootman fügte hinzu: „In Anbetracht der enormen Gesundheitskosten und der Allgegenwart von Depressionen und Angstzuständen sowie des beträchtlichen Anteils von Patienten, die auf bestehende Behandlungen nicht ansprechen, verdient das Potenzial für einen anderen Ansatz zur Behandlung dieser Störungen eine gründliche Überlegung.“

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist das therapeutische Potenzial von Mikrodosierungen beträchtlich. Die Studienautoren befürworten angesichts ihrer Studienergebnisse eine wachsende Diskussion über die Anwendung von psychedelischen Substanzen in Mikrodosen.

Quelle:

Rootman, J.M., Kiraga, M., Kryskow, P. et al. Psilocybin microdosers demonstrate greater observed improvements in mood and mental health at one month relative to non-microdosing controls. Sci Rep 12, 11091 (2022). https://doi.org/10.1038/s41598-022-14512-3 (https://www.nature.com/articles/s41598-022-14512-3)

Vorheriger ArtikelPolitische Korrektheit führt zu Erschöpfung
Nächster ArtikelCurcumin senkt Risiko für Diabetes
Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Meinung als Kommentar!
Ihr Name (freiwillig)