Mit Ingwer Autoimmunerkrankungen vorbeugen und bekämpfen?

Die ebenso scharfe wie aromatische Wurzelknolle Ingwer hat bekanntermaßen entzündungshemmende und antioxidative Wirkungen. Eine Anfang Januar veröffentlichte Studie über einen Tierversuch bestätigt jetzt, dass der Hauptwirkstoff von Ingwer Autoimmunerkrankungen nicht nur bekämpfen, sondern auch vorbeugen kann. 

Wirkung auf Lupus und Antiphospholipid-Syndrom untersucht

Ein von Dr. Ramadan Ali geleitetes Team der Universität Michigan hat Ende Dezember 2020 diese Studie veröffentlicht. Sie nahm die Wirkung von 6-Gingerol bei Autoimmunerkrankungen unter die Lupe. Dafür lösten die Forscher bei verschiedenen Gruppen von Mäusen entweder Lupus Erythematodes oder das Antiphospholipid-Syndrom aus. Beide Erkrankungen treten einzeln, häufig aber auch gemeinsam auf.

Alle Autoimmunerkrankungen verursachen Entzündungsherde im Körper, die mit der Zeit betroffene Organe stark schädigen können. Das Antiphospholipid-Syndrom löst zusätzlich Blutgerinnsel aus.

Der Tierversuch zeigte, dass der Hauptwirkstoff in der Ingwerwurzel, 6-Gingerol, bei den Mäusen die Bildung von neutrophilen extrazellulären Fallen (neutrophil extracellular traps, kurz NET) verhindern hilft. Dabei handelt es sich um Gebilde aus weißen Blutkörperchen (Neutrophilen) in der extrazellulären Matrix, die Spinnennetzen ähneln.

Normalerweise dienen diese klebrigen Strukturen dazu, Krankheitserreger zu fangen und zu vernichten. Bei Autoimmunerkrankungen lösen jedoch fehlgesteuerte Autoantikörper auf der Oberfläche der Neutrophilen diese Strukturen im Gewebe aus, obwohl sie eigentlich überflüssig sind.

Bei Lupus und Antiphospholipid-Syndrom bilden sich übermäßig viele neutrophile extrazelluläre Fallen. Sie fördern nicht nur Blutgerinnsel, sondern sind häufig auch für Schäden an Blutgefäßen verantwortlich.

Die Studienfrage lautete: „Werden sich die entzündungshemmenden Eigenschaften von Ingwer auf Neutrophile erstrecken, und kann diese natürliche Medizin insbesondere Neutrophile daran hindern, NETs herzustellen, die zum Fortschreiten der Krankheit beitragen?“

Nach der vorklinischen Studie mit Mäusen konnten die Wissenschaftler diese Frage mit einem eindeutigen Ja beantworten. Nach der Gabe von 6-Gingerol wiesen die Mäuse niedrige NET-Werte auf. Die Gerinnselbildung wurde dadurch ebenfalls drastisch verringert. Nach Auskunft der Wissenschaftler scheint 6-Gingerol neutrophile Enzyme, sogenannte Phosphodiesterasen, zu hemmen, was wiederum die Aktivierung von Neutrophilen verringert.

Die überraschendste Erkenntnis war jedoch, dass alle Mäuse mit Autoimmunerkrankung weniger Antikörper produzierten. Das werten die Forscher als deutlichen Hinweis darauf, dass 6-Gingerol den Entzündungszyklus mit NETs wirksam unterbricht.

„Während meiner langen medizinischen Ausbildung wurde mir nicht viel über Nahrungsergänzungsmittel beigebracht, aber es ist etwas, worüber mich so viele Patienten befragen“, sagt der Studienautor und Rheumatologe Dr. Jason Knight. „Als Dr. Ramadan mir das Konzept vorstellte, habe ich es begeistert in meinem Labor verfolgt, weil das Thema wichtig für unsere Patienten ist.“

Die präklinischen Daten dieser Studie an Tiermodellen waren so überzeugend, dass Dr. Ali und Dr. Knight klinische Studien am Menschen für wahrscheinlich halten.

Allerdings gebe es keine Behandlung, die bei jedem Patienten mit Autoimmunerkrankungen funktionieren würde. Dr. Knight: „Aber ich frage mich, ob es eine Untergruppe von Autoimmunpatienten mit hyperaktiven Neutrophilen gibt, die von einer erhöhten Aufnahme von 6-Gingerol profitieren könnten.“ Es werde wichtig sein, die Menge Neutrophile vor und nach der Behandlung mit Ingwer zu untersuchen. So könne man die Untergruppe der Patienten bestimmen, die am wahrscheinlichsten gut auf eine Behandlung mit 6-Gingerol anspricht.

Die bioaktive Verbindung kann nach Ansicht der Mediziner jedoch nicht die primäre Therapie für jemanden mit aktivem Antiphospholipid-Syndrom oder Lupus sein. Aber das Team sei interessiert zu sehen, ob die Nahrungsmittelergänzung denjenigen helfen könne, die ein hohes Risiko für die Entwicklung dieser Krankheiten hätten.

Menschen mit Autoantikörpern, bei denen die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist, könnten von dieser Behandlung profitieren, falls sich 6-Gingerol auch beim Menschen als vorbeugend erweisen würde.

Dr. Ali: „Kranke Patienten mit Antiphospholipid-Syndrom nehmen meist Blutverdünner, aber was wäre, wenn es auch eine natürliche Nahrungsmittelergänzung gäbe, die dazu beiträgt, die Menge der von ihnen produzierten Gerinnsel zu reduzieren? Und was wäre, wenn wir ihre Autoantikörper verringern könnten?“

Quelle: Ali RA, Gandhi AA, Dai L, Weiner JK, Estes SK, Yalavarthi S, Gockman K, Sun D, Knight JS. Anti-neutrophil properties of natural gingerols in models of lupus. JCI Insight. 2020 Dec 29:138385. doi: 10.1172/jci.insight.138385. Epub ahead of print. PMID: 33373329. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33373329/)

1 KOMMENTAR

  1. Spannend… Denn ich habe Morbus Bechterew eine Autoimmunerkrankung und ich trinke sehr oft mein Ingwer-Wasser.
    Das wäre sehr spannend wenn man herausfinden könnte ob es so eine wirkung hat.
    Danke für den Beitrag

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