Mit Eisen Nierenfunktion stärken

Die Behandlung mit Eisen kann offensichtlich Patienten mit chronischen Nierenkrankheiten (CKD) helfen. Die Autoren einer neuen Studie kommen zu dem Schluss, dass Nahrungsergänzung mit Eisen wirksam ist, selbst wenn keine Anämie vorliegt. Das Team internationaler Wissenschaftler stellte zudem fest, dass Patienten mit CKD häufig unterbehandelt werden.

Diagnose Anämie für Wirkung nicht nötig

Forscher in den USA, Kanada, Europa und Brasilien arbeiteten für die Studie zusammen, die im Journal of the American Society of Nephrology veröffentlicht wurde. Demnach ist Eisenmangel bei Patienten mit CKD mit einem höheren Risiko für Todesfälle und für Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System verbunden – unabhängig davon, ob sie eine Anämie hatten oder nicht.

Die Daten für die Studie stammen aus der langjährigen Chronic Kidney Disease Outcomes and Practice Patterns Study, einer Beobachtungsstudie an Patienten mit fortgeschrittener CKD. Demnach tritt Eisenmangel bei 30 bis 45 % der Patienten mit CKD auf. Daher konzentriert sich die Behandlung von Eisenmangel auf die Verbesserung der Erythropoese, der Produktion von roten Blutkörperchen.

Für die neue Studie untersuchten Forscher Patienten in auf Nierenkrankheiten spezialisierten Kliniken in Brasilien, Frankreich, den USA und Deutschland. Studienteilnehmer waren Patienten, die nicht mit Dialyse behandelt wurden. Ziel war, den Einfluss der Eisenspeicher im Körper auf das Risiko von Todesfällen und von kardiovaskulären Ereignissen zu bestimmen.

Ein Ergebnis: Selbst wenn klinische Faktoren bei Patienten mit CKD auf die Notwendigkeit einer Eisenersatztherapie hindeuten, werden sie typischerweise unterbehandelt. Wurde ein Eisenmangel behandelt, verbesserte sich das Risiko für Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System – unabhängig davon, ob eine Anämie diagnostiziert wurde.

Die Studie umfasste Daten von 5145 Patienten. Als Biomarker wurden die Transferrinsättigung (TSAT) und Ferritinwerte verwendet. Cox-Modelle wurden genutzt, um die Hazard Ratio für die Gesamtmortalität (ACM) und die schwerwiegenden unerwünschten kardiovaskulären Ereignisse (MACE) zu schätzen. Die Hazard Ratio gibt an, wie stark sich die Sterberate von zwei Gruppen unterscheidet.

Die Patienten wurden im Mittel über 3 Jahre hinweg beobachtet; 59 % waren männlich, mit einem Durchschnittsalter von 69 Jahren, 45 % hatten Diabetes, 28 % hatten eine koronare Herzkrankheit und 15 % hatten eine Herzinsuffizienz.

Die Kohorte hatte eine mittlere eGFR (Wert zur Bestimmung der Nierenfunktion) von 28 ml/min pro 1,73 m2. Dieser Wert entspricht einer hochgradigen Niereninsuffizenz vom Stadium G4. Der mittlere TSAT und Ferritinwert betrug von 24 % bzw. 196 ng/ml.

Das durchschnittliche Hämoglobin Hgb betrug 12,3 g/dl. Dieser Wert liegt bei Frauen am unteren Ende der Normalwerte, die von 12 bis 16 reichen. Bei Männern gilt ein Wert von 18 bis 14 als normal. 13 % wurden zu Studienbeginn Erythropoese-stimulierende Mittel verschrieben und 21 % erhielten Eisen.

Die Forscher fanden heraus, dass niedrige TSAT-Spiegel mit einem Anstieg des ACM-Risikos und der Inzidenz von MACE verbunden waren, mit 47 Todesfällen pro 1000 Patienten pro Jahr und 48 schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen pro 1000 Patienten.

Patienten mit niedriger TSAT und hohem Ferritin wiesen das höchste Risiko für unerwünschte klinische Ereignisse auf.

Verglichen mit Patienten mit einer TSAT von 26 bis 35 % hatten diejenigen mit einer TSAT ≤15 % die höchsten Risiken für ACM und MACE.

Weitere Analysen ergaben, dass Patienten mit einer TSAT von 40 % das geringste Risiko für ACM und MACE hatten. Patienten mit TSAT ≥ 46 % oder Ferritin ≥ 300 ng/ml hatten ein höheres Risiko für ACM, aber nicht für MAC. Allerdings warnten die Autoren, dass die Ergebnisse aus mehreren Gründen „vorsichtig interpretiert“ werden sollten.

Eine Hypothese ist, dass diese Untergruppe ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten hat, obwohl dies kein Untersuchungspunkt der Studie war. Es ist nach Auskunft der Studienautoren auch möglich, dass TSAT-Werte über 45 % ein Hinweis auf eine Eisenüberladung und eisenvermittelten oxidativen Stress sein können, der zu Organdysfunktionen und einem erhöhten Risiko für unerwünschte klinische Ereignisse führen kann.

„Interventionsstudien, die sich mit den Auswirkungen der Eisenmangelbehandlung über ihre erythropoetischen Wirkungen hinaus befassen, sind notwendig, um das auf Anämie fokussierte Paradigma der Eisenmangelbehandlung bei CKD in Frage zu stellen und möglicherweise bessere Strategien zur Verbesserung der Patientenergebnisse zu fördern“, sagte Studienautor Dr. Roberto Pecoits von der Arbor Research Collaborative for Health in Ann Arbor, Michigan. Randomisierte kontrollierte klinische Studien seien erforderlich, um die Rolle der Eisenbehandlung bei diesen Patienten genau zu ermitteln.

Quelle:

Guedes M, Muenz DG, Zee J, Bieber B, Stengel B, Massy ZA, Mansecal N, Wong MMY, Charytan DM, Reichel H, Waechter S, Pisoni RL, Robinson BM, Pecoits-Filho R; CKDopps Investigators. Serum Biomarkers of Iron Stores Are Associated with Increased Risk of All-Cause Mortality and Cardiovascular Events in Nondialysis CKD Patients, with or without Anemia. J Am Soc Nephrol. 2021 Jul 8:ASN.2020101531. doi: 10.1681/ASN.2020101531. Epub ahead of print. PMID: 34244326. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34244326/)

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