Mehr Frauen als Männer sterben an Nierenversagen

Frauen haben trotz besserer Lebenserwartung ein höheres Risiko für einen vorzeitigen Tod durch Nierenerkrankungen als Männer. Das ist das Ergebnis einer neuen groß angelegten Studie, die Wissenschaftler der University of Sydney verfasst haben. Sie unterstreichen die Notwendigkeit, die Ursache für diese Ungleichheit zu finden.

Gravierende Unterschiede zwischen Geschlechtern

Nierenversagen ist das schwerste Stadium einer Nierenerkrankung. Interessanterweise sind wesentlich mehr Frauen davon betroffen als Männer. Geschlechterspezifische Unterschiede bei den Fallzahlen von Krankheiten sind nicht ungewöhnlich. Allerdings sind die Unterschiede bei Nierenversagen gravierend und übersteigen die Zahlen bei anderen Todesursachen.

Die Tatsache, dass wir mehr Frauen haben, die vorzeitig an Nierenversagen sterben als Männer, sei wirklich entscheidend, so die Hauptautorin der Studie, die Biostatistikerin Dr. Nicole De La Mata: „Wir müssen den Grund für diesen Unterschied herausfinden, sei es in Bezug auf den Zugang der Menschen zur Gesundheitsversorgung, die Behandlung, die sie erhalten, oder auf biologische Erwägungen.“

Die Professorin Angela Webster von der University of Sydney betonte, dass Frauen im Vergleich zu Männern durch Nierenversagen viel mehr Lebensjahre verlieren als durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.

Die Studie untersuchte die Unterschiede zwischen Menschen mit Nierenversagen in Australien und Neuseeland, indem sie Gesundheitsakten von über 80.000 Menschen über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren untersuchten. Die Daten stützten sich auf das australische und neuseeländische Dialyse- und Transplantationsregister (ANZDATA). Diese wurde dann mit den nationalen Sterberegistern verknüpft, die Todesfälle und deren Ursachen in beiden Ländern erfassen.

Die Analyse ergab, dass Frauen mit Nierenversagen im Durchschnitt 3,6 Lebensjahre mehr verloren als Männer. Es gab auch wesentlich mehr Todesfälle durch Nierenversagen bei Frauen.

Die Auswirkungen variierten je nach dem Alter, in dem eine Person ein Nierenversagen erlitt. Jüngere Frauen hatten den größten Verlust an Lebenserwartung und Überleben. Ein Mädchen im Alter von 15 Jahren mit Nierenversagen verliert im Durchschnitt 33 Lebensjahre. Bei einem männlichen Teenager beträgt diese Zahl 27 Lebensjahre.

Bisher hatte noch niemand das Ausmaß der Konsequenzen für nierenkranke Frauen so richtig erkannt. Diese Studie verglich zum ersten Mal die Lebenserwartung von Menschen mit Nierenerkrankungen mit der Gesamtbevölkerung und nicht nur von Menschen mit Nierenversagen.

„Es erzählt eine persönlichere Geschichte für Menschen mit Nierenerkrankungen; die Analyse zeigt wirklich, wie ihnen im Vergleich zur Lebenserwartung der Allgemeinbevölkerung mehr Lebensjahre entgehen“, sagte Dr. De La Mata.

Im Allgemeinen haben Frauen aus vielen Gründen eine höhere Lebenserwartung. Allerdings leiden sie häufiger als Männer an chronischen Nierenerkrankungen. Bei Männern führt eine Nierenerkrankung jedoch schneller zum Nierenversagen.

Diese neue Studie ergänzt eine wachsende Zahl von Untersuchungen, die sich mit geschlechtsspezifischen Unterschieden im Gesundheitswesen befassen. „Der Grund für diese Geschlechtsunterschiede muss weiter erforscht werden – es können biologische Gründe oder ein unterschiedlicher Zugang zur Gesundheitsversorgung oder Behandlung sein“, sagte Dr. De La Mata.

Viele chronische Krankheiten haben geschlechtsspezifische Mechanismen, bei denen Frauen möglicherweise nicht die gleichen Symptome entwickeln wie Männer. Das kann dazu führen, dass Krankheiten nicht erkannt werden – was auch zu systematischen Unterschieden in der Versorgung führt.

Laut Professor Webster haben andere Studien gezeigt, dass Frauen im Vergleich zu Männern einen schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen würden Frauen erst in einem späteren Krankheitsstadium behandelt werden. Sie fordert deshalb: „Es müssen Unterschiede beim Zugang zur Gesundheitsversorgung und Strategien zum Schließen von Lücken identifiziert werden.“

Quelle:

De La Mata N L, Rosales B, MacLeod G, Kelly P J, Masson P, Morton R L et al. Sex differences in mortality among binational cohort of people with chronic kidney disease: population based data linkage study. BMJ 2021; 375 :e068247 doi:10.1136/BMJ-2021-068247. (https://www.bmj.com/content/375/bmj-2021-068247)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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