Mehr Antioxidantien, weniger Demenz?

Der Spiegel von Antioxidantien im Blut und das Risiko für Demenz hängen offensichtlich zusammen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie US-amerikanischer Wissenschaftler. Sie fanden heraus, dass antioxidative Vitamine wie Vitamin A, C und E sowie Karotinoide alternde Menschen vor neurodegenerativen Krankheiten schützen können

Zuletzt aktualisiert am 12. August 2022 um 15:44

Gut fürs Herz, gut fürs Gehirn

Für die Studie verwendeten die Forscher Daten aus den dritten US-amerikanischen National Health and Nutrition Examination Surveys. Sie wurden zwischen 1988 und 1994 gesammelt und mit den Follow-up-Daten der Centers for Medicare & Medicaid verknüpft.

Im Rahmen der Untersuchungen prüften die Wissenschaftler Assoziationen und Wechselwirkungen zwischen den Serumvitaminen A, C und E und einzelnen Karotinoiden im Blutserum mit Demenz jeglicher Ursache. Insgesamt wurden Daten von 7.283 Personen im Alter zwischen 45 und 90 Jahren ausgewertet.

Alter Hauptrisikofaktor für Demenz

Der absolute Hauptrisikofaktor für viele Arten von Demenz einschließlich der Alzheimer-Krankheit ist das Alter. Wenn das Gehirn altert, geraten mehrere Prozesse ins Stocken. Die Zunahme von oxidativem Stress macht dem alternden Gehirn besonders zu schaffen.

Viele zelluläre Prozesse produzieren reaktive Sauerstoffspezies (ROS), auch als freie Radikale bekannt. Diese ROS sind hochreaktiv, wenn sie auf andere Moleküle treffen. Sie wollen einfach immer an einer chemischen Reaktion teilnehmen, um sich zu stabilisieren. Das führt auf der Ebene der Zellen zu chemischem Chaos im Gehirn.

Körpereigene Antioxidantien leiden im Alter

Der Körper und auch das Gehirn verfügen über zahlreiche Schutzmechanismen, die als antioxidative Abwehr bekannt sind. Dazu zählen in erster Linie Enzymprozesse. Sie halten ROS in Schach und zerlegen sie in ruhige stabile Moleküle. Mit zunehmendem Alter arbeiten diese Schutzmechanismen jedoch weniger effizient und die Produktion von ROS steigt an. Das Ergebnis sind Schäden, die der Beginn kognitiver Probleme und Demenz sein können.

Können Antioxidantien aus Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln das Gehirn schützen? Die aktuelle Studie betrachtete diese Frage auf einfache Weise, indem sie den Spiegel bestimmter Antioxidantien im Blut und das Demenzrisiko untersuchte. Neben den ursprünglich erhobenen Daten wurde auch eine durchschnittlich 16 Jahre dauernde Nachbeobachtung berücksichtigt.

Langfristige Nachbeobachtung

Bei den Studienteilnehmern maßen die Forscher die Blutspiegel von drei verschiedenen Karotinoiden. Lutein und Zeaxanthin kommen besonders häufig in Grünkohl, Spinat, Brokkoli, Pistazien und Erbsen vor. β-Cryptoxanthin ist stark in Orangen, Papaya, Mandarinen und Eigelb vertreten.

Nach der Blutentnahme, der körperlichen Untersuchung und dem Interview wurden die Teilnehmer entlassen. Nach ein bis zwei Jahrzehnten wurden sie erneut untersucht. Dabei wurden die Studienteilnehmer in drei Ebenen eingeteilt: niedrige Antioxidantienwerte, mittlere Werte und hohe Werte.

Zusammenhang von Antioxidantien und Demenz

Dabei stellte sich heraus, dass die niedrigen Werte im Blutserum von Antioxidantien mit verstärktem Auftreten von Demenz verbunden waren. Oder umgekehrt ausgedrückt: Mehr Antioxidantien, weniger Demenz.

Jeder Anstieg von Lutein oder Zeaxanthin um 15,4 μmol/l war mit einer Verringerung des Demenzrisikos um 7 % verbunden. Bei Beta-Cryptoxanthin war jede Dosis von 8,6 μmol/l mit einem um 14 % verringerten Demenzrisiko verbunden.

Korrelation ist nicht Kausalität

Allerdings bedeutet diese Verbindung nicht, dass Antioxidantien eine direkte Wirkung auf Demenz haben. Korrelation ist nicht Kausalität. Berücksichtigt man zum Beispiel körperliche Aktivität, Einkommen und Bildungsniveau, zeigte sich der Zusammenhang zwischen Antioxidantien und Demenzrisiko weniger ausgeprägt.

Zudem ist eine einzelne Blutentnahme wahrscheinlich nicht repräsentativ für den Antioxidantienspiegel über einen längeren Zeitraum hinweg. Der Gehalt an Antioxidantien weist wahrscheinlich auf einen höheren Verzehr von Obst und Gemüse hin. Allerdings stellt sich dabei die Frage: Sind die Antioxidantien dafür verantwortlich oder die vielen anderen Nährstoffe in diesen Lebensmitteln?

Darüber hinaus achten Menschen mit einem höheren Obst- und Gemüseverzehr vermutlich tendenziell mehr auf einen gesunden Lebensstil insgesamt. Die Ergebnisse hier könnten also eine Verzerrung widerspiegeln.

Dennoch belegt die aktuelle Studie die Bedeutung von allgemeinen Ernährungsmustern und Faktoren eines gesunden Lebensstils.

Quelle:

Beydoun MA, Beydoun HA, Fanelli-Kuczmarski MT, Weiss J, Hossain S, Canas JA, Evans MK, Zonderman AB. Association of Serum Antioxidant Vitamins and Carotenoids With Incident Alzheimer Disease and All-Cause Dementia Among US Adults. Neurology. 2022 May 24;98(21):e2150-e2162. doi: 10.1212/WNL.0000000000200289. Epub 2022 May 4. PMID: 35508396; PMCID: PMC9169941. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35508396/)

QUELLEKornelia C. Rebel
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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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