Mangel an Vitamin B12 bei Sjögren Syndrom

Wer an Sjögren Syndrom leidet, hat häufig einen Mangel an Vitamin B12. Beim Sjögren Syndrom handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Tränen- und Speicheldrüsen angreift. Das Syndrom kann aber auch zu inneren Organschäden führen. Französische Wissenschaftler haben jetzt den Zusammenhang von Vitamin B12 und dem Auftreten dieser Krankheit belegt. Sie fordern, bei betroffenen Patienten routinemäßig den Spiegel von Vitamin B12 zu untersuchen.

Häufig: Wenig Vitamin B12 und gleichzeitiger Eisenmangel

Das Sjögren Syndrom zählt zu den Kollagenosen, die meist nur bei Frauen auftritt. Kollagenosen sind Krankheiten, bei denen das Strukturprotein Kollagen angegriffen wird. Diese Autoimmunkrankheit ist eine der häufigsten Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Experten schätzen, dass in Deutschland rund 320.000 Menschen davon betroffen sind.

Französische Wissenschaftler haben im Dezember 2020 eine Studie veröffentlicht, die zeigt: Patienten mit Sjögren Syndrom haben 6-mal häufiger einen Vitamin-B12-Mangel als gesunde Menschen.

Vitamin B12, auch unter der Bezeichnung Cobalamin bekannt, ist ein wichtiger Nährstoff für die normale Funktion von Zellen. Unter anderem ist dieses Vitamin an der Bildung roter Blutkörperchen, dem Zellstoffwechsel, der Nervenzellfunktion und der DNA-Synthese beteiligt.

Ein Mangel an diesem Vitamin wird bei etwa 1,5 Prozent der Allgemeinbevölkerung beobachtet und erreicht bei Senioren im Alter von über 60 Jahren 15 Prozent. Bei etwa jedem 10. Fall von Vitamin-B12-Mangel sind die Ursachen unbekannt.

Frühere Studien haben bereits einen möglichen Zusammenhang zwischen Vitamin B12 und Sjögren Syndrom gezeigt. Fehlende Kontrollgruppen bei den Studien haben die Wissenschaftler jedoch daran gehindert, eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Forscher der Angers-Universitätsklinik in Frankreich führten jetzt eine prospektive Fall-Kontroll-Analyse durch, um den Zusammenhang eindeutig zu klären. Prospektive Fall-Kontroll-Analyse bedeutet: Die Daten wurden während der Studie gesammelt und es werden Erkenntnisse von Patienten mit einer gesunden Kontrollgruppe verglichen.

Die neue Studie umfasste 126 Patienten, die in die Abteilung für Innere Medizin der Universitätsklinik eingeliefert wurden: 21 Patienten litten an Sjögren Syndrom. Die Kontrollgruppe bestand aus 105 Patienten ohne diese Krankheit. Sie wurden nach Alter und Geschlecht ausgewählt. Ihr Durchschnittsalter betrug 70 Jahre. 92,5 Prozent der Teilnehmer in beiden Gruppen waren Frauen.

Patienten wurden ausgeschlossen, wenn sie B12-Präparate erhielten, eine genetische Ursache für einen B12-Mangel hatten oder wenn Gründe für niedrige Vitamin B12-Spiegel vorlagen, beispielsweise perniziöse Anämie. Bei dieser Art von Blutarmut kann der Stoffwechsel nicht genügend rote Blutkörperchen bilden, weil der Darm Vitamin B12 aus Lebensmitteln nicht verwerten kann.

Die Ergebnisse zeigten: Patienten mit Sjögren Syndrom hatten signifikant niedrigere B12-Spiegel als Kontrollpersonen. Zudem trat der Mangel an diesem Vitamin weit häufiger auf als bei Kontrollpersonen (42,9 Prozent gegenüber 11,4 Prozent). Eisenmangel war bei Sjögren-Patienten ebenfalls signifikant häufiger (23,8 Prozent gegenüber 12,4 Prozent).

Nach Berücksichtigung aller Einflussfaktoren wie Alter kamen die Forscher zu dem Schluss: Patienten mit Sjögren Syndrom haben 6,45 mal häufiger einen Mangel an Vitamin B12 als gesunde Personen. Besonders oft ließ sich der Vitamin-B12-Mangel bei jüngeren Patienten mit Eisenmangel feststellen. Sie hatten auch deutlich niedrigere Hämoglobinspiegel.

Deshalb halten die Wissenschaftler bei einer Diagnose von Sjögren Syndrom ein routinemäßiges Screening für Vitamin B12 für dringend notwendig.

Quelle: Urbanski G, Chabrun F, Schaepelynck B, May M, Loiseau M, Schlumberger E, Delattre E, Lavigne C, Lacombe V. Association of Primary Sjögren’s Syndrome and Vitamin B12 Deficiency: A Cross-Sectional Case-Control Study. J Clin Med. 2020 Dec 16;9(12):4063. doi: 10.3390/jcm9124063. PMID: 33339380; PMCID: PMC7765802. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33339380/)

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