Mädchen beim Fußball: Gefahr durch Gehirnerschütterungen

Fußball spielen ist für weibliche Teenager gefährlicher als für männliche. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die US-amerikanische und schottische Wissenschaftler Ende April veröffentlicht haben. Das Risiko für Gehirnerschütterungen ist für Mädchen im Teenageralter doppelt so hoch wie für Jungen. Außerdem zeigte sich, dass Gehirnerschütterungen bei Mädchen schwierig zu erkennen sind und dass sie lange für die Heilung brauchen.

Geringere Nackenstärke und Hormone mögliche Ursachen

Für die Studie untersuchten Wissenschaftler der University of Pennsylvania, der Michigan State University und der University of Glasgow Daten von 40.000 weiblichen Fußballern, die die Michigan High School Athletic Association gesammelt hatte. Die Informationen über Verletzungen verglichen sie mit einer vergleichbaren Zahl von männlichen Fußballern.

Über drei Jahre hinweg wurden 1500 Gehirnerschütterungen registriert. Rund zwei Drittel dieser Fälle traten bei Mädchen auf. Interessanterweise verletzten sich die Jungen am häufigsten, wenn sie mit einem anderen Spieler zusammenprallten. Mädchen tragen dagegen öfter einen Schaden davon, wenn sie mit dem Ball oder einem Torpfosten allzu harten Kontakt machten.

Ebenfalls interessant: Die Jungen wurden 1,5-mal häufiger als Mädchen aus dem Spiel genommen. Forscher schließen daraus, dass Gehirnerschütterungen bei Mädchen schwer zu erkennen sind. Verletzte Teenager-Mädchen brauchten durchschnittlich zwei Tage länger, um sich von einer Verletzung zu erholen und wieder zu spielen.

Dr. Willie Stewart, leitender Autor der Studie und Honorarprofessor an der Universität von Glasgow, sagte bei der Vorstellung der neuen Studie: „Dies zeigt, dass Sportlerinnen einem höheren Risiko für Gehirnerschütterungen ausgesetzt sind.“ Deshalb sollte man beim Fußball verstärkt auf die Mädchen achten und Kindern generell von Kopfbällen abraten.

Kopfbälle sind bereits im vergangenen Jahr in ein kritisches Licht geraten. Damals hatten Untersuchungen gezeigt, dass ehemalige Fußballer dreieinhalb Mal häufiger an Hirnkrankheiten sterben als Menschen, die diesen Sport nicht ausüben.

Diese Forschungsergebnisse basieren laut Prof. Dr. Stewart ausschließlich auf dem männlichen Teil der Bevölkerung. Allerdings gebe es große Unterschiede, wie die Körper von Jungen und Mädchen auf Kopfverletzungen reagierten.

Der Grund, warum Sportlerinnen häufiger eine Gehirnerschütterung haben, ist nicht klar. Mädchen haben nach Auskunft der Forscher „eine geringere Nackenstärke und einen geringeren Nackenumfang“ als Jungen. Das könnte das höhere Risiko für Verletzungen am Kopf erklären. Auch Hormone könnten eine Rolle spielen.

Prof. Dr. Stewart rät deshalb, Teenager je nach Geschlecht über Gehirnerschütterungen aufzuklären. Dr. Abigail Bretzin, Postdoktorandin und Sporttrainerin an der University of Pennsylvania, forderte frauenspezifische Studien in diesem Gebiet.

Quelle:

Bretzin AC, Covassin T, Wiebe DJ, Stewart W. Association of Sex With Adolescent Soccer Concussion Incidence and Characteristics. JAMA Netw Open. 2021;4(4):e218191. doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.8191 (https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2779117)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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