Kostenlose Medizin für Mitochondrien

Training ist die beste Therapie, um die Mitochondrien in den Zellen langfristig in Topform zu halten. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die kanadische und US-amerikanische Forscher durchgeführt haben. Die Wissenschaftler zeigen, dass Bewegung die Funktion der Mitochondrien verjüngen kann, auch im zunehmenden Alter. Das kommt den Muskeln zugute und verbessert insgesamt die Gesundheit.

Zuletzt aktualisiert am 10. August 2022 um 12:48

Bewegung verjüngt auf der Zellebene

Manche Experten preisen den Effekt von Bewegung als die beste Anti-Aging-Maßnahme, die in jedem Alter positive Wirkung erzielen kann. Regelmäßiges Training führt bei den meisten Menschen zu höherer Widerstandsfähigkeit und einem deutlich verbesserten Gesundheitszustand.

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Körperliche Aktivität wird immer häufiger eingesetzt, um die Symptome bei verschiedenen Erkrankungen zu verbessern. Bewegung kann beispielsweise dazu beitragen, das Blut jung zu erhalten, Neuronen schützende Proteine freizusetzen, Verbindungen zwischen Neuronen zu stärken und die epigenetische Alterungsuhr zurückzudrehen.

Kraftwerke der Zellen liefern ATP

Von entscheidender Bedeutung für das körperliche Training sind die Mitochondrien, kleine Organellen in den Zellen. Sie liefern die Energie für alle Muskelbewegungen und werden häufig als Kraftwerke der Zellen bezeichnet. Sie wandeln die Glukose aus dem Blut, die Energie aus Nahrung und Fettspeichern, in Adenosintriphosphat (ATP) um, die Form von Energie, die Zellen tatsächlich verwenden können.

Die aktuelle Studie belegt jetzt, dass Bewegung die Qualität und Funktion der Mitochondrien verbessern kann. So kann Training offensichtlich auch helfen, negative Einflüsse auf die Mitochondrien auszubalancieren. Neben häufig genetisch bedingten Erkrankungen der Mitochondrien gibt es eine Reihe chronischer Krankheiten, die zu einem Zusammenbruch der Mitochondrien führen. Dazu zählen Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson.

Altersprozesse schädigen Mitochondrien

Manche Medikamente können die Funktion der Mitochondrien unterstützen. Allerdings reicht keine Pille an die Wirkung von regelmäßigem Training heran. Das ist das Hauptergebnis der aktuellen Studie. Demnach ist Bewegung die Schlüsselkomponente, um Mitochondrien zu stärken.

Körperliche Aktivität kann offensichtlich auch mit zunehmendem Alter die Gesundheit der Mitochondrien verbessern. Zu den altersbedingten Beeinträchtigungen gehört die verringerte Effektivität der Atmungskette, die in den Mitochondrien Glukose in Adenosintriphosphat umwandelt.

Auch die Proteinsynthese leidet im Alter unter der reduzierten Funktion der Mitochondrien.

Pluspunkt: Plastizität der Organellen

Allerdings sind diese Organellen in den Zellen flexibel und plastisch. Sie reagieren auf Veränderungen ihrer Umgebung schnell, indem sie ihre Lage, ihre innere Struktur und ihre Anzahl anpassen.  Diese Plastizität bleibt auch im Alter erhalten.

Bewegung unterstützt auch diese Eigenschaft der Mitochondrien. Die Studienautoren weisen in ihrer Arbeit darauf hin, „dass die Einführung von Bewegung in jedem Alter vorteilhaft sein kann und dass gealterte Muskeln die Fähigkeit behalten, sich an Bewegung anzupassen und mögliche Defekte des mitochondrialen Inhalts oder der Funktion wiederherzustellen.“

2 Wirkmechanismen verantwortlich

Für diese positive Wirkung von Training gibt es 2 Wirkmechanismen, die offensichtlich eine entscheidende Rolle spielen.

  • Sport fördert die Expression von PGC-1α. Dieses Protein ist der Hauptregulator der mitochondrialen Biogenese, das bedeutet, des Aufbaus neuer Mitochondrien.
  • Bewegung fördert auch die lysosomale Abbaukapazität und die Mitophagie. Diesen Prozess kann man als Abbau und Recycling fehlerhafter Mitochondrien bezeichnen.

Bewegung scheint eine umfassend positive Wirkung auf die Mitochondrien auszuüben. Die Studienautoren betonen: „Die Komplexität und Vielschichtigkeit der Anpassungen, die durch Bewegungstraining hervorgerufen werden, veranschaulichen das therapeutische Potenzial von Bewegung als mitochondriale Medizin, das möglicherweise unmöglich pharmazeutisch zu replizieren ist.“

Quelle:

Oliveira, Ashley N.; Richards, Brandon J.; Slavin, Mikhaela; Hood, David A. Exercise Is Muscle Mitochondrial Medicine, Exercise and Sport Sciences Reviews: April 2021 – Volume 49 – Issue 2 – p 67-76 doi: 10.1249/JES.0000000000000250 (https://journals.lww.com/acsm-essr/fulltext/2021/04000/exercise_is_muscle_mitochondrial_medicine.1.aspx)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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