Kopfschmerzen bekämpfen: Weniger Omega-6, mehr Omega-3

Migräne zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Die extrem starken Kopfschmerzen lassen sich oft mit herkömmlichen Schmerzmitteln kaum lindern. Eine neue Studie von US-amerikanischen Wissenschaftlern gibt Migräne-Patienten jetzt Hoffnung: Eine Ernährungsumstellung könnte die Schmerzen wirksam verringern.

Pflanzenöle nicht so gesund wie angenommen

„Unsere Vorfahren aßen sehr unterschiedliche Mengen und Arten von Fetten im Vergleich zu unserer modernen Ernährung“, sagte Studienautorin Dr. Daisy Zamora Assistenzprofessorin in der Abteilung für Psychiatrie an der School of Medicine der University North Carolina (UNC).

Sie stellt fest, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren von pflanzlichen Ölen in unserer Ernährung stark zugenommen haben. Öl von Mais, Sojabohnen und Bumwollsamen wird von der Lebensmittelindustrie für die Herstellung von Chips, Crackern und sogar Müsli verwendet.

Für die aktuelle Studie untersuchten 24 interdisziplinäre Wissenschaftler mehrere Klassen von mehrfach ungesättigten Fettsäuren, speziell Omega-6 (n-6) und Omega-3 (n-3). Der menschliche Körper braucht beide Arten von Fettsäuren. Allerdings spielt dabei das Mengenverhältnis eine wichtige Rolle.

Omega-3 verringern Entzündungen, während bestimmte Omega-6 Schmerzen fördern. Das Problem bei der modernen Ernährung mit industriell hergestellten Lebensmitteln ist, dass viele Menschen in den USA und auch hierzulande wesentlich mehr n-6 als n-3 zu sich nehmen.

Bei der Studie wollten die Forscher untersuchen, wie die Menge von Fettsäuren bei der Ernährung Kopfschmerzen beeinflussen kann. Dafür wurden 182 Patienten mit diagnostizierter Migräne als Studienteilnehmer rekrutiert.

Unter der Leitung von Dr. Doug Mann, Professor für Neurologie und Innere Medizin an der UNC, wurde eine randomisierte kontrollierte Studie durchgeführt. Das ist der Goldstandard für wissenschaftliche Studien. Werden diese Art von Studien mit großen Teilnehmerzahlen durchgeführt, gelten die Ergebnisse als wissenschaftlicher Beweis.

Für die Studie hielten sich die Migräne-Patienten zusätzlich zu ihren aktuellen Behandlungen 16 Wochen lang an eine von drei Diäten: Die Kontrolldiät wies die durchschnittliche Menge an n-6- und n-3-Fettsäuren auf, die eine in den USA lebende Person normalerweise konsumiert. Eine Diät hatte größere Mengen von n-3 und normale Mengen von n-6. Die dritte Diät hatte zusätzlich zu einem größeren Anteil von n-3 geringere Mengen von n-6.

Die Teilnehmer erhielten gemeinsam mit Lebensmitteln auch ein elektronisches Tagebuch. Damit konnten sie dokumentieren, wie viele Stunden sie täglich Kopfschmerzen hatten.

„Die Teilnehmer schienen aufgrund der Schmerzen, die sie verspürten, hoch motiviert, diese Diäten einzuhalten“, sagte Beth MacIntosh, Clinical Nutrition Manager des UNC Metabolic and Nutrition Research Core.

„Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend“, sagte Dr. Zamora. Die Patienten der Kontrollgruppe litten am meisten unter ihren Kopfschmerzen. Wurden die Mengen der Fettsäuren verändert, verringerten sich die Schmerzen. Die größte Verbesserung zeigten die Menschen, die eine Diät mit hohem n-3- und niedrigem n-6-Fettsäurengehalt einhielten.

Diese Teilnehmer berichteten von weniger Tagen im Monat mit Kopfschmerzen. Einige konnten sogar die Menge ihrer Schmerzmittel reduzieren. Außerdem waren sie erfreut über die Verbesserung ihrer Lebensqualität.  

Dr. Zamora betrachtet eine Ernährungsumstellung als wirksam. Mehr Omega-3-Fettsäuren zu verzehren hat demnach einen ähnlich starken Effekt wie manche Medikamente. Allerdings spielt bei dieser Art von Studien die Selbsteinschätzung eine Rolle, die das Ergebnis verzerren kann. Dr. Zamora: „Der Vorbehalt ist, dass, obwohl die Teilnehmer über weniger Kopfschmerzen berichteten, einige Leute ihre Wahrnehmung der Auswirkungen von Kopfschmerzen nicht änderten.“

Die Koautorin der Studie, Ketura Fauroth, wies darauf hin, dass diese Studie nur n-3-Fettsäuren von Fisch verwendete, keine Nahrungsergänzungsmittel.

Dr. Zamora betonte, die biochemische Hypothese, dass bestimmte Fettsäuren Schmerz beeinflussen, treffe auf eine Vielzahl von chronischen Schmerzen zu. Sie und ihre Kollegen arbeiten derzeit an einer neuen Studie, um eine Ernährungsumstellung bei anderen Schmerzsyndromen zu testen.

Quelle:

Ramsden C E, Zamora D, Faurot K R, MacIntosh B, Horowitz M, Keyes G S et al. Dietary alteration of n-3 and n-6 fatty acids for headache reduction in adults with migraine: randomized controlled trial BMJ 2021; 374 :n1448 doi:10.1136/bmj.n1448 (https://www.bmj.com/content/374/bmj.n1448)

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