Komplexe Beziehungen zwischen Mutter und Baby

Eine neue Studie von Wissenschaftlerinnen zeigt, dass die Sensitivität der Mutter die neuronalen Schaltkreise ihres Babys direkt beeinflussen kann. Reagiert die Mutter generell wenig empfindlich auf die Signale ihres Babys, lösen gefühlsbetonte Berührungen starke Reaktionen des Gehirns aus. Das Verhalten der Eltern und die Verarbeitung von Reizen beim Säugling stehen also in einem direkten Zusammenhang.

Babys Gehirn reagiert stärker, wenn Aufmerksamkeit fehlt

Für die neue Studie arbeiteten brasilianische und portugiesische Wissenschaftlerinnen zusammen. Die Ergebnisse wurden in dem Magazin Social Cognitive and Affective Neuroscience veröffentlicht. „Berührung ist für den Aufbau affektiver Bindungen und für das Wohlbefinden einer Person unerlässlich“, sagte die Studienautorin Ana Osório, Assistenzprofessorin am Zentrum für Bio- und Gesundheitswissenschaften der Mackenzie Presbyterian University in Brasilien, bei der Vorstellung der Studie.

Das zwischenmenschliche Berührungserlebnis sei in der frühen Kindheit besonders wichtig, da es die grundlegendste Form der elterlichen Fürsorge darstelle. Das Studium dieser sensorischen Modalität sei bisher jedoch vernachlässigt worden.

Deshalb wollten die Forscherinnen herausfinden, welche Folgen die Art und Weise hat, wie Mütter sich um ihre Säuglinge kümmern. Vor allem wollten sie untersuchen, ob das warmherzige und aufmerksame Eingehen auf die Bedürfnisse des Kindes einen Einfluss darauf hat, wie das Gehirn von Säuglingen affektive, sanfte Berührungen verarbeitet.

Für die Studie untersuchten sie 24 Säuglinge und ihre Mütter. Als die Säuglinge 7 Monate alt waren, wurden die Mütter angewiesen, 9 Minuten lang mit ihnen zu spielen. „Wir beobachteten, wie sie mit ihren Säuglingen interagierten, und beurteilten die mütterliche Sensibilität – wie gut sie die Bedürfnisse und Kommunikationen des Säuglings erkannten, sie richtig interpretierten und eine angemessene Reaktion lieferten – zum Beispiel das Kind festhalten, wenn es verärgert oder ängstlich ist“, sagte Osório.

Die Säuglinge wurden anschließend im Alter von 12 Monaten Gehirnscans unterzogen. Um eine affektive Berührung zu simulieren, wurden die Säuglinge langsam mit einem Aquarellpinsel gestreichelt. „Wir haben uns mit einer Technik namens fNIRS (funktionelle Nahinfrarot-Spektroskopie) angeschaut, wie ihr Gehirn auf sanfte Berührung reagiert. fNIRS verwendet Nahinfrarotlicht, um Veränderungen in der Sauerstoffversorgung des Gehirngewebes zu erkennen“, erklärte Osório.

Osório und ihre Kollegen fanden bei Säuglingen, deren Mütter weniger empfindlich waren, eine erhöhte Gehirnreaktion auf affektive Berührung im somatosensorischen Kortex. „Wir fanden heraus, dass das Gehirn der Säuglinge von weniger aufmerksamen Müttern in Bereichen, die Berührungen verarbeiten, tatsächlich stärkere Aktivierungsmuster zeigte“, sagte Osório.

Deshalb könne die Hypothese aufgestellt werden, dass Säuglinge, die weniger sensiblen mütterlichen Interaktionen ausgesetzt waren eine verstärkte neuronale Verarbeitung der Eigenschaften und der Bedeutung des Reizes zeigen

Allerdings können die Ergebnisse dieser kleinen Studie nicht als Beweis bewertet werden. Osório: „Wir hatten kein Maß für die mütterliche Berührung, sondern nur einen allgemeinen Index der mütterlichen Sensibilität, der Berührung, aber auch andere Verhaltensweisen umfasst.“

Zukünftige Forschung könnte die Zusammenhänge zwischen Häufigkeit und der Art mütterlicher Berührung während der Mutter-Kind-Interaktion und der Gehirnreaktion von Säuglingen auf sanfte Berührung weiter untersuchen. Das könnte klären, wie alltägliche Berührungserfahrungen die Gehirnreaktionen auf diese sensorischen Eingaben modulieren.

Quelle:

Mateus V, Osório A, Oliveira Miguel H, Cruz S, Sampaio A. Maternal Sensitivity and Infant Neural Response to Touch: an fNIRS Study. Soc Cogn Affect Neurosci. 2021 Jun 4:nsab069. doi: 10.1093/scan/nsab069. Epub ahead of print. PMID: 34086970. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34086970/)

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