Knochenmarktransplantation für schlanke Patienten mit Diabetes

Transplantationen aus dem eigenen Knochenmark können Patienten mit Diabetes Typ 2 helfen. Diese Stoffwechselkrankheit führt zu ständig erhöhten Blutzuckerspiegeln. In Deutschland sind schätzungsweise 6 Millionen Menschen davon betroffen. Jetzt haben vietnamesische Wissenschaftler eine Studie veröffentlicht, die hoffen lässt. Demnach können bestimmte Stammzellen aus dem Knochenmark helfen, den Blutzuckerspiegel zu senken.

Voraussetzung: Guter Body-Mass-Index und kurze Krankheitsdauer

Nicht übergewichtige Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 können von Transplantationen aus dem eigenen Knochenmark profitieren. Die zweite Voraussetzung für eine erfolgreiche Knochenmarkstransplantation ist eine relativ kurze Krankheitsdauer. Die in der aktuellen Studie untersuchten Diabetiker litten alle weniger als 10 Jahre an der Krankheit.

Anfang Juni wurde diese Studie im Wissenschaftsmagazin Stem Cells Translational Medicine veröffentlicht. Wissenschaftler führten die Untersuchungen am Vinmec Research Institue of Stem Cell and Gene Technology in Hanoi durch.

Für die Studie transplantierten die Wissenschaftler stromale Stammzellen des Knochenmarks. Diese Zellen werden auch mesenchymale Stammzellen genannt. Sie spielen eine Schlüsselrolle bei der Immunantwort des Körpers und sind zudem enorm anpassungsfähig. In jedem Organ können sich diese Zellen in Bindegewebszellen verwandeln.

Für die Studie wurden insgesamt 30 erwachsene Patienten mit Typ-2-Diabetes untersucht. Jeder Studienteilnehmer erhielt zwei Infusionen mit stromalen Stammzellen, die aus dem eigenen Rückenmark entnommen wurden. Die Infusionen wurden intravenös oder durch Injektion in eine Arterie verabreicht, die die Bauchspeicheldrüse mit Blut versorgt.

Die Forscher überwachten die Patienten 48 Stunden nach den Infusionen. Anschließend wurden die Studienteilnehmer in Abständen von 1 Monat, 3 Monaten, 6 Monaten und 1 Jahr erneut untersucht. Es wurden keine signifikanten Gesundheitsprobleme der Patienten durch die Behandlung festgestellt und sie schienen gleichermaßen von beiden Infusionsmethoden zu profitieren.

„Unsere Patienten haben den Eingriff gut vertragen und zeigten nach der Behandlung kurzfristige Senkungen ihres Blutzuckerspiegels“, sagt Liem Nguyen, Forschungsleiter des Instituts. „Wir haben auch festgestellt, dass einige von ihnen die Dosierung ihrer Diabetes-Medikamente vorübergehend reduzieren konnten.“

Etwa 420 Millionen Menschen weltweit leiden an Typ-2-Diabetes, eine Erkrankung, die etwa 90 Prozent aller Diabetesfälle ausmacht und häufig zu Behinderung oder Tod führt. Menschen mit Typ-2-Diabetes können das von ihrem Körper produzierte Insulin nicht gut verwerten. Erhöhte körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung können die Erkrankung bei manchen Menschen verbessern. Dennoch müssen viele Erkrankte Insulin oder Medikamente einnehmen, um ihren Blutzuckerspiegel zu kontrollieren.

Die Patienten in der Vinmec-Studie wurden auf der Grundlage der Diabetes-Medikamente, die sie regelmäßig vor ihren Stammzellinfusionen eingenommen hatten, in drei Gruppen eingeteilt. Einige hielten ihren Blutzuckerspiegel nur mit Insulin aufrecht. Andere nahmen Medikamente, aber kein Insulin, und wieder andere nahmen eine Kombination aus Insulin und Medikamenten ein.

Nach der Behandlung konnte mehr als die Hälfte der Patienten die Dosis ihrer Diabetes-Medikamente senken. Die Studienautoren halten es für erwiesen, dass die Stammzelltransplantationen sicher sind. Das eröffne den Weg für weitere klinische Studien. In Zukunft könnten auch übergewichtige Patienten untersucht werden.

Quelle:

Nguyen, LT, Hoang, DM, Nguyen, KT, et al. Type 2 diabetes mellitus duration and obesity alter the efficacy of autologously transplanted bone marrow-derived mesenchymal stem/stromal cells. STEM CELLS Transl Med. 2021; 1– 13. https://doi.org/10.1002/sctm.20-0506 (https://stemcellsjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/sctm.20-0506)

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