Kaffee trinken verringert das Risiko für Herzversagen

Ein Vergleich von drei großen Studien belegt jetzt: Kaffee trinken ist gut für das Herz. Die Mitte Februar veröffentlichte Vergleichsstudie nutzte maschinelles Lernen von Computern, um die Ergebnisse der drei größten Studien für Herzerkrankungen zu analysieren. Insgesamt wurden für die Ergebnisse Daten von 21.000 erwachsenen Menschen verwendet, die über einen Zeitraum von 10 Jahren verfolgt wurden.

Überraschung: Koffein schützt offensichtlich das Herz

Für diese neue Vergleichsstudie verglich ein Team von Wissenschaftlern der School of Medicine an der Universität von Colorado und der Feinberg School of Medicine an der Northwestern Universität in Illinois die Daten von den drei großen, bekannten klinischen Studien, die sich mit Herzerkrankungen befassen: Die FHS (Framinham Heart Study), die CHS (Cardiovascular Heart Study) und die ARIC (Atherosclerosis Risk in Communities).

Anlass dieser Metastudie war, bisher unbekannte Faktoren bei Herzerkrankungen zu untersuchen. Weltweit und in Deutschland sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache. Laut Studienautor Dr. David Kao gehören Rauchen, Bluthochdruck und Alter zu den bekannten Risikofaktoren für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Für die aktuelle Studie konzentrierten sich die Forscher auf den Konsum von Kaffee. Studienautorin Professor Linda van Horn: „Die Risiken und Vorteile des Kaffeetrinkens waren aufgrund der Popularität und Häufigkeit des weltweiten Konsums Themen von anhaltendem wissenschaftlichem Interesse.“

Allerdings lieferten die bisher vorhandenen Studien Ergebnisse, die kritische Mängel aufwiesen. Sie beruhen auf der Bewertung der Ernährung, die Studienteilnehmer selbst dokumentieren – eine generell recht unzuverlässige Methode der Datenerfassung. Auch die verwendeten Analysemethoden lassen nach Auskunft der Studienautoren zu wünschen übrig.

Um diese Kritikpunkte auszugleichen, verwendeten die Wissenschaftler maschinelles Lernen. Diese Methode beruht auf Algorithmen, die ein statistisches Modell zuverlässig aufbauen. Sie erlauben es dem Computer, ähnlich wie ein Mensch Wissen durch Erfahrungen aus den vorhandenen Daten zu ermitteln.

Insgesamt analysierten Computer für die aktuelle Studien Informationen von über 21.000 erwachsenen Studienteilnehmern, die alle in den USA angesiedelt waren. Das Trinken von koffeinhaltigem Kaffee stand dabei im Mittelpunkt des Interesses. Die Forscher erstellten je nach Menge des Konsums verschiedene Kategorien, die von 0 Tassen pro Tag bis zu 3 und mehr Tassen täglich reichten.

Das Ergebnis der aktuellen Vergleichsstudie fiel überraschend deutlich aus: Alle Menschen, die eine oder mehrere Tassen Kaffee mit Koffein am Tag tranken, hatten ein deutlich geringeres Risiko für Herzversagen. Pro Tasse Kaffee am Tag verringerte sich das Risiko für Herzinsuffizienz langfristig um 5 bis 12 Prozent – verglichen mit Personen, die keinen Kaffee tranken.

Erwartungsgemäß lieferten die Studien etwas unterschiedliche Ergebnisse. Beispielsweise fand sich in der ARIC-Studie beim Konsum von nur 1 Tasse Kaffee am Tag kein geringeres Risiko. Menschen mit einem Konsum von 2 Tassen hatten in dieser Studie jedoch ein um rund 30 Prozent erniedrigtes Risiko für Herzversagen.

Bei der FHS-Studie zeigte sich, dass entkoffeinierter Kaffee einen gegenteiligen Effekt zu haben scheint und das Risiko für Herzversagen erhöht. In der CHS-Studie jedoch veränderte sich das Risiko für Herzinsuffizienz beim Trinken von entkoffeiniertem Kaffee nicht.

Als die Forscher diese Frage weiter untersuchten, stellten sie fest, dass der Konsum von Koffein aus einer beliebigen Quelle, nicht nur Kaffee, mit einem verringerten Risiko für Herzinsuffizienz verbunden zu sein scheint. Koffein ist demnach zumindest zum Teil für den offensichtlichen Nutzen des Trinkens von Kaffee verantwortlich.

„Der Zusammenhang zwischen der Reduzierung des Risikos für Herzinsuffizienz und Koffein war überraschend“, sagte Dr. Kao. Kaffee und Koffein werden nach Auskunft des Wissenschaftlers von der allgemeinen Bevölkerung oft als schlecht für das Herz betrachtet. Er vermutet als Grund dafür, dass Menschen koffeinhaltigen Kaffee mit Herzklopfen und Bluthochdruck in Verbindung bringen.

Dr. Kao ist sicher, dass seine Studie dieses negative Image von koffeinhaltigem Kaffee verbessern kann. Der Grund: Die Studie belegt eindeutig, dass steigender Koffeinkonsum das Risiko für Herzversagen sinken lässt.

Allerdings schränkt er diesen Satz im gleichen Atemzug ein: Es gebe leider noch nicht genügend Beweise, um allen Menschen zu empfehlen, mehr Kaffee zu trinken. Um das Risiko von Herzerkrankungen eindeutig zu verringern, sollte man nach wie vor das Rauchen aufgeben, Übergewicht verlieren und Sport treiben.

Quelle:

Stevens, Laura & Linstead, Erik & Hall, Jennifer & Kao, David. (2021). Association Between Coffee Intake and Incident Heart Failure Risk: A Machine Learning Analysis of the FHS, the ARIC Study, and the CHS. Circulation: Heart Failure. 10.1161/CIRCHEARTFAILURE.119.006799. (https://www.researchgate.net/publication/349146496_Association_Between_Coffee_Intake_and_Incident_Heart_Failure_Risk_A_Machine_Learning_Analysis_of_the_FHS_the_ARIC_Study_and_the_CHS)

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