Industrielle Ernährung fördert Krankheiten durch Entzündungen

Der Ausdruck Zivilisationskrankheiten kommt nicht von ungefähr. Das belegt eine neue Studie, die Wissenschaftler der Georgia State University Ende April veröffentlicht haben. Demnach fördert eine Ernährung reich an industriell verarbeiteten Lebensmitteln Entzündungen, die dann zu chronischen Krankheiten führen.

Zuletzt aktualisiert am 29. Juli 2021 um 17:35

Mangel an Ballaststoffen verringert Darmbakterien

Die Forscher am Institut für Biomedizinische Wissenschaften an der Georgia State University kamen bei einem Tierversuch zu dem Schluss, dass industrielle Verarbeitung von Lebensmitteln Infektionskrankheiten verringern kann. Als Beispiel nannten sie Bakterien der Art Escerichia coli (E. coli), die früher häufig für Verdauungsprobleme verantwortlich waren.

Klicke hier auf das Video, um dir die Studienergebnisse von Kornelia C. Rebel erklären zu lassen.

Allerdings ist diese Art der Ernährung mit chronischen Entzündungen verbunden, die so gering sind, dass sie nicht erkannt werden. Dennoch können diese Entzündungsherde Krankheiten wie Diabetes verursachen.

In dieser Studie wurde untersucht, wie sich der Wechsel von einer auf Getreide basierten Ernährung zu fettreichen, stark verarbeiteten Speisen auswirkt. Als Gradmesser wurde der Erreger Citrobacter rodentium genommen, der sich bei Mäusen ähnlich auswirkt wie Infektionen mit E. coli beim Menschen.

Die Darmflora wirkt wie eine Schutzbarriere gegen Infektionen durch bakterielle Krankheitserreger. Allerdings beeinflusst eine Vielzahl von Faktoren die Funktion der Darmbarriere, besonders die Ernährung.

Die moderne Ernährung enthält keine Ballaststoffe, dafür aber große Mengen von verarbeiteten Lebensmitteln, rotem Fleisch, fettreichen Milchprodukten, zuckerreichen Lebensmitteln und abgepackten Lebensmitteln.

Nach Informationen der Studie trägt vermutlich vor allem der Mangel an Ballaststoffen zu einer erhöhten Zahl von chronisch entzündlichen Erkrankungen bei wie entzündlichen Darmerkrankungen, metabolischem Syndrom und Krebs.

In der aktuellen Studie stellten die Forscher fest, dass die Umstellung von Mäusen von einem Standard-Nagetierfutter auf Getreidebasis auf eine fettreiche, ballaststoffarme Ernährung die Anzahl von Darmbakterien rasch drastisch verringert.

Die Mäuse waren deshalb häufig nicht in der Lage, den Erreger Citrobacter rodentium aus dem Dickdarm zu entfernen. Stattdessen neigten sie dazu, chronische Infektionen zu entwickeln.

Interessanterweise veränderte die Fütterung von Mäusen mit verarbeiteten Lebensmitteln zunächst die Dynamik der Citrobacter-Infektion und verringerte die anfängliche Besiedlung und Entzündung, was überraschend war.

Anschließend entwickelten die Mäuse jedoch häufig eine chronische Infektion, die mit einer leichten Entzündung und Insulinresistenz verbunden war, so der leitende Autor der Studie, Dr. Andrew Gewirtz, Professor am Institut für biomedizinische Wissenschaften.

Nach Ansicht der Forscher zeigt die Studie das Potenzial der Mikrobiota und ihrer Metaboliten, durch die Ernährung den Verlauf und die Folgen einer Infektion zu beeinflussen.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die moderne Ernährung die Anzahl der Darmbakterien reduziert und das Eindringen von Mikrobiota in den Darm fördert. Das wiederum beeinflusst das Immunsystem und die körpereigene Abwehr gegen pathogene Bakterien. Die Förderung nützlicher Darmbakterien durch Nährstoffe könne deshalb ein Mittel sein, die allgemeine Gesundheit zu fördern.

Quelle:

An J, Zhao X, Wang Y, Noriega J, Gewirtz AT, Zou J (2021) Western-style diet impedes colonization and clearance of Citrobacter rodentium. PLoS Pathog 17(4): e1009497. https://doi.org/10.1371/journal.ppat.1009497 (https://journals.plos.org/plospathogens/article?id=10.1371/journal.ppat.1009497)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Meinung als Kommentar!
Ihr Name (freiwillig)