Impfung gegen rheumatoide Arthritis möglich?

Hoffnung für Patienten mit rheumatoider Arthritis? Die Verfasser einer neuen Studie halten es nach Tierversuchen für möglich, eine Impfung gegen rheumatoide Arthritis (RA) zu entwickeln. RA ist eine Autoimmunerkrankung, die meist in den Gelenken schwere Entzündungen verursacht. Die chronische Krankheit kann Betroffene stark schwächen und die Beweglichkeit der Gelenke verringern. Derzeit gilt RA als unheilbar.

Bestimmtes Protein beeinflusst Immunsystem

Eine neue Studie von Wissenschaftler der US-amerikanischen University of Toledo untersuchte in Tierversuchen die Wirkung eines bestimmten Proteins bei RA. Die Studie wurde im Magazin der Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich auf das Protein mit dem Namen 14-3-3 Zeta und entdeckten, dass seine Rolle bei RA nicht eindeutig ist. Zunächst vermuteten sie, dass dieses Protein zur Entstehung von Arthritis beiträgt. Sie entdeckten jedoch, dass sich die Gelenkentzündungen verschlimmerten, wenn sie das Protein in einem Tiermodell von RA entfernten.

Laut Studienautor Dr. Ritu Chakravarti agiert dieses Protein als Antigen. Das bedeutet, es löst die Immunantwort aus und verursacht damit Entzündungen. Dr. Chakravarti: „In dem Moment, als wir sahen, dass es ein Antigen war, nahmen wir an, dass dies eine schlechte Sache ist. Man hat immer diese Voreingenommenheit, dass Antigene schlecht sind.“

Dass die Rolle des Proteins nicht so einfach gestrickt ist, fanden die Wissenschaftler heraus, als sie die Entstehung von Arthritis in Bezug auf 14-3-3-Zeta bei Ratten untersuchten. Sie verwendeten genetisch veränderte Ratten, die kein 14-3-3 Zeta produzieren, und induzierten bei ihnen Arthritis.

Im Vergleich zu Ratten, die noch 14-3-3-Zeta produzierten, verloren diejenigen, denen das Protein fehlte, verstärkt Knochen und Körpergewicht und entwickelten schwere Gelenkentzündungen.

Bei den Versuchsratten gab es drei Phasen der Entwicklung von Arthritis: eine Phase ohne Symptome, eine Phase mit schwerer Gelenkentzündung und eine Phase, in der die Entzündung abnahm.

Die Forscher testeten, ob die Infusion von Antikörpern gegen 14-3-3-Zeta nach dem Einsetzen der Arthritis bei Arthritis-Symptomen helfen würde. Sie stellten fest, dass diese Behandlung unwirksam war.

Als Nächstes testeten sie, ob eine Immunisierung, die das Protein 14-3-3-Zeta enthielt, Symptome von Arthritis verhindern würde. Sie immunisierten die Ratten einen Tag nach der Arthritis-Induktion während des Zeitraums ohne Symptome. Sie gaben den Ratten auch eine Auffrischimpfung etwa 1 Woche nach der Induktion von Arthritis.

Dabei fanden sie heraus, dass die Impfung mit dem 14-3-3-Zeta-Protein die Gelenkentzündungen und die Schwere der Arthritis reduzierte. Es half auch, die Knochenqualität zu erhalten.

Dr. Chakravarti war von den Studienergebnissen begeistert, auch wenn es nicht das war, was das Team ursprünglich erwartet hatte. „Es gibt keine Heilung für RA. Aber dies ist wahrscheinlich eine der ersten Studien, die zeigt, dass man RA verhindern kann.“

Die Studie wurde an Ratten durchgeführt und lässt sich damit nicht 1:1 auf den Menschen übertragen. Die Studie ist jedoch ein wichtiger Schritt hin zu besseren Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit RA.

Dr. Chakravarti identifizierte zwei wichtige nächste Schritte in der weiteren Forschung. Der erste Schritt sei, festzustellen, wie dies bei betroffenen Personen tatsächlich funktioniert: „Kann dieser Impfstoff die Krankheit beim Menschen tatsächlich verhindern?“

Die zweite wichtige Komponente sei, zu verstehen, wie dieses spezielle Protein die Symptome und die Entwicklung von Arthritis beeinflusst.

Dr. Chakravarti: “Wenn wir den Wirkungsmechanismus kennen, wissen wir, für welche anderen Krankheiten wir es verwenden können. Können wir Multiple Sklerose oder andere Erkrankungen des Bewegungsapparates verhindern?“

RA ist wie Multiple Sklerose eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, der Körper greift fälschlicherweise sein eigenes Gewebe an. Dies führt zu Entzündungen in den Gelenken und Gelenkschäden und ist meist mit chronischen Schmerzen verbunden.

RA betrifft normalerweise zuerst kleinere Gelenke im Körper, wie die Knochen von Handgelenken und Händen, und die Symptome treten in den gleichen Gelenken auf beiden Seiten des Körpers auf. Da es bisher keine Heilung gibt, ist die Schmerztherapie für Menschen mit Arthritis von entscheidender Bedeutung.

Quelle:

Chakravarti, Ritu. (2021). 14-3-3z: A suppressor of Inflammatory arthritis. Proceedings of the National Academy of Sciences. 118. 10.1073/pnas.2025257118. (https://www.researchgate.net/publication/353983380_14-3-3z_A_suppressor_of_Inflammatory_arthritis)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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