Hochdosiertes Vitamin B6 lindert Angstzustände

Vitamin B6 in hohen Dosierungen kann die Erregung von Neuronen hemmen. Das kann dazu beitragen, Angstzustände und Depressionen zu lindern. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von britischen Forschern, die im Magazin Human Psychopharmacology: Clinical and Experimental veröffentlicht wurde. Ein gestörtes Gleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung bei Neuronen wird mit mehreren neuropsychiatrischen Störungen in Verbindung gebracht.

Hashimoto, Depressionen

Wirkung auf GABA verantwortlich?

In einer früheren Studie erhielten die Studienteilnehmer Marmite, das reich an verschiedenen B-Vitaminen ist. Anschließend wurden die visuell evozierten Potentiale (SSVEPs) im Steady-State gemessen. Die Forscher beobachteten reduzierte SSVEP-Amplituden nach der Supplementierung, was auf eine Zunahme der neuralen Hemmung oder eine Abnahme der Erregung hindeutete.

Diese Studie erwähnte zudem die etablierte Rolle von Vitamin B6 bei der Synthese von Gamma-Aminobuttersäure (GABA), einem hemmenden Neurotransmitter mit beruhigender Wirkung. Andere Wirkungsmechanismen konnten dabei jedoch nicht ausgeschlossen werden, da Marmite reich an Vitamin B12 und anderen B-Vitaminen ist.

Studien über 5 Jahre hinweg durchgeführt

Für die aktuelle Studie untersuchten die Forscher die Auswirkungen einer hochdosierten Supplementierung mit Vitamin B6 oder B12 auf Angstzustände und Depressionen. Dafür führten sie doppelblinde placebokontrollierte Studien über 5 Jahre hinweg durch. Die Teilnehmer waren hauptsächlich Studenten, die im Austausch für Kurspunkte durch Advertorials, soziale Medien und Mundpropaganda rekrutiert wurden.

Die Teilnehmer erhielten randomisiert Vitamin B6, Vitamin B12 oder Laktose-Placebo-Tabletten. Personen wurden ausgeschlossen, wenn sie Diabetiker, Laktose-intolerant oder Epileptiker waren oder Medikamente einnahmen, die die Aufnahme von Vitamin B beeinträchtigen. Die Vitamin-B6-Tabletten enthielten 100 mg B6 als Pyroxidinhydrochlorid. Die B12-Tabletten enthielten 1000 μg B12 als Methylcobalamin; die Dosen übertrafen die empfohlene Tagesdosis (RDA) bei weitem. Die Teilnehmer wurden gebeten, 30 bis 35 Tage lang täglich eine Tablette mit Nahrung einzunehmen.

Die Ergebnismessungen waren ein Screening auf Angststörungen bei Erwachsenen, Stimmungs- und Gefühlsfragebogen, visuelle Kontrastempfindlichkeit und Umgebungsunterdrückung, binokulare Rivalitätsumkehrrate und ein taktiler Erkennungstest.

Vitamin B6 und Vitamin B12 verringern verschiedene Ängste

Die Studie umfasste 478 Teilnehmer. Davon waren 381 Frauen im Alter von 18 bis 58 Jahren. Die Varianzanalyse der Daten von B6- und Placebo-Kohorten ergab eine signifikante Abnahme der Angst nach dem Test, hauptsächlich angetrieben durch die verringerte Angst bei B6 Gruppenthemen. Die geringfügige Verringerung der Angst in der Placebogruppe war unbedeutend. Bei der B12-Gruppe verringerte sich die Angst ebenfalls deutlich.

Die B6-Gruppe hatte zudem wesentlich niedrigere Post-Test-Scores auf den Subskalen generalisierte Angststörung und soziale Angst. Die B12-Kohorte hatte eine signifikante Post-Test-Reduktion auf der Subskala Trennungsangst. Im Gegensatz dazu wurden in der Placebo-Gruppe keine signifikanten Veränderungen festgestellt.

Gleichgewicht zwischen neuraler Hemmung und Erregung beeinflusst

Die Varianzanalyse der B6- und Placebo-Gruppendaten zeigte keine einheitliche Richtung bei der Veränderung der Depression nach dem Test. Stattdessen war es wahrscheinlicher, dass die Depressionswerte nach dem Test in der B6-Gruppe abnahmen, aber in der Placebo-Gruppe zunahmen. Die Analyse der B12- und Placebo-Kohortendaten zeigte keine signifikanten Veränderungen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Vitamin-B6-Supplementierung das Gleichgewicht zwischen neuraler Hemmung und Erregung beeinflusst. Die B6-Ergänzung verstärkte die visuellen Kontrastschwellen nur in Gegenwart einer unterdrückenden Umgebung. Dies deutete auf eine erhöhte neurale Hemmung durch höhere GABA-Spiegel hin.

Vorschlag: Weitere Nährstoffe testen

Die B6-Supplementierung reduzierte auch selbstberichtete Angstsymptome. Die erhöhten GABA-Spiegel könnten die beobachtete Abnahme der Angst ebenfalls erklären. Im Gegensatz dazu hatte die B6-Supplementierung keine offensichtliche Wirkung auf andere Ergebnismessungen wie Depression und die taktile Erkennung, bei der Objekte durch Berühren erkannt werden. Umgekehrt fand das Team keine offensichtlichen Auswirkungen der B12-Supplementierung auf die Ergebnismessungen, obwohl die Trends auf eine geringere Angst und höhere visuelle Kontrastschwellen hindeuteten.

Zusammenfassend zeigte die Studie, dass die hochdosierte Vitamin-B6-Supplementierung Angstzustände besser als Vitamin B12 beeinflussen kann. Darüber hinaus schlagen die Forscher vor, die Auswirkungen weiterer Mikronährstoffe zu untersuchen. So könnte die Kombination von Nährstoffen zur Behandlung von Angstzuständen und Depressionen getestet werden.

Quelle:

Field DT, Cracknell RO, Eastwood JR, Scarfe P, Williams CM, Zheng Y, Tavassoli T. High-dose Vitamin B6 supplementation reduces anxiety and strengthens visual surround suppression. Hum Psychopharmacol. 2022 Jul 19:e2852. doi: 10.1002/hup.2852. Epub ahead of print. PMID: 35851507. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35851507/)

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