Genetische Verbindung zwischen Typ 1 Diabetes und Autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen entdeckt

Weltweit zählen Typ-1-Diabetes und Krankheiten der Schilddrüse zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen. Wissenschaftler der Johannes Gutenberg Universität in Mainz haben jetzt eine Studie über genetische Zusammenhänge zwischen beiden Krankheitsbildern veröffentlicht. Deshalb fordern sie, dass Kinder von Patienten mit Diabetes Typ 1 und Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse regelmäßig auf Autoimmunkrankheiten untersucht werden.

Eine Autoimmunerkrankung tritt selten allein auf?

Die aktuelle Studie erschien im März 2021 in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Frontiers in Endocrinology“. Darin weisen die Studienautoren darauf hin, dass Typ-1-Diabetes und Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse weltweit die häufigsten chronischen Autoimmunerkrankungen  sind.

Allerdings handele es sich dabei nicht um die einzigen Erkrankungen, die auf diese Weise geballt auftreten. Dennoch: Diese beiden Krankheiten treten bevorzugt in Familien auf. Das sei auch beim autoimmunen polyendokrinen Syndrom der Fall. Dieser Begriff bezeichnet Autoimmunerkrankungen, die häufig gemeinsam erscheinen.

Die genetische Verbindung von Diabetes Typ 1 und autoimmunen Erkrankungen der Schilddrüse erklärt nach Ansicht der Studienautoren die Tatsache, warum zwischen beiden Krankheitsformen eine enge Beziehung besteht. Zahlenmäßig handelt es sich bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse um die häufigsten Autoimmunkrankheiten weltweit. Neben Hashimoto Thyreoiditis gehören dazu dessen atrophe Verlaufsform primäres Myxödem sowie Morbus Basedow, die Überfunktion der Schilddrüse.

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler detailliert die Rolle von HLA-Antigenen bei Personen mit einer genetischen Veranlagung zur Entwicklung einer Autoimmunerkrankung. Demnach gibt es eine Verbindung zwischen der Beförderung bestimmter HLA-Klasse-II-Allele und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für die häufigsten Autoimmunerkrankungen, einschließlich Typ-1-Diabetes und Schilddrüsenkrankheiten. Allele bezeichnen alternative Formen eines Gens.

Nach Auskunft der Studienautoren handelt es sich bei HLA-Genen um wichtige Botenstoffe. Proteine, die Nachrichten von der HLA-Klasse II im Besonderen erhalten, sind unverzichtbar für die Signalübertragung von T-Zellen. T-Zellen spielen eine wichtige Rolle im adaptiven Immunsystem. Ihre Hauptaufgabe ist, zwischen körpereigenem und körperfremdem Gewebe zu unterscheiden.

Die Autoren diskutierten in ihrer Studie verschiedene Prozesse im Rahmen einer Immunantwort. Beispielsweise kann ein T-Zellen-Rezeptor B-Zellen aktivieren, die Autoantikörper produzieren. Dies hat eine zusätzliche Immunantwort zur Folge.

Bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ 1 oder Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse werden häufig Autoantikörper gebildet. Lymphozyten, weiße Blutkörperchen, dringen dadurch oft in das Zielorgan ein, was zu Entzündungen und sogar teilweiser Zerstörung führt.

Die Präsentation von Antigenen und die damit zusammenhängende Aktivierung der T-Zellen sind nach Auskunft der Studienautoren Schlüsselkomponenten der Immunantwort.  Besonders wichtig sei jetzt, die Besonderheiten der Antigenpräsentation sowie die Struktur und Merkmale von HLA-Proteinen zu untersuchen.

In der Studie beschäftigen sich die Wissenschaftler zudem mit seltenen Varianten von Genen und Signalstoffen, die das Immunsystem beeinflussen. Dazu gehören das zytotoxische T-Lymphozyten-assoziierte Antigen (CTLA4), das Protein Tyrosinphosphatase Nichtrezeptor Typ 22 (PTPN22), der Interleukin-2-Rezeptor (IL2Ra), der Vitamin D-Rezeptor (VDR) und der Tumor-Nekrosisfaktor-a (TNF).

Zudem spielen neben Genen auch Umweltfaktoren bei Typ-1-Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen mit autoimmuner Komponente eine Rolle. Die Autoren sagen, dass es sich um „multifaktorielle endokrine Autoimmunerkrankungen“ handele. Deshalb könnten einige wenige Gene das Risiko für beide Erkrankungen erhöhen. HLA bleibt demnach der wichtigste Faktor für das Gesamtrisiko.

Verschiedene Gene sind mit dem Krankheitsrisiko bei Personen unterschiedlicher Rasse oder ethnischer Herkunft verbunden, was die kombinierte Rolle von Genetik, Epigenetik und Umweltfaktoren bei der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen verstärkt.

Zwischen dem ersten Auftreten einer Autoimmunerkrankung und der Entwicklung weiterer Krankheitsbilder kann nach Auskunft der Studienautoren viel Zeit vergehen. Deshalb plädieren die Wissenschaftler für eine regelmäßige Untersuchung der Patienten. Besonders die Kinder von Menschen mit Typ-1-Diabetes und Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse sollten regelmäßig getestet werden.

Quelle:

Frommer L, Kahaly GJ. Type 1 Diabetes and Autoimmune Thyroid Disease-The Genetic Link. Front Endocrinol (Lausanne). 2021 Mar 10;12:618213. doi: 10.3389/fendo.2021.618213. PMID: 33776915; PMCID: PMC7988207. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33776915/)

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