Fermentation hilft Darmflora und Immunsystem

Fermentierte Lebensmittel werden seit Jahren immer beliebter – mit gutem Grund. Das bestätigt eine neue Studie von Wissenschaftlern der renommierten Stanford University im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien. Demnach bereichert Fermentation die Darmflora, stärkt das Immunsystem stärkt und verringert so Entzündungen.

Verblüffend: Neue Mikroben stammen nicht von Lebensmitteln

Eines vorneweg: 36 Personen haben an der aktuellen Studie teilgenommen. Diese relativ kleine Zahl erlaubt es nicht, die Ergebnisse als wissenschaftlich bewiesen zu bezeichnen. Allerdings tragen sie dazu bei, unser Wissen über die Bedeutung der Mikroben in unserem Darm zu erweitern.

Seit etwa 10 Jahren sind Forscher auf der ganzen Welt verstärkt damit beschäftigt, die Bedeutung unserer Darmflora zu untersuchen. Inzwischen gilt es als hinreichend belegt, dass die Mikrobiota in unserem Darm für zahlreiche Krankheiten und das Immunsystem eine grundlegende Rolle spielt.

Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass ein urbaner Lebensstil die Vielfalt der Lebewesen in unserem Darm einschränkt. Deshalb nehmen Wissenschaftler verstärkt die Besiedelung des Darms von nicht-westlichen Bevölkerungsgruppen unter die Lupe. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigte beispielsweise, dass die Ernährung einer ländlichen Bevölkerung in Afrika die Mikrobiota so verändert, dass sie das Krebsrisiko senken kann.

Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir und Sauerkraut sind typische Beispiele für Lebensmittel, die unter der Industrialisierung leiden. Pasteurisierung und andere Prozesse der Lebensmittelindustrie führen dazu, dass sie kaum noch für den Darm relevante Mikroorganismen enthalten.

Eine neue Studie von Forschern der Stanford University zeigt jetzt, dass die Ernährung mit naturbelassenen fermentierten Lebensmitteln die Vielfalt des Mikrobioms erhöhen und Entzündungsmarker verringern kann. In derselben Studie zeigt eine ballaststoffreiche Ernährung das Potenzial, die Funktionen des Darmmikrobioms zu verändern und die Immunantwort zu modulieren.

Für die Studie wurden die 36 Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen von 18 aufgeteilt. 10 Wochen lang erhöhten sie den Verzehr von ballaststoffreichen pflanzlichen Lebensmitteln oder fermentierten Lebensmitteln schrittweise. Ihre Anweisungen lauteten, entweder Ballaststoffe oder fermentierte Lebensmittel auf hohem Niveau zu konsumieren.

Beide Gruppen berichteten, dass sie sich streng an die jeweilige Diät gehalten hatten. Die ballaststoffreiche Gruppe verzehrte reichlich Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse und Samen. Ihre Mitglieder erhöhten so die Aufnahme von Ballaststoffen von 22 auf 45 g pro Tag. Das entspricht ungefähr dem Dreifachen des durchschnittlichen amerikanischen Ballaststoffverzehrs. Gleichzeitig änderten sie den Verzehr von fermentierten Lebensmitteln nicht.

In ähnlicher Weise erhöhten die Teilnehmer in der Gruppe der fermentierten Lebensmittel ihren Verzehr mit Joghurt, Kefir, fermentiertem Hüttenkäse, fermentiertem Gemüse, pflanzlichen Solegetränken, Kombucha und anderen fermentierten alkoholfreien Getränken. Sie steigerten ihren Konsum von null auf sechs Portionen fermentierter Lebensmittel pro Tag, ohne ihren Ballaststoffverbrauch zu erhöhen.

Der Zustand des Immunsystems der Teilnehmer in beiden Gruppen änderte sich während der 10-wöchigen Studie nicht. Am Ende der Diät zeigten die Mitglieder der Gruppe mit zusätzlichen fermentierten Lebensmitteln bei einem breiten Screening auf Serumzytokine und Chemokine jedoch eine signifikante Abnahme von 19 Entzündungsmarkern. Dazu gehörte auch Interleukin-6, ein wichtiger Signalstoff bei chronischen Entzündungen. Diese entzündlichen Biomarker nahmen in der ballaststoffreichen Gruppe nicht ab.

In Bezug auf die Darmmikrobiota berichten die Forscher, dass es zu Studienbeginn keinen Unterschied in der fäkalen mikrobiellen Vielfalt und Struktur zwischen den beiden Ernährungsgruppen gab. Am Ende der Intervention gab es in der Gruppe mit ballaststoffreicher Ernährung überraschenderweise keinen Unterschied in der mikrobiellen Struktur und Zusammensetzung im Vergleich zum Ausgangswert. Die Aufnahme von Ballaststoffen verbesserte jedoch die Fähigkeit der Darmmikrobiota, Kohlenhydrate zu verwerten.

In der Gruppe mit fermentierten Lebensmitteln nahm die mikrobielle Diversität signifikant zu und blieb für vier Wochen nach dem Ende der Intervention erhöht. Dieser Effekt ließ sich bereits nach 4 Wochen ablesen, als die Aufnahme von fermentierten Lebensmitteln höher war als zu Beginn der Studie, aber niedriger als am Ende der Studie 10-Wochen-Frist.

Letzteres ließ die Forscher vermuten, dass eine erhöhte Diversität wahrscheinlich eine Umgestaltung des Ökosystems mit sich bringt. Daher überprüften sie alle mikrobiellen Taxa, die in den fermentierten Lebensmitteln vorhanden waren, und verglichen sie mit den Taxa der Studienteilnehmer,  deren relative Häufigkeit am Ende der Diät signifikant erhöht war.

Interessanterweise wurde nur ein sehr kleiner Bruchteil von den menschlichen Mikroben in den fermentierten Lebensmitteln nachgewiesen. Justin Sonnenburg, leitender Autor der Studie, sagte: „Die überwiegende Mehrheit kam von woanders, und wir wissen nicht, von wo. Ich denke, es gab entweder Mikroben in geringer Konzentration unterhalb der Nachweisgrenze, die geblüht haben, oder die fermentierten Lebensmittel haben etwas bewirkt, das die schnelle Rekrutierung anderer Mikroben in die Darmumgebung ermöglichte.“

Quelle:

Wastyk HC, Fragiadakis GK, Perelman D, Dahan D, Merrill BD, Yu FB, Topf M, Gonzalez CG, Van Treuren W, Han S, Robinson JL, Elias JE, Sonnenburg ED, Gardner CD, Sonnenburg JL. Gut-microbiota-targeted diets modulate human immune status. Cell. 2021 Aug 5;184(16):4137-4153.e14. doi: 10.1016/j.cell.2021.06.019. Epub 2021 Jul 12. PMID: 34256014.

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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