Erdnussallergien im Keim ersticken

Eine orale Erdnuss-Immuntherapie kann viele Kinder unter 4 Jahren gegen diese Allergie desensibilisieren. Eine neue Studie in den USA hat gezeigt, dass die meisten Kinder im Alter von ein bis drei Jahren dadurch ihre starke Erdnussallergie verlieren können. Die orale Immuntherapie ist eine Art der Allergiebehandlung, die den Patient allmählich immer stärker der Quelle der Allergie ausgesetzt. Auf diese Weise wird eine Toleranz aufgebaut.

Ziel: 5 Gramm Erdnussprotein vertragen

Die orale Immuntherapie ist eine Art Desensibilisierungstherapie. Dabei werden kleine Dosen des Allergens verwendet, um das Ausmaß einer schweren allergischen Reaktion zu verringern. Die Immuntherapie in dieser Studie bestand aus einer täglichen oralen Dosis Erdnussmehl, die über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren eingenommen wurde.

Remission wurde definiert als die Fähigkeit, 5 Gramm Erdnussprotein zu essen, ohne sechs Monate nach Abschluss der Immuntherapie eine allergische Reaktion zu haben. Die Ergebnisse der Studie namens IMPACT wurden im Wissenschaftsmagazin The Lancet veröffentlicht.

Das Experiment ergab, dass die Verabreichung einer oralen Erdnuss-Immuntherapie an Kinder mit einer starken Erdnussallergie in jungen Jahren überaus erfolgreich ist. 70 Prozent der Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren konnten damit gegenüber Erdnüssen desensibilisiert werden. Bei jedem fünften Kind ließ eine Remission der Erdnussallergie herbeiführen.

„Die wegweisenden Ergebnisse der IMPACT-Studie deuten auf ein Zeitfenster in der frühen Kindheit hin, um eine Remission der Erdnussallergie durch orale Immuntherapie herbeizuführen“, sagte Dr. Anthony S. Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases, das die Studie finanziert hat.

Erdnussallergie betrifft fast 1,5 Millionen Menschen im Alter von 17 Jahren und jünger in den USA. In Deutschland lassen sich bei rund jedem zehnten Kind erdnuss-spezifische IgE-Antikörper im Blut feststellen. Das Risiko einer lebensbedrohlichen allergischen Reaktion auf versehentlich verzehrte Erdnüsse ist für diese Kinder erheblich. Bisher blieben die meisten von ihnen ein Leben lang gegen Erdnüsse allergisch.

Bei der Konzeption der Studie argumentierten die Prüfärzte der IMPACT-Studie, dass die orale Immuntherapie mit Erdnuss das Potenzial hat, das Immunsystem zu verändern, vor allem, wnen sie in einem frühen Lebensalter verabreicht wird. Zu diesem Zeitpunkt sei das Immunsystem noch nicht ausgereift.  

Zwei frühere Studien lieferten bereits den Machbarkeitsnachweis, dass eine orale Erdnuss-Immuntherapie bei sehr kleinen Kindern sicher verabreicht werden kann und eine therapeutische Wirkung hat.

Nahezu 150 Kinder im Alter von ein bis drei Jahren nahmen an der IMPACT-Studie an fünf akademischen medizinischen Zentren in den USA teil. An der Studie konnten nur Kinder teilnehmen, die nach dem Verzehr von einem halben Gramm Erdnussprotein oder weniger eine allergische Reaktion zeigten.

Die Kinder erhielten im Rahmen der Studie nach dem Zufallsprinzip entweder Mehl mit Erdnussprotein oder ein Placebo-Mehl mit ähnlichem Aussehen. Niemand außer einem Apotheker und einem Ernährungsberater vor Ort wusste, wer Erdnussmehl oder Placebomehl erhielt, bis alle Daten gesammelt und die Studienbesuche beendet waren.

Am Ende des Behandlungszeitraums waren 71 Prozent der Kinder, die Erdnussmehl erhalten hatten, gegenüber Erdnüssen desensibilisiert. Im Vergleich dazu: Nur 2 Prozent der Kinder, die das Placebo-Mehl erhalten hatten, verloren ihre Allergie.

In einer anschließenden Analyse fanden die Wissenschaftler bei 71 Prozent der Einjährigen, bei 35 Prozent der Zweijährigen und bei 19 Prozent der Dreijährigen eine Remission.

Quelle:

Greenhawt M, Shaker M, Abrams EM. Peanut oral immunotherapy in very young children. Lancet. 2022 Jan 22;399(10322):336-337. doi: 10.1016/S0140-6736(22)00088-5. PMID: 35065770. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35065770/)

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