Digitales Detox stärkt die mentale Gesundheit

Detox beschränkt sich nicht nur auf den Körper. Geist und Seele zu entgiften, kann ebenso hilfreich sein wie eine Entschlackungskur für den Darm. Das zeigt eine neue Studie von britischen Wissenschaftlern. Der vorübergehende Verzicht auf soziale Medien bringt demnach handfeste Vorteile für die mentale Gesundheit.

Zuletzt aktualisiert am 30. August 2022 um 14:15

Abstinenz senkt Angstzustände und Depressionen

Es ist kein Geheimnis, dass in der heutigen Zeit viele von uns fast ständig an ihren Handys hängen. Ein Blick auf die Straßen oder öffentliche Transportmittel bestätigt diese Tatsache. Allerdings spiegelt das Scrollen durch die sozialen Medien ein falsches Leben vor, das für die meisten von uns unerreichbar ist. Langfristig führt das zu Depressionen und Angstzuständen.

Britische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass eine Pause von nur einer Woche von sozialen Medien mentale Beschwerden wirksam verringern kann. Die Studie von Wissenschaftlern der University von Bath ergab, dass eine Pause von Plattformen wie TikTok, Instagram, Twitter und Facebook das Wohlbefinden enorm steigern kann. Das neue Papier wurde in der Zeitschrift Cyberpsychology, Behavior and Social Networking veröffentlicht.

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Durchschnittliche Nutzung: 8 Stunden pro Woche

Für die Studie teilten die Forscher eine Gruppe von 154 Personen im Alter von 18 bis 72 Jahren in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe verzichtete auf soziale Medien, die andere nicht. Im Durchschnitt nutzten die Teilnehmer soziale Medien 8 Stunden pro Woche.

Die Teilnehmer wurden anhand von drei etablierten Tests zu ihrem Grundniveau an Angstzuständen und Depressionen sowie zu ihrem Wohlbefinden befragt.

Aktuelle Stimmung mit Fragebögen untersucht

Sie wurden gebeten, ihre Zustimmung zu Aussagen wie „Ich sehe der Zukunft optimistisch entgegen“ und „Ich habe klar gedacht“ zu bewerten. Um die Depression zu messen, wurden den Teilnehmern Fragen gestellt, darunter: „Wie oft hat Sie in den letzten zwei Wochen wenig Interesse oder Freude daran gestört, Dinge zu tun?“.

Die Angst wurde mit der General Anxiety Disorder Scale überwacht, die fragt, wie oft eine Person durch Nervosität oder die Unfähigkeit, Sorgen abzustellen, gestört wird.

Werte verbesserten sich nach kurzer Pause

Die Studienteilnehmer mit einwöchiger Pause von sozialen Medien sahen eine deutlich wahrnehmbare Verbesserung ihrer Stimmung. Ihr Wohlbefinden stieg auf der Warwick-Edinburgh Mental Well-being Scale von durchschnittlich 46 auf 55,93 stieg. Der Grad der Depression in dieser Gruppe sank von 7,46 auf 4,84, während die Angst auf der Skala von 6,92 auf 5,94 fiel.

Der Hauptautor der Studie, Dr. Jeff Lambert, sagte, die Veränderungen stellten eine moderate Verbesserung der Depression und des Wohlbefindens und eine kleine Verbesserung der Angst dar.

Pause einlegen bei zwanghaftem Scrollen

Dr. Lambert: „Viele unserer Teilnehmer berichteten von positiven Effekten, wenn sie sich nicht mit sozialen Medien beschäftigten, mit verbesserter Stimmung und insgesamt weniger Angst.“ Das deute darauf hin, dass selbst eine kleine Pause eine Wirkung haben kann.

Er fuhr fort: „Natürlich sind soziale Medien ein Teil des Lebens und für viele Menschen ein unverzichtbarer Teil dessen, wer sie sind und wie sie mit anderen interagieren.“ Aber wenn man jede Woche Stunden mit Scrollen verbringe und das Gefühl habe, dass es sich negativ auswirkt, sollte man eine Pause einlegen.

Suche nach Bestätigung in sozialen Medien?

Das Scrollen durch Inhalte ist die häufigste Aktivität, die Nutzer von sozialen Medien ausführen. Die Forschungsergebnisse unterstützen frühere Untersuchungen in den USA und in England, in denen die regelmäßige Nutzung sozialer Medien mit höheren Raten von Depressionen und Angstzuständen in Verbindung gebracht wurde.

Es sei jedoch nicht klar, ob die Nutzung sozialer Medien zu psychischen Gesundheitsproblemen führe, so die Studie, oder ob ein geringes Selbstwertgefühl Menschen auf der Suche nach Bestätigung in die sozialen Medien treibe.

In Zukunft gezieltere Untersuchungen

In Zukunft hoffen die Forscher, die Auswirkungen der Unterbrechung der Nutzung sozialer Medien auf bestimmte Bevölkerungsgruppen, wie jüngere Menschen und Menschen mit körperlichen und geistigen Gesundheitsproblemen, untersuchen zu können.

Sie möchten auch erforschen, ob die Vorteile einer Pause von sozialen Medien eine nachhaltige Wirkung haben. So könnte diese Unterbrechung Teil eines Pakets klinischer Empfehlungen werden, um Menschen beim Umgang mit ihrer psychischen Gesundheit zu helfen, so die Wissenschaftler.

Quelle:

Lambert J, Barnstable G, Minter E, Cooper J, McEwan D. Taking a One-Week Break from Social Media Improves Well-Being, Depression, and Anxiety: A Randomized Controlled Trial. Cyberpsychol Behav Soc Netw. 2022 May;25(5):287-293. doi: 10.1089/cyber.2021.0324. Epub 2022 May 3. PMID: 35512731. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35512731/)

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