Diabetes Typ 2 beeinträchtigt geistige Leistungsfähigkeit

Die Langzeitfolgen von Diabetes mellitus Typ 2 können verheerend für die geistige Leistungsfähigkeit sein. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer US-amerikanischen Studie, die gerade im Journal of Diabetes and its Complications veröffentlicht wurde. Neuropathie, Schäden des zentralen Nervensystems, verschlechtern demnach das Ergebnis von kognitiven Tests bei Patienten mit Diabetes Typ 2.

LDL-Cholesterin verantwortlicher Faktor?

Die neue Studie wurde im Rahmen der US-amerikanischen GRADE Study durchgeführt, die vom Nationalen Institut für Diabetes und Verdauungs- und Nierenerkrankungen finanziert wird. Dabei handelt es sich um eine Langzeitstudie mit 5047 Patienten.

„Es scheint, dass die kognitive Funktion und die Funktion des peripheren Nervensystems gemeinsame Vorläufer haben und teilweise zusammen entstehen“, sagte Dr. Joshua I. Barzilay, Endokrinologe am Kaiser Permanente Institut von Georgia und außerordentlicher Professor für Medizin in der Abteilung für Endokrinologie bei der Emory University School of Medicine.

Dr. Barzilay weiter: „Wenn tatsächlich eine subklinische periphere Neuropathie zusammen mit einer subklinischen kognitiven Dysfunktion bei Menschen mit Diabetes auftritt, deutet dies darauf hin, dass Menschen mit peripherer Neuropathie später einem Risiko für schwerwiegendere klinische kognitive Dysfunktionen ausgesetzt sein könnten.“

Barzilay und sein Team analysierten für die aktuelle Studie Daten von 4.559 Teilnehmern an GRADE. Die Teilnehmer mit indianischer Herkunft oder Wurzeln in Alaska waren 20 Jahre oder älter. Alle anderen Patienten waren 30 Jahre oder älter.

Die untersuchten Personen litten alle weniger als 10 Jahre an Diabetes Typ 2. Sie hatten einen HbA1c-Ausgangswert zwischen 6,8 % und 8,5 % und eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate von 30 ml/min/1,73 m2 oder höher.

Das Michigan Neuropathie Screening Instrument wurde verwendet, um die diabetische periphere Neuropathie zu beurteilen, und Indizes der Herzfrequenzvariabilität wurden herangezogen, um die kardiovaskuläre autonome Neuropathie zu beurteilen.

Die Teilnehmer absolvierten einen spanisch-englischen Sprachtest, um das verbale Lernen und die sofortige und verzögerte Erinnerung zu messen. Der Ziffernsymbol-Ersetzungstest sowie Tier- und Buchstabenflusstest wurden durchgeführt, um die exekutiven Fähigkeiten des Frontallappens zu beurteilen. Nüchternglukose und HbA1c wurden zu Studienbeginn gemessen und bei 1.543 Teilnehmern wurde im Rahmen einer Teilstudie hochsensibles C-reaktives Protein gemessen.

Von der Studienkohorte hatten 27,5% eine eindeutige diabetische periphere Neuropathie und 9,8% eine eindeutige kardiovaskuläre autonome Neuropathie. Eine periphere Neuropathie war mit niedrigeren Werten im Ziffernsymbol-Ersetzungstest verbunden, obwohl nur 1,2 % der Testwertvariationen allein durch die diabetische periphere Neuropathie erklärt werden konnten.

In den vollständig analysierten Modellen hatten hochsensitives C-reaktives Protein, HbA1c, systolischer Blutdruck und Alkoholkonsum keine Verbindung mit diabetischer peripherer Neuropathie. LDL-Cholesterin war jedoch mit einer eindeutigen diabetischen peripheren Neuropathie assoziiert. Taillenumfang und Urinalbumin-Kreatinin-Verhältnis waren die stärksten Kovariaten im Zusammenhang zwischen diabetischer peripherer Neuropathie und kognitiver Beeinträchtigung.

Barzilay sagte, dass weitere Studien erforderlich sind, um die möglichen Mechanismen hinter dem Zusammenhang zwischen diabetischer peripherer Neuropathie und kognitivem Verfall zu untersuchen.

„Kürzlich gab es eine wissenschaftliche Studie, die gezeigt hat, dass die Stimulation peripherer Nerven zu MRT-Veränderungen in den Teilen des Gehirns führt, die mit der Kognition in Verbindung stehen“, sagte Barzilay. „Solche wissenschaftlichen Studien können helfen, zu erklären, wie und warum es solche Assoziationen gibt.“

Quelle:

Joshua I. Barzilay, Alokananda Ghosh, Rodica Pop Busui, Andrew Ahmann, Ashok Balasubramanyam, Mary Ann Banerji, Robert M. Cohen, Jennifer Green, Faramarz Ismail-Beigi, Catherine L. Martin, Elizabeth Seaquist, José A. Luchsinger. The cross-sectional association of cognition with diabetic peripheral and autonomic neuropathy—The GRADE study. Journal of Diabetes and its Complications, Volume 35, Issue 12, 2021,108047, ISSN 1056-8727. https://doi.org/10.1016/j.jdiacomp.2021.108047. (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1056872721002610)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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