Der enorme Wert freundlichen Verhaltens

Unser soziales Verhalten beeinflusst unsere Mitmenschen und uns mehr, als wir manchmal wahrhaben. Zufällige freundliche Handlungen steigern das Wohlbefinden sowohl bei Gebern als auch bei Empfängern. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie US-amerikanischer Forscher. Im Rahmen der Untersuchungen stellten die Wissenschaftler fest, dass die Sender ihre positive Wirkung auf Empfänger systematisch unterschätzen. Das Anbieten einer heißen Tasse Schokolade oder ein kleines Geschenk beeindruckt offensichtlich weit mehr als angenommen.

Blumen statt Stacheldraht lohnt sich immer

Als Menschen sind wir eine soziale Spezies. Diese Tatsache ist mit viel Frust und sozialem Druck verbunden. Unsere mitmenschlichen Begegnungen sind aber auch durch viele Gefälligkeiten gekennzeichnet. Im Fachjargon der Psychologen werden diese pro-soziale Handlungen genannt.

Darunter versteht man, etwas Gutes zu tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Die freundlichen Gesten sind meistens klein und erfordern vom Geber nur wenig Mühe. Dennoch können sie den Alltag weit mehr versüßen, als wir das gemeinhin annehmen.

Pro-soziale Handlungen mit Experimenten beurteilt

Zufällige freundliche Handlungen sind leider im Allgemeinen nicht so weit verbreitet, wie man vielleicht erwarten würde. Bedeutet das, dass die meisten von uns ihre Mitmenschen nicht beachten oder wertschätzen? Nicht unbedingt. Eine neue Studie US-amerikanischer Wissenschaftler hat sich damit beschäftigt, warum wir uns nicht häufiger an kleinen pro-sozialen Handlungen beteiligen.

Für die Untersuchung führten die Forscher eine Reihe von Experimenten sowohl im Labor als auch auf dem Feld (in diesem Fall in einem Park) durch, bei denen es um das Geben und Annehmen von Geschenken und die emotionale Reaktion darauf ging.

Erwartungen fast immer daneben

Dabei stellte sich heraus, dass die Erwartungen fast immer daneben lagen. Bei allen Experimenten unterschätzten die Gebenden, wie positiv sich ihre Freundlichkeit bei den Beschenkten auswirkt. Der Grund dafür ist, dass die Geber sich eher auf den Wert der Handlung selbst konzentrieren. Bei kleinen Gefälligkeiten wird der Wert offensichtlich viel zu niedrig eingestuft.

Die Empfänger dagegen sehen den Wert in erster Linie in der menschlichen Wärme der Geste. Fazit: Das Sprichwort „es ist der Gedanke, der zählt“ scheint eines der Klischees zu sein, das ins Schwarze trifft.

Freundlichkeit ist ansteckend

Als Ergebnis dieser Diskrepanz unterschätzen die Geber auch die Folgen ihrer Tat. So übersehen sie, wie sehr sie den Tag eines Empfängers verbessert haben und wie sehr der Empfänger dadurch inspiriert ist, ebenfalls freundlicher zu sein. Freundlichkeit ist offensichtlich ansteckend.

Die Forscher kommen in ihrer Studie zu dem Schluss: „Wir schlagen vor, dass die falsch kalibrierten Erwartungen der Geber wichtig sind, weil sie ein Hindernis dafür schaffen können, sich im Alltag häufiger an pro-sozialen Aktionen zu beteiligen, was dazu führen kann, dass Menschen Gelegenheiten verpassen, sowohl ihr eigenes Wohlbefinden als auch das anderer zu verbessern.“

Freundlichkeit muss demnach keine materiellen Geschenke beinhalten. Zeit und Aufmerksamkeit sind offensichtlich wertvoller als Dinge. Ein aufrichtiges Lächeln oder freundliches Wort kann also den Tag eines Mitmenschen versüßen, auch wenn es kaum Mühe macht.

Quelle:

Kumar A, Epley N. A little good goes an unexpectedly long way: Underestimating the positive impact of kindness on recipients. J Exp Psychol Gen. 2022 Aug 18. doi: 10.1037/xge0001271. Epub ahead of print. PMID: 35980709. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35980709/)

Vorheriger ArtikelMit Vitamin D chronische Entzündungen bekämpfen
Nächster ArtikelMit Tannennadeln Zecken vernichten?
Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte hinterlassen Sie uns Ihre Meinung als Kommentar!
Ihr Name (freiwillig)