Darmbakterien verantwortlich für Brustkrebs?

Bakteroides fragilis heißt eine Art von Darmbakterien, die im Gegensatz zu ihrem Namen alles andere als fragil zu sein scheint. Diese im Dickdarm gefundene Mikrobe wurde in der Vergangenheit mit der Entwicklung von Colitis ulcerosa und Dickdarmkrebs in Verbindung gebracht. Forscher des Johns Hopkins Kimmel Krebszentrum und des Bloomberg-Kimmel-Instituts zeigten jetzt, dass diese Kleinstlebewesen auch einige Arten von Brustkrebs verursachen können. Zellen des Brustgewebes entwickeln beim Kontakt mit diesem Toxin ein Langzeitgedächtnis. Das wiederum erhöht das Risiko für Krebs.

Neue Erkenntnis: Darmbakterien dringen ins Brustgewebe ein

Die Ergebnisse einer Reihe von Laborexperimenten wurden in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Cancer Discovery veröffentlicht. Bahnbrechend ist dabei die Erkenntnis, das Mikroben auch ins Brustgewebe vordringen können. Bisher wurde dieses Gewebe als steril angesehen, so der Studienleiter Dr. Dipali Sharma, Professor für Onkologie an der Johns Hopkins Unversität.

Er bezeichnete die Studie als einen ersten Schritt, um die enterotoxigene Wirkung von Bacteroides fragilis bei der Entwicklung von Brustkrebs zu zeigen. Enterotoxigen bedeutet, dass aus dem Darm stammende Substanzen direkt als Gift im Körper wirken können.

Laut Dr. Sharma sollen jetzt zusätzliche Studien klären, wie sich diese Mikroben im gesamten Körper bewegen. Außerdem soll untersucht werden, ob nur dieses Bakterium alleine Krebs auslösen kann oder ob andere Mitglieder des Mikrobioms ähnliche Wirkungen verursachen.

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Dr. Sharma: „Trotz mehrerer etablierter Risikofaktoren für Brustkrebs wie Alter, genetische Veränderungen, Strahlentherapie und Familienanamnese tritt bei Frauen, die keine dieser Faktoren aufweisen, eine große Anzahl von Brustkrebserkrankungen auf.“ Ein gestörtes Mikrobiom im Darm könnte deshalb als zusätzlicher Risikofaktor für Brustkrebs in Frage kommen.

Sharma und Kollegen entwarfen mehrere Experimente, um die Rolle von Bacteroides fragilis zu untersuchen. Zunächst führten sie eine Metaanalyse der klinischen Daten durch, wobei sie bereits veröffentlichte Studien auswerteten. Demnach wurde Bacteroides fragilis konsistent in allen Brustgewebeproben sowie in den Brustwarzenflüssigkeiten von Krebsüberlebenden nachgewiesen.

Im Labor gab das Team diese gramnegativen Stäbchenbakterien einer Gruppe von Mäusen oral. Zunächst besiedelten sie den Darm. Doch innerhalb von drei Wochen veränderte sich das Brustgewebe der Mäuse ähnlich wie bei einer duktalen Hyperplasie, einer Vorstufe von Brustkrebs.

Hyperplasie-ähnliche Symptome traten nach zwei bis drei Wochen auch in den Zitzen von Mäusen auf, wenn die Bakterien direkt injeziert wurden. Außerdem führte der giftige Stoff bei Zellen zu aggressiven Tumoren, die schnell wuchsen. Wurden Brustzellen 72 Stunden lang den Bakterien ausgesetzt, entwickelten sie ein Gedächtnis. Dieses Zellgedächtnis führte zur Entstehung von Krebs und Metastasen.

In klinischen Studien haben die Forscher nun begonnen, die Darmflora von Patientinnen mit Brustkrebs zu untersuchen. Ziel ist es, die Wirkung des Mikrobioms auf das Wachstum des Tumors und die Behandlung festzustellen.

Bis das geklärt ist, gibt Dr. Sharma folgenden Rat: „Wir sollten auf jeden Fall versuchen, ein gesundes Mikrobiom aufrechtzuerhalten, einschließlich einer gesunden Ernährung und Bewegung sowie der Aufrechterhaltung des korrekten Body-Mass-Index.“

In der Zukunft könnte das Screening von Veränderungen der Darmflora so einfach sein wie Stuhlproben-Tests, sagte Sheetal Parida, ein Verfasser der Studie: „Wenn wir zusätzliche Bakterien finden, die für die Krebsentstehung verantwortlich sind, können wir leicht auf den Stuhl schauen und nach diesen giftigen Mikroben suchen.“

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