Chronische Schmerzen und gestörtes Essverhalten

Der Zusammenhang zwischen Essen und Schmerzen ist seit langem bekannt. Menschen mit chronischen Schmerzen haben oft mit ihrem Gewicht zu kämpfen. Forscher des Del Monte Instituts für Neurowissenschaften in Rochester, US-Bundesstaat New York, haben jetzt eine Erklärung dafür in einer neuen Studie veröffentlicht. Ihre Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Schmerzen Schaltkreise im Gehirn beeinträchtigen, die für Motivation und Vergnügen verantwortlich sind.

Nucleus accumbens verantwortlich für Entscheidungen

„Diese Ergebnisse könnten neue physiologische Mechanismen aufdecken, die chronische Schmerzen mit einer Veränderung des Essverhaltens einer Person in Verbindung bringen. Und diese Veränderung kann zur Entwicklung von Fettleibigkeit führen.“ So fasste Dr. Paul Geha, Hauptautor der Studie, die Ergebnisse zusammen.

Die neue Studie wurde jetzt im Wissenschaftsjournal Plos One der US-amerikanischen Public Library of Science veröffentlicht. Sie beschäftigt sich damit, wie unser Gehirn auf das Vergnügen am Essen reagiert.

Für die Studie untersuchten die Forscher die Reaktion des Gehirns auf Zucker und Fett. Bei einem Gelatine-Dessert und einem Pudding veränderten die Forscher den Gehalt von Zucker und Fett sowie die Textur der Lebensmittel.

Sie fanden heraus, dass bei keinem der Patienten Veränderungen im Essverhalten auftraten, wenn die Zuckermenge verändert wurde. Anders sahen die Ergebnisse mit Fett aus.

Patienten mit akuten Rückenschmerzen, die sich später erholten, verloren am ehesten die Freude am Essen des Puddings und zeigten gestörte Sättigungssignale – die Kommunikation vom Verdauungssystem zum Gehirn. Wenn die akuten Schmerzen im Rücken bereits lang anhielten, ließen sich zunächst keine Veränderungen bei der Sättigung feststellen.

Im Lauf der Zeit wurden der übermäßige Verzehr von Lebensmitteln wie Eiscreme und Kekse mit einem hohen Gehalt von Zucker und Fett jedoch für sie problematisch. Gehirnscans zeigten, dass die Sättigungssignale gleichzeitig gestört waren.

Dr. Geha: „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Fettleibigkeit bei Patienten mit chronischen Schmerzen möglicherweise nicht durch Bewegungsmangel verursacht wird.“ Stattdessen könnten die Schmerzen die Gehirnfunktionen verändern und so zu einer verstärkten Kalorienaufnahme führen.

Gehirnscans der Studienteilnehmer zeigten, dass der Nucleus Accumbens Hinweise geben könnte. Dieser kleine Bereich mitten im Gehirn ist dafür bekannt, dass er eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung spielt. Er könnte Hinweise darauf geben, welche Schmerzpatienten besonders anfällig für gestörtes Essverhalten sind.

Die Forscher fanden heraus, dass die Struktur dieses Bereichs des Gehirns bei Patienten normal war, die anfänglich Veränderungen in ihrem Essverhalten erlebten, deren Schmerzen jedoch nicht chronisch wurden.

Patienten, deren Schmerzen chronisch wurden, hatten einen kleineren Nucleus accumbens. Interessanterweise deutete der Nucleus accumbens nicht nur bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen die Bewertung der Zufriedenheit durch eine Mahlzeit an. Auch Patienten, die nach einem akuten Anfall chronische Rückenschmerzen entwickelten, zeigten eine ähnliche Funktion des Nucleus accumbens.

Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass diese Region für das motivierte Verhalten von Patienten mit chronischen Schmerzen von entscheidender Bedeutung ist. Frühere Untersuchungen von Dr. Geha ergaben, dass ein kleinerer Nucleus accumbens ein höheres Risiko für chronische Schmerzen anzeigen kann.

Quelle:

Lin Y, De Araujo I, Stanley G, Small D, Geha P (2022) Chronic pain precedes disrupted eating behavior in low-back pain patients. PLoS ONE 17(2): e0263527. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0263527 (https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0263527)

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