Biologika verringern Risiko für Psoriasis-Arthritis

Die reine Schuppenflechte (Plaque-Psoriasis) an sich kann die Lebensqualität bereits stark mindern. Doch diese Autoimmunerkrankung betrifft oft nicht nur die Haut. Mit der Zeit greifen fehlgesteuerte Immunzellen häufig auch die Gelenke an. Dieses Krankheitsbild ist als Psoriasis-Arthritis (PsA) bekannt. Eine neue Studie zeigt jetzt, dass eine Behandlung mit Biologika das Risiko für Psoriasis-Arthritis verringern kann.

Biologische Antirheumatika wirksamer als Lichtbehandlung

Die konventionelle Behandlung bei Autoimmunerkrankungen besteht in der Verabreichung von Immunsuppressiva. Diese Medikamente unterdrücken das gesamte Immunsystem, einschließlich aller fehlgesteuerten Immunzellen. Das hilft zwar in der Regel, um Symptome zu lindern. Doch es trägt nicht dazu bei, das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Eine Alternative für Menschen mit Plaque-Psoriasis könnten offensichtlich biologische krankheitsmodifizierende Antirheumatika, sogenannte Biologika, sein. Zu diesem Schluss kommen italienische Wissenschaftler in einer Langzeit-Studie, die vor kurzem veröffentlicht wurde. Dabei handelt es sich um genetisch veränderte Proteine, die ganz gezielt bestimmte Signalstoffe des Immunsystems hemmen.

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität von Verona 464 Patienten mit Plaque-Psoriasis. Diese Art der Schuppenflechte führt dazu, dass sich stark juckende, silberne Hautschuppen bilden. Das Ergebnis: Die Behandlung mit Biologika führte dazu, dass diese Patienten weniger häufig PsA entwickelten als Kranke, die mit Lichttherapie behandelt wurden.

Epidemiologische Daten zeigen, dass PsA bei jedem vierten Patienten mit Schuppenflechte noch fünf bis zehn Jahre nach der Diagnose einer Plaque-Psoriasis auftreten kann.

Studienautor Dr. Paolo Gisondi, von der Sektion für Dermatologie und Venerologie der Universität von Verona: „Die Verzögerung zwischen dem Einsetzen der Hautmanifestationen von Psoriasis und Gelenkerkrankungen kann ein therapeutisches Fenster für klinische Möglichkeiten bieten, um das Fortschreiten von Psoriasis zu PsA zu verhindern.“

Bisher seien aber die Auswirkungen einer kontinuierlichen systemischen Behandlung mit biologischen krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) nicht ausreichend untersucht worden.

Diesen Mangel soll die aktuelle retrospektive, nicht randomisierte Studie jetzt ausgleichen. Sie wurde in den Annals of the Rheumatic Diseases veröffentlicht. Für die Studie überprüften die Forscher zwischen Januar 2012 und September 2020 Daten von Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis. Sie verglichen die Daten von Patienten, die eine kontinuierliche Behandlung mit biologischen DMARDs erhalten hatten mit Daten von Kranken, die mit schmalbandigem ultravioletten Licht B (nb-UVB) behandelt wurden.

Im Detail: Insgesamt 234 Patienten wurden mindestens 5 Jahre lang mit biologischen DMARDs behandelt und 230 wurden mit mindestens drei Zyklen einer UVB-Phototherapie behandelt; alle Patienten wurden durchschnittlich 7 Jahre lang nachbeobachtet.

Während des Nachbeobachtungszeitraums entwickelten 51 Patienten (11 %) PsA: 19 (8 %) in der biologischen DMARD-Gruppe und 32 (14 %) in der nb-UVB-Phototherapie-Gruppe. Die jährliche Inzidenzrate von PsA betrug 1,20 Fälle pro 100 Patienten pro Jahr in der biologischen DMARDs-Gruppe im Vergleich zu 2,17 Fällen pro 100 Patienten pro Jahr in der Phototherapie-Gruppe.

Von den Patienten, die biologische DMARDs einnahmen, wurden 39 (17 %) mit Infliximab, 17 (7 %) mit Etanercept, 67 (29 %) mit Adalimumab, 50 (21 %) mit Ustekinumab und 61 (26 %) mit Secukinumab behandelt; 35 dieser Patienten wechselten während des Studienzeitraums die Biologika.

Die Studienergebnisse wurden durch mehrere Faktoren eingeschränkt, darunter das retrospektive Design und das daraus resultierende Potenzial für Verzerrungen, so die italienischen Wissenschaftler. Eine Subgruppenanalyse der biologischen DMARD-Klassen ließ sich aufgrund der geringen Stichprobengröße nicht durchführen.

Die Forscher betonten jedoch, dass die Ergebnisse durch die vollständige Datenbank und genaue PsA-Diagnosen gestärkt wurden.

Um die Ergebnisse zu bestätigen, seien jedoch größere prospektive und Interventionsstudien erforderlich. Die Daten der aktuellen Studie deuten jedoch darauf hin, dass eine fortgesetzte Behandlung mit biologischen DMARDs „das Risiko eines Auftretens von PsA bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer chronischer Plaque-Psoriasis verringern kann“, schlossen sie.

Quelle:

Gisondi P, Bellinato F, Targher G, et al

Biological disease-modifying antirheumatic drugs may mitigate the risk of psoriatic arthritis in patients with chronic plaque psoriasis

Annals of the Rheumatic Diseases Published Online First: 18 June 2021. doi:10.1136/annrheumdis-2021-219961 (https://ard.bmj.com/content/early/2021/06/17/annrheumdis-2021-219961)

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