Allein lebende Männer neigen zu Entzündungen

Männer können Einsamkeit offensichtlich nur schwer verkraften. Wenn sie mehrere Jahre allein leben oder wiederholt Trennungen erlebt haben, lassen sich bei ihnen steigende Konzentrationen von Entzündungsmarkern im Blut feststellen. Das deutet auf ein erhöhtes Risiko für altersbedingte Erkrankungen und Todesfälle hin, schließen die dänischen Verfasser einer großen Bevölkerungsstudie, die im Journal of Epidemiology & Community Health veröffentlicht wurde.

Zuletzt aktualisiert am 17. April 2022 um 19:06

Gesundheitliche Auswirkungen von Trennungen

Frühere Studien haben bereits herausgefunden, dass Scheidungen und Trennungen von Beziehungen die Gesundheit schwächen. Jahre von Alleinleben sind mit einem erhöhten Risiko für geschwächte Immunität und einem höheren Todesrisiko verbunden. Die bisherigen Studien konzentrierten sich jedoch hauptsächlich auf die Auswirkungen einer Partnerschaftsauflösung und dann meist nur auf Ehetrennungen.

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Daher wollten dänische Forscher in Kopenhagen jetzt herausfinden, welche Auswirkungen eine gehäufte Anzahl von Trennungen oder allein gelebte Jahre auf die Reaktion des Immunsystems bei Personen mittleren Alters haben könnten und ob Geschlecht und Bildungsgrad einen Einfluss darauf haben.

Die Studie stützte sich auf Informationen von 4835 Teilnehmern im Alter zwischen 48 und 62 Jahren von der Copenhagen Ageing and Midlife Biobank-Studie (CAMB-Studie).

4612 Teilnehmer (3170 Männer und 1442 Frauen) machten Angaben zu seriellen Partnerschaftsauflösungen, darunter 83 Todesfälle des Partners. 4835 Teilnehmer (3336 Männer und 1499 Frauen) informierten über ihre Anzahl allein gelebter Jahre für den Zeitraum von 1986 bis 2011.

Als normal wurde eingestuft, wenn weniger als ein Jahr lang allein gelebt wurde. Weitere Kategorien waren zwei bis sechs Jahre und sieben oder mehr Jahre des Alleinlebens.

Die Forscher sammelten auch Informationen zu folgenden potenziellen Einflussfaktoren:

  • Alter
  • Bildungsabschluss
  • frühe große Lebensereignisse (Verlust eines Elternteils, finanzielle Sorgen, Familienkonflikte, Pflegeeltern)
  • Gewicht (BMI)
  • langfristige Bedingungen
  • Arzneimittel, die Entzündungen beeinflussen können (Statine, Steroide, nichtsteroidale Antirheumatika, Immunsuppressiva)
  • kürzlich aufgetretene Entzündungen,
  • Persönlichkeitsmerkmale (Neurotizismus, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit)
  • In Blutproben gemessene Entzündungsmarker

In den Blutproben der Teilnehmer wurden die Entzündungsmarker Interleukin 6 (IL-6) und C-reaktives Protein (CRP) gemessen.

Die Forscher fanden heraus, dass etwa die Hälfte der Teilnehmer eine Trennung der Partnerschaft erlebt hatte.  54 % der Frauen und 49 % der Männer hatten länger als ein Jahr allein gelebt.

Etwa jeder Fünfte hatte zehn oder weniger Schuljahre aufzuweisen und etwa sechs von zehn hatten eine oder mehrere chronische Erkrankungen. Etwa die Hälfte hatte früher große Lebensereignisse erlebt, und die Hälfte der Frauen und fast zwei Drittel der Männer waren übergewichtig oder fettleibig.

Bei Männern wurden die höchsten Werte an Entzündungsmarkern bei denjenigen gefunden, die die meisten Partnerschaftsabbrüche erlebt hatten. Sie hatten 17 % höhere Werte an Entzündungsmarkern als die in der Referenzgruppe.

In ähnlicher Weise waren die Werte der Entzündungsmarker in der Gruppe erhöht, die die meisten Jahre allein gelebt hatte (sieben oder mehr). Sie hatten um bis zu 12 % höhere Markerwerte. Die höchsten Werte beider Entzündungsmarker für allein gelebte Jahre wurden bei Männern mit hohem Bildungsabschluss und zwei bis sechs Jahren Alleinleben (CRP) und sieben oder mehr Jahren Alleinleben (IL-6) beobachtet.

Interessanterweise wurden diese Befunde nur bei den Männern beobachtet. Bei den Frauen wurden keine solchen Assoziationen gefunden.

Männer tendieren dazu, auf eine Trennung der Partnerschaft mit äußerlichen Verhaltensweisen zu reagieren, beispielsweise Alkoholkonsum. Frauen dagegen neigen dazu, depressive Symptome zu internalisieren. Dieses geschlechtsspezifische Verhalten kann die Entzündungswerte unterschiedlich beeinflussen, stellten die Forscher fest.

Allerdings umfasste die Studie mit 1499 nur eine relativ kleine Anzahl von Frauen. Das könnte diese Diskrepanz erklären, fügten die Wissenschaftler hinzu.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelte, lassen sich keine Ursachen feststellen. Die Forscher räumten ein, dass das Durchschnittsalter der Teilnehmer bei 54 Jahren liegt. Zu diesem Zeitpunkt hätten die vollen Folgen der Exposition gegenüber entzündlichen Signalstoffen möglicherweise noch nicht ihren Höhepunkt erreicht. Zudem erzeugen Männer nach Auskunft der Studienautoren stärkere Entzündungsreaktionen als gleichaltrige Frauen.

Darüber hinaus lasse die Kompetenz des Immunsystems mit zunehmendem Alter ohnehin nach. Das könnte oft zu einer systemischen gering-gradigen Entzündung führen. Das spiele eine Schlüsselrolle bei mehreren altersbedingten Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes.

Eine kleine Anzahl von Trennungen oder Jahren, die allein gelebt wurden, sind demnach an sich kein Risiko für eine schlechte Gesundheit. Aber die Kombination aus vielen Jahren, in denen man allein gelebt hat, und mehreren Trennungen beeinflusst sowohl CRP als auch IL-6 deutlich.

Die Forscher: „Die Entzündungswerte in unserer Studie sind niedrig, aber sie sind auch signifikant, klinisch relevant und höchstwahrscheinlich ein Risikofaktor für eine erhöhte Sterblichkeit.“ Sie betonten, es gebe eine bemerkenswerte Anzahl von Menschen, die mit einer leichten Entzündung leben.

Quelle:

Davidsen K, Carstensen S, Kriegbaum M, Bruunsgaard H, Lund R. Do partnership dissolutions and living alone affect systemic chronic inflammation? A cohort study of Danish adults. J Epidemiol Community Health. 2022 Jan 10:jech-2021-217422. doi: 10.1136/jech-2021-217422. Epub ahead of print. PMID: 35012967. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35012967/)

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Kornelia ist ausgebildete Redakteurin, Buchautorin und freie Texterin. Ihre Erfahrung mit Ess-Störungen hat sie in drei Kochbüchern beschrieben, die alle den Gourmand World Cookbook Awards von Edouard Cointreau gewonnen haben. Ihr Buch Cooking for Happiness hat sogar den Titel ‘Best in the World’ in der Kategorie Innovativ erhalten. Neben Ernährung faszinieren sie vor allem Themen im Bereich Gesundheit. Ihr umfangreiches Wissen in diesen Gebieten stellt sie leicht verständlich dar. Besonders liegt ihr eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Existenz im Allgemeinen und Körperfunktionen im Besonderen am Herzen.

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